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Prozessleittechnik - Wege in die Zukunft

NAMUR Hauptsitzung zeigt Trends der Automatisierungstechnik

13.12.2011
Daniel Huber, Geschäftsführer der ABB Automation und Leiter der Division Process Automation der ABB in Central Europe (CEU): „Der Trend geht zur Erstellung von Prozessgrafikschemata in Graustufen oder „kalten“ Farben als Teil der „High Performance HMI“
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Im Interview nimmt Daniel Huber, Geschäftsführer der ABB Automation und Leiter der Division Process Automation der ABB in Central Europe (CEU), zu aktuellen und zukünftigen Themen der Prozessleittechnik Stellung.

CHEManager: Herr Huber, die NAMUR fordert seit Jahren Vereinheitlichungen bei der Normung von Feldbussen, der drahtlosen Kommunikation oder bei der Geräteintegration (FDT/DTM, EDD(L)). Welche Position nimmt ABB bei diesen Themen ein?

Daniel Huber: Wir unterstützen die Forderung der NAMUR. Unterschiedliche Standards bewirken nicht nur höhere Komplexität und höheren Aufwand beim Endanwender, sondern auch erheblich höhere Kosten bei den Automatisierungslieferanten. Wir bei ABB haben beispielsweise die verschiedenen Feldbusse in unserem Leitsystem 800xA implementiert, was deutlich höhere Entwicklungskosten mit sich geführt hat, als wenn es nur einen Feldbusstandard geben würde.

Dies war einer der Gründe, weshalb wir maßgeblich bei der Einführung von FDI - der Harmonisierung der Geräteintegration in der Prozessindustrie - mitgewirkt haben. Mit FDI ist es uns das erste Mal gelungen, uns auf einen einheitlichen Standard zu einigen. Es liegt jetzt an uns allen - den Endanwendern und den Zulieferern - FDI zum Erfolg zu führen, indem wir diesen Standard auch anwenden, sobald es die entsprechenden Produkte auf dem Markt gibt.

Das Thema Wireless ist ähnlich gelagert wie das Thema FDI. Die Anwender haben deutlich gemacht, dass sie nicht investieren werden, solange wir Hersteller uns nicht auf einen Wireless-Standard einigen. Das ist allerdings nicht so einfach wie bei FDI. Wir versuchen ein ähnliches Konstrukt, um eine Harmonisierung herbeizuführen. Momentan schaut es viel versprechend aus, wir haben im zurückliegenden Jahr große Fortschritte erzielt, aber es ist heute noch zu früh um von einem Erfolg zu sprechen.

Wir wünschen uns von den Anwendern eine klarere Vorgabe. Welche Anforderungen haben die Anwender genau? Bei FDI ist z.B. die NAMUR sehr konkret geworden. Allerdings sind beim Thema Wireless die Unterschiede der existierenden Lösungen größer als das bei FDT/DTM und EDD der Fall war.

Man kann in diesem Fall nicht so einfach sagen, man nimmt das Beste aus beiden Welten und fügt es in einer Lösung zusammen.

Welche Neuheiten auf der Feldebene kann man in den nächsten Jahren erwarten?

Daniel Huber: Nachdem wir hier auf der NAMUR-Tagung eine erste funktionierende FDI-Installation mit Geräten unterschiedlicher Hersteller zeigen, erwarte ich, dass spätestens im Jahr 2013 die ersten Leitsysteme und Feldgeräte auf dem Markt käuflich sein werden, die FDI unterstützen. Zug um Zug werden dann alle relevanten Feldgeräte-Hersteller ihre Produktlinien mit FDI-Packages auf den Markt kommen. Das wird sicher einige Zeit brauchen bis zur vollständigen Umsetzung, aber der Weg ist eindeutig vorgezeichnet.

Wir werden auch verstärkt Wireless-Produkte in der Anwendung sehen. Wireless-HART-Produkte gibt es ja beispielsweise schon - auch von ABB - und sie können und werden heute schon eingesetzt.

Als weitere Neuentwicklung haben wir den Prototyp eines energieautarken Sensors vorgestellt. Diese Sensoren beziehen ihre Energie aus ihrer unmittelbaren Umgebung, das kann im einfachsten Fall mittels photovoltaischer Zellen geschehen, aber auch aus Temperaturdifferenzen, Vibrationen oder Durchflüssen. Für eine flächendeckende Verbreitung ist natürlich eine industrietaugliche drahtlose Kommunikation Voraussetzung.

Diskutiert wird auch „Ethernet in the Field". Dabei geht es darum, wie weit sich die Ethernet-Technologie bis zum Feldgerät ausbreiten wird. Geht das mit dem heutigen physikalischen Ethernet-Layer, oder muss zuerst eine neue physikalische Schicht entwickelt werden? Bei diesem Thema stehen wir jedoch noch ganz am Anfang der Diskussion.

Leitsysteme haben in den letzten Jahren immer mehr Funktionen übernommen. Wird sich dieser Trend fortsetzen?

Daniel Huber: Dieser Trend wird sich in gewissem Maße fortsetzen, mehr bei der Anwendung und weniger in der Produktentwicklung. Einige Leitsysteme - beispielsweise das System 800xA von ABB - sind heute bereits Integrationsplattformen für Advanced Process Control (APC), Manufacturing Execution Sytsems (MES), Simulation und vieles mehr.

Viele Anwender in der Prozessindustrie, die moderne Leitsysteme mit all deren Möglichkeiten installiert haben, benutzen jedoch einen Großteil dieser Funktionen noch nicht. Es geht jetzt darum, zusammen mit den Anwendern den Nutzen der vorhandenen Funktionalitäten aufzuzeigen und sie anzuwenden.

Welche weiteren Trends beeinflussen die zukünftigen Entwicklungen auf dem Sektor Leittechnik?

Daniel Huber: Das Internet wird auch weiterhin die Leittechnik sehr stark beeinflussen. Da wäre zum Beispiel das Thema Cyber-Security zu nennen. Durch die Offenheit der Leitsysteme sind diese jetzt Angriffen aus dem Web ausgesetzt, die es abzufangen gilt. Bei der Leittechnik-Entwicklung muss daher dieses Thema schon von Anfang an berücksichtigt werden - Stichwort: Secure by Design.

Auch die Software Entwicklung unterliegt einem starken Wandel. Neue Entwicklungsprozesse, wie beispielsweise agile Entwicklungsmethoden wie SCRUM, haben bereits in der Leittechnikentwicklung - zumindest bei ABB - Einzug gehalten. Neue Bedienmodelle - wie wir sie beispielsweise vom iPad her kennen - werden auch die Bedienung von Automatisierungssystemen verändern. Auch hierzu stellen wir hier auf der Namur Hauptsitzung einen beeindruckenden Prototyp unserer schwedischen Forschungskollegen vor.

Wir hören von verschiedenen Kunden, dass Leitsysteme ausreichend Funktionalität besitzen und dass Anwender eher größere Robustheit und mehr Zuverlässigkeit fordern. Dies wird unter dem Stichwort „gehärteter PLS-Kern" diskutiert. Ein Thema, das an dieser Stelle weiter untersucht und diskutiert wird, ist die Frage, wie stark Leitsysteme in Zukunft von der Microsoft-Technologie abhängig sein wollen und sollen.

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Schlüsselwörter : ABB Automation Automatisierung Ergonomie Ethernet FDI Feldbus HMI Namur Prozessautomation Prozessautomatisierung Wireless

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