Bereits zum dritten Mal seit dem Jahr 2006 lädt die European Association for Chemical and Molecular Sciences (EuCheMS) zum EuCheMS Chemistry Congress. Über 3000 Wissenschaftler aus ganz Europa erwartet der Veranstalter vom 29. August bis 2. September 2010 in Nürnberg. Dr. Andrea Gruß befragte die Vorsitzenden des wissenschaftlichen Komitees, Prof. François Diederich, ETH Zürich, und Prof. Andreas Hirsch, Universität Erlangen-Nürnberg, zu den Vorbereitungen und Zielen des Kongresses.
CHEManager: Wer ist die European Association for Chemical and Molecular Sciences?
Prof. A. Hirsch: Die EuCheMS ein Zusammenschluss von wissenschaftlichen Fachgesellschaften sowie Industrie- und Berufsverbänden aus dem Bereich der Chemie. Der Dachorganisation gehören europaweit rund 50 Verbände und Organisationen aus 35 Ländern an. In Deutschland sind dies die Deutsche Bunsengesellschaft, die Dechema und die Deutsche Vereinte Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin und die Gesellschaft Deutscher Chemiker. Insgesamt zählt die EuCheMS mehr als 150.000 Mitglieder und erreicht damit nahezu soviel Chemiker wie die American Chemical Society mit über 160.000 Mitgliedern.
Welche Ziele verfolgt die EuCheMS?
Prof. F. Diederich: Zu den wichtigsten Aktivitäten der Vereinigung zählen der EuCheMS-Kongress, der im Turnus von zwei Jahren veranstaltet wird - das erste Mal im Jahr 2006 in Budapest, danach 2008 in Turin und in diesem Sommer in Nürnberg. Gastgeber des diesjährigen Kongresses ist die Gesellschaft Deutscher Chemiker.
Warum fiel die Wahl auf Nürnberg?
Prof. A. Hirsch: Wir haben in Nürnberg ein großes Kongresszentrum und eine gute Infrastruktur zu einem sehr guten Preis/Leistungs-Verhältnis zu bieten. Hinzu kommt ein abwechslungsreiches kulturelles Angebot.
Prof. F. Diederich: Ja, das mittelalterliche Nürnberg mit seinem Schloss ist sehr attraktiv! Aber für mich ist vor allem wichtig, dass Nürnberg an der Schnittstelle zu den neuen osteuropäischen EU-Ländern liegt. Chemiker aus Polen, Tschechien, der Slowakei, Slowenien oder Ungarn können einfach und kostengünstig mit dem Auto nach Nürnberg anreisen. Wir hoffen auf zahlreiche Besucher aus Osteuropa und haben unser Programm inhaltlich entsprechend auf diese Zielgruppe zugeschnitten.
Wie wollen Sie gezielt Chemiker aus Osteuropa ansprechen?
Prof. F. Diederich: Chemiker in osteuropäischen Ländern beschäftigen sich z.B. sehr intensiv mit Wirkstoffentwicklung und Heterocyclen-Chemie; auch die theoretische Chemie ist in diesen Regionen prominent vertreten. Diese Themen haben wir daher verstärkt in unser Programm aufgenommen.
Prof. A. Hirsch: Das Jungchemikerforum der GDCh vergibt zudem 10 Teilstipendien über 250 €, um jungen Wissenschaftlern aus Osteuropa die Teilnahme am Kongress zu erleichtern. Interessenten können sich noch bis zum Juli dafür bewerben. Für Studierende und Doktoranden aus Deutschland vergeben die GDCh und die Karl-Ziegler-Stiftung Reisestipendien über jeweils 400 €. Anträge hierfür können noch bis Anfang Mai gestellt werden.
Das Motto des dritten EuCheMS-Konresses lautet „Chemistry - the Creative Force". Welche Botschaft wollen Sie damit vermitteln?
Prof. F. Diederich: Wir wollen ausdrücken, dass die Chemie eine zentrale Wissenschaft sowohl für die Innovationen in der Vergangenheit war als auch für die der Zukunft sein wird. Ob es um grundlegende Fragen unserer Ernährung und Gesundheit, zum Umweltschutz oder der Energie- und Rohstoffversorgung geht, die Chemie spielt eine zentrale Rolle. Sie leistet einen kreativen und schöpferischen Beitrag, um die künftigen Fragestellungen unserer Gesellschaft zu beantworten.
Was erwartet die Besucher des EuCheMS-Kongresses?
Prof. A. Hirsch: Es gibt sieben parallele, große Symposien zu den Themen innovative Materialien, Rohstoffe und Umwelt, supramolekulare Systeme, Katalyse, molekulare Life Sciences, Analyse, Manipulation und Simulation sowie Advances in organischer und anorganischer Chemie. Jedes davon gliedert sich nochmals in drei oder vier Untersymposien auf, die sich auf bestimmte Aspekte des übergeordneten Themas fokussieren. Insgesamt wird es sieben Plenarvorträge mit international renommierter Referenten geben und 135 geladene sowie etwa 300 eingereichte Vorträge. Die Anmeldung von Postern und Vorträgen ist noch bis zum 5. Mai 2010 möglich.
Prof. F. Diederich: Wir haben wir uns bemüht, das Programm sowohl vertikal als auch horizontal zu optimieren. Die Vertikale sind die sieben Obersymposien. Dort möchten wir Experten zu diesen Themen aus Industrie und Hochschule erreichen. Gleichzeitig gibt es bei internationalen Fachkongressen natürlich auch das Bedürfnis spezialisierter Wissenschaftler zu berücksichtigen. So sollte beispielsweise ein Organiker eine kritische Masse an Programmpunkten finden, die für ihn einen Kongressbesuch über vier Tage hinweg attraktiv machen.
Schlüsselwörter : Chemiekongress ETH Zürich EuCheMS GDCh Kongress Nürnberg Universität Erlangen-Nürnberg
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Leserkommentare (2)
Wirklich ein gutes Interview, das einem Lust auf den Kongress macht. Eine Anmerkung gibt es aber doch:
Die von Prof. Hirsch angesprochenen 10 Stipendien für Nachwuchswissenschaftler aus Ost- und Mitteleuropa werden vom Jungchemikerforum Frankfurt/Main zur Verfügug gestellt. Dabei handelt es sich um eine Untereinheit des hier angesprochenen, bundesweit aktiven Jungchemikerforums. Es steht durchaus zu erwarten, dass der Bundesvorstand weitere Stipendien ausloben wird, das besondere an der Frankfurter Initiative ist jedoch die Fokussierung auf das östliche Europa und damit ein heraussragendes Beispiel für Networking und einen wahren europäischen Chemie-Gedanken. Weitere Informationen zu dieser besonderen Aktion finden sich unter http://www.jungchemiker.de/stipendien.htm
Man sieht sich in Nürnberg!
Dieses Interview bringt genau die Faszination herrüber, die der Kongress bieten wird: Wissenschaftliche Exzellenz, über Europa hinausgehende Internationalität und ein großes Miteinander und Wiedersehen. Mit über 3.000 Teilnehmern, die wir in der Frankenmetropole erwarten, wird das ein Höhepunkt der europäischen Chemie in 2010. Ich bin sehr froh, dass ich in die Organisation eingebunden bin und wir bereits viele Chemieunternehmen in Deutschland übrerzeugen konnten, sich zu engagieren. Es werden viele Besucher aufgrund der räumlichen Nähe aus dem Ostblock erwartet. Trotz Krise werden Jobsucher und Jobsuchende zueinanderfinden - da bin ich mir sicher. Wir arbeiten an einer Partnering-Plattform und Jobbörse. Und das besondere Highlight: Die Konferenzparty im Fussballstadion von Nürnberg - locker und leger. Bitte nicht vergessen: Abstracts einreichen. Und an die jungen unter uns: Die Gesellschaft Deutscher Chemiker fördert die Tagungsteilnahme wieder mit Stipendien. Holger Bengs