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Neuer Chef Eric Olsen soll Zement-Fusion vorantreiben

Holcim und Lafarge brauchen Zustimmung kritischer Aktionäre

12.04.2015 -

Die Zementkonzerne Holcim und Lafarge haben eine weitere Hürde auf dem Weg zu ihrer Elefanten-Hochzeit ausgeräumt. Im zweiten Anlauf einigten sich die beiden Unternehmen auf einen Chef für den zukünftigen Branchenriesen Lafarge-Holcim. Lafarge-Manager Eric Olsen fällt die Aufgabe zu, die 40 Mrd. EUR schwere Fusion durchzuziehen und die Konzerne aus der Schweiz und Frankreich zu verschmelzen. Überhaupt soweit kommen kann es aber nur, wenn der Amerikaner in den nächsten Tagen auch die Holcim-Aktionäre für sich einnimmt, die dem Deal bisher kritisch gegenüber stehen. Anleger feierten die Einigung schon mal als Durchbruch. Holcim-Aktien kletterten an der Börse 3,3%, Lafarge-Papiere legten gar 4,5% zu.

"Es ist immer mit Mühen verbunden, zusammen zu finden", erklärte Holcim-Präsident Wolfgang Reitzle am Donnerstag auf einer Pressekonferenz. Dass der Weg gleich so steinig werden würde, hatten zu Beginn aber wenige erwartet. Geplagt von Überkapazitäten und zu niedrigen Gewinnen hatten die beiden größten Zementkonzerne vor einem Jahr einen Fusionsvertrag unterschrieben und zügig Meilensteine wie die Zustimmung der Kartellbehörden erreicht. Doch auf den letzten Metern drohte der Fusions-Zug zu entgleisen. Auf Druck der eigenen Aktionäre setzte Holcim schließlich Nachbesserungen beim Preis durch. Der langjährige Lafarge-Lenker Bruno Lafont, dem eigentlich der Chefsessel zugestanden worden war, wurde entmachtet.

Knapp drei Wochen später steht nun Lafonts Ersatz bereit. Gegenwärtig ist Olsen bei Lafarge für die wichtigen Märkte Frankreich, USA, Brasilien und Ägypten verantwortlich. Der Amerikaner, der auch die französische Staatsbürgerschaft besitzt, heuerte 1999 bei Lafarge an und arbeitete sich über verschiedene Stationen im Konzern hoch. Seit 2007 sitzt er in der Geschäftsleitung.

Sein Gesellenstück lieferte der 51-jährige Olsen mit der Eingliederung von Orascom. Der ägyptische Konzern ist vor allem in Afrika und dem Nahen Osten stark. Längerfristig verheißt das Wachstumschancen, gegenwärtig überwiegen aber die Risiken. Wegen der Kriege in Syrien und im Irak musste Lafarge Abschreibungen auf die Werke in den beiden Ländern vornehmen. Für Olsen ist die Übernahme trotzdem gelungen. "Die Integration von Orascom war ein wirklicher Erfolg", erklärte er.

Viel hängt davon ab, ob die Anleger ihm zutrauen, Lafarge mit Holcim zu verschmelzen. So hat der drittgrößte Holcim-Aktionär seine Zustimmung zur Transaktion von der Person des Konzernchefs abhängig gemacht. Ein guter Leistungsausweis bei der Integrationen und im operativen Geschäft stehen im Pflichtenheft des US-Fonds Harris Associates ganz oben.

Spricht sich Harris gegen die Transaktion aus, dürfte es eng werden, denn die Hürden sind hoch. Auf der Generalversammlung am 8. Mai müssen sich zwei Drittel der Aktionäre für das Zusammengehen aussprechen. Der mit einem Anteil von über 10% zweitgrößte Aktionär Eurocement hat sich bereits ablehnend geäußert, wenn es beim gegenwärtigen Preis bleibt. Dazu kommen weitere kleinere Fonds, die Holcim alleine besser aufgestellt sehen. Ein Analyst kritisierte, dass Olsen nie CEO war und zu wenig operative Erfahrung habe.

Reitzle räumte ein, dass er bei den Anlegern in den kommenden Wochen noch Überzeugungsarbeit leisten muss. Aber der frühere Linde-Chef gibt sich optimistisch: "Wir sind zuversichtlich, dass wir genügend Stimmen für den Deal erlangen werden."

Rückendeckung erhält Olsen schon mal von Thomas Schmidheiny, dem mit einem Anteil von über 20% größten Aktionär von Holcim. Der Nachfahre des Firmengründers sei froh, dass die Frage des Konzernchefs geklärt worden sei und hält Olsen für eine gute Besetzung, wie ein Sprecher erklärte. Er erwartet, dass sich die beiden Unternehmen nun konsequent darauf konzentrieren, den Zusammenschluss energisch voranzutreiben.