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Sechs Fragen – viele Antworten

01.04.2015 -

# Achema - Viele der Unternehmen, die auf der Hannover Messe und der Achema ausstellen, sind in Verbänden organisiert, die zu einzelnen Fachgebieten z. B. Normierungsarbeit leisten oder sich für die wirtschaftlichen und politischen Interessen der Teilbranchen auf nationaler und internationaler Ebene einsetzen. Eine ebenso wichtige verbindende Rolle spielen die Fachgesellschaften und Berufs- und Standesvereinigungen für ihre persönlichen Mitglieder. Viele dieser Verbände und Vereine gestalten einen eigenen Auftritt auf den Messen und diskutieren aktuelle Themen und Trends. Zu einigen davon haben wir ihren Standpunkt erfragt.

Unsere Fragen beantworteten: für die VDI-Gesellschaft Verfahrenstechnik und Chemie­ingenieurwesen (GVC) ihr Vor­sitzender Dr.-Ing. Claas-Jürgen Klasen, Evonik Industries, für den VDMA-Fachverband Kompressoren, Druckluft- und Vakuumtechnik Geschäftsführer Christoph Singrün , für den ZVEI - Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie dessen Präsident Michael Ziesemer, Chief Operation ­Officer bei Endress+Hauser.

Wie ist die wirtschaftliche Ausgangslage für Ihre Branche in diesem Jahr und wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein?

Dr.-Ing. Claas-Jürgen Klasen: Die chemische Industrie wächst weiterhin weltweit überproportional mit einer attraktiven Wertschöpfung. Aber die chemische Industrie hat ebenso eine hohe Dynamik mit großen Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen: So werden durch die zunehmende Standardisierung von Produkten die Zeiträume kürzer, in denen wir unsere Produkte profitabel anbieten können - die Notwendigkeit von Innovationen steigt dadurch. Zudem führt die wachsende Nachfrage primär zu einer weiteren Verschiebung der Märkte, vor allem nach Asien. Damit verändern sich auch die Wettbewerbsstrukturen - wir werden uns mit mehr und neuen Anbietern messen müssen. In Regionen wie den USA und dem Mittleren Osten sind dabei die Kosten für Rohmaterialien und Anlagenbetrieb teilweise geringer als in Europa.

Christoph Singrün: Die Hersteller von Kompressoren, Druckluft- und Vakuumtechnik lagen 2014 ein Prozent über dem Umsatzniveau von 2013. Für 2015 rechnen wir mit 2 % Umsatzzuwachs.

Michael Ziesemer: Im Gesamtjahr 2014 sind die Erlöse um 2,9 % auf 172 Mrd € gestiegen. Trotz starker monatlicher Schwankungen lag die Entwicklung der Elektroindustrie unter dem Strich im Rahmen der Erwartungen. Im Laufe des Jahres sind die globalen Rahmenbedingungen ungünstiger geworden. Deshalb erwarten wir für 2015 ein leicht geringeres Wachstum. Aber wir sind zuversichtlich, dass die preisbereinigte Elektroproduktion um 1,5 % steigen wird. Der Branchenumsatz sollte entsprechend gut
174 Mrd € betragen.

Welchen Standpunkt vertreten Sie zum Freihandelsabkommen mit den USA, TTIP? Chance oder Risiko?

Dr.-Ing. Claas-Jürgen Klasen: Das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP bietet die historische Chance, die Regeln der Globalisierung zu gestalten. Es ist ein innovativer Versuch der EU und der USA, sich auf hohe gemeinsame Standards zu einigen, die international auf andere Regionen ausstrahlen können. In einer zunehmend multipolaren Welt ist es wichtig, alle Möglichkeiten zur Ausformung globaler Regeln und Standards zu nutzen.
Nicht niedrigere, sondern bessere Standards sind das Ziel. TTIP darf allerdings nicht zu einer Aufweichung europäischer Standards bei der Chemikaliensicherheit führen. Die deutsche Chemie arbeitet an Lösungen mit dem Ziel mit, Handelskosten zu senken und gleichzeitig den Schutz von Verbrauchern, Arbeitnehmern und Umwelt international zu verbessern.

Christoph Singrün: Seit Beginn der Gespräche über TTIP setzt sich der VDMA nachdrücklich für das Freihandelsabkommen ein. Aus Sicht des VDMA ist das Freihandelsabkommen mit den USA richtig und wichtig. Fast 13 % aller Exporte der EU in die USA sind Produkte aus dem Maschinenbau, was einem größeren Handelsvolumen entspricht als etwa in der Automobilindustrie. Etwa 5 bis 20 % könnten europäische Unternehmen an Kosten sparen, wenn auf beiden Seiten des Atlantiks die gleichen Standards gelten würden. Deshalb unterstützt der VDMA auch, dass im Rahmen der sechsten TTIP-Verhandlungsrunde explizit über ein eigenes Kapitel für den Maschinenbau verhandelt wird, in dem speziell auf die Bedürfnisse dieser Industrie eingegangen wird. Wir denken, dass mit angeglichenen Standards für Maschinen der Handel zwischen der EU und den USA massiv gesteigert werden könnte. Nach Schätzungen des Verbandes entstehen einem Maschinenbauer derzeit immense Mehrkosten, um ein Produkt an die Regelungen des US-Marktes anzupassen. Grund dafür sind zum einen technische Umrüstungen. Zum anderen müssen vor allem elektrische Komponenten noch einmal vor Ort zertifiziert werden, obwohl sie in Europa auf den Markt gebracht werden dürfen. Der VDMA will mit seinem Fachwissen dazu beitragen, an dieser Stelle den Handel mit Maschinen und Anlagen sinnvoll zu vereinfachen.TTIP würde zu gut bezahlten Arbeitsplätzen auf beiden Seiten des Atlantiks führen. Produkte und Dienstleistungen könnten günstiger angeboten werden. Davon profitieren würden gerade auch die mittelständischen Maschinenbauer.

Michael Ziesemer: Freihandelsabkommen haben generell stimulierende Wirkungen auf den Warenaustausch, das hat eine Studie, die wir im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Helaba erarbeitet haben, schlüssig belegt. In den Jahren nach Inkrafttreten eines Abkommens haben sich die Branchenexporte in das entsprechende Zielland regelmäßig dynamischer entwickelt als davor. Sie sind auch deutlich stärker gewachsen als der Durchschnitt aller Außenhandelsbeziehungen. Entsprechende Chancen erwarten wir auch von TTIP. Der ZVEI setzt sich deshalb für intensive - aber auch ergebnisoffene - Verhandlung mit den USA ein.
Wir erhoffen, neben der Abschaffung oder zumindest der Senkung bestehender Zölle, besseren Marktzugang auf beiden Seiten - insbesondere im öffentlichen Beschaffungswesen, bei Dienstleistungen und Investitionen
Für unsere Branche relevant ist insbesondere der Abbau nicht-tarifärer Handelshemmnisse. Eine vom Europäischen Parlament in Auftrag gegebene Studie bestätigt: Dieser Abbau fördert die verarbeitende Industrie - die Engineering Industry - in ganz Europa. Bisher behindern vor allem die Unterschiede bei technischen Vorschriften, Standards und Zertifizierungsregelungen den Handel.

Wo sind die Herausforderungen, Hürden und Hindernisse, um bei den Themen Digitalisierung, Internet of Things und Industrie 4.0 entscheidende Fortschritte zu machen?

Dr.-Ing. Claas-Jürgen Klasen: Industrie 4.0 ist eine Initiative, die stark von der Fertigungsindustrie geprägt ist, wobei in der chemischen Industrie sicherlich eine Übertragung auf die Batchprozesse naheliegend ist. Diese sind aber häufig mit geringerer Automatisierungstechnik ausgestattet. Die meisten Umsetzungen sehen wir bei großen kontinuierlichen Anlagen. Die deutsche Chemieindustrie kann derzeit im internationalen Vergleich gut mithalten, wir müssen aber aufpassen, dass der Vorsprung gegenüber den technologieaffinen Ländern in Asien in den nächsten Jahren nicht verloren geht.Das Thema „Remote Anlagen" wird zunehmend an Bedeutung gewinnen. Hier liegt Potenzial, um Anlagen standortübergreifend über die gesamte Wertschöpfungskette nach den Kundenanforderungen kosten- und ressourcen­effizient zu steuern. Handlungsbedarf besteht im Bereich der Vermeidung von Netzwerkausfällen und dem schnellen und sicheren Datentransfer, um die Anlagen zentral, sicher und optimal zu betreiben. Weiterhin wird es wichtig sein, aus der großen Datenflut die richtigen Informationen effizient über die gesamte Wertschöpfungskette zu nutzen.

Christoph Singrün: Zu Industrie 4.0 hat der VDMA das ‚Forum Industrie 4.0‘ ins Leben gerufen. Ziel des Forums ist es, die Akzeptanz des Maschinenbaus als Entwickler und Anwender von Industrie 4.0 sicherzustellen. Grundlage ist die Etablierung einer firmenübergreifenden Industrie-4.0-Gemeinschaft und die Erhebung der Anforderungen des Maschinenbaus an Industrie 4.0. Die für den Maschinenbau relevanten Standards werden aus der Praxis heraus ermittelt und nehmen Einfluss in die Entwicklung der Referenzarchitektur.Standards sind der Schlüssel für den Erfolg. Die Integration von wertschöpfenden und firmenübergreifenden Netzwerken setzt Standards voraus. Standards unterstützen sowohl den Informationsaustausch als auch die Durchgängigkeit der Prozessketten. Die technische Beschreibung dieser Standards in ihrer Gesamtheit erfolgt durch die Referenzarchitektur. Die Referenzarchitektur stellt ein technisches Schema dar, das sowohl die unternehmens­interne als auch die unternehmensübergreifende Strukturierung, Integration und Entwicklung der Produkte und Produktionssysteme in ihrer Gesamtheit unterstützt.Die Unterstützung des Informationsaustausches, die Sicherstellung der Durchgängigkeit der Prozessketten und die Kollaboration der Produkte und Produktionssysteme in den Fabriken basiert auf den Technologien des Maschinenbaus, der Automatisierungstechnik und der Informations- und Kommunikationstechnologie. Innerhalb dieser Disziplinen existiert eine Vielzahl an Standards, die für sich betrachtet der Industrie 4.0 dienen. Die Herausfor­derung liegt in der Integration dieser existierenden Standards zu einer ganzheitlichen überge­ord­neten Referenzarchitektur. Dabei nimmt der Maschinenbau eine Schlüsselrolle ein. Der Maschinenbau ist sowohl Entwickler als auch Anwender von Industrie 4.0.

Michael Ziesemer: Industrie 4.0 ist mehr als nur die Vernetzung von Produktion. Es geht um die Digitalisierung kompletter Wertschöpfungsketten. Die Elektroindustrie, vor allem die Automatisierungsindustrie, ist bei Industrie 4.0 in einer Schlüsselposition. Sie liefert das Betriebssystem für die Smart Factory, das Maschinen und Anlagen mit der Software der IKT-Branche verbindet und so intelligente Lösungen erst möglich macht. Wir erleben gerade den Aufbruch in die Praxis von Industrie 4.0. Dafür brauchen wir Standards und Referenzarchitekturen, auf denen die Unternehmen dann ihre eigenen praktischen Lösungen aufbauen. Im ZVEI konnte nun - gemeinsam mit den Experten der Automati­sierungsbranche VDI/VDE-GMA und DKE - ein Modell einer Referenzarchitektur für Industrie 4.0 (RAMI 4.0) und die Definition der Industrie 4.0-Komponente ausgearbeitet werden. Die Praxistauglichkeit dieser theoretischen Vorarbeit testen wir an Fallbeispielen aus verschiedenen Anwenderindustrien. Dabei arbeiten wir mit Partnern aus der Automotive-Branche, dem Maschinenbau und der Prozessindustrie und dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung zusammen.
Jetzt brauchen wir als nächstes praktische Implementationen der neuen Referenzarchitektur. Nun sind die Unternehmen und die Unternehmer gefragt. Damit das sicher erfolgen kann, arbeitet der ZVEI bereits an Security-­Leitprinzipien, die in RAMI 4.0 integriert werden sollen. Bei allen Erfolgen in der Standardi­sierung: Das Vertrauen in die digitale Welt spielt eine überragende Rolle, um Industrie 4.0 umzusetzen. Auf der Agenda der Elektroindustrie steht daher Cybersicherheit von Industrie 4.0-Anwendungen und Datenschutz ganz oben.

Das Thema Energiewende ist derzeit in aller Munde. Welchen Beitrag kann bzw. sollte Ihre Klientel dazu leisten. Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf?

Dr.-Ing. Claas-Jürgen Klasen: Eine sichere Energieversorgung zu bezahlbaren Preisen ist entscheidend dafür, dass die Unternehmen hierzulande mehr investieren. Diese Voraussetzung muss selbstverständlich auch dann erfüllt werden, wenn der Anteil erneuerbarer Energieträger an der Stromproduktion zunimmt. Hier steht die Politik in der Pflicht. Im Gegenzug werden wir an der Verbesserung der Energieeffizienz arbeiten. Gerade die chemische Industrie bietet konkrete Lösungen an: Materialien von Evonik etwa tragen entscheidend dazu bei, dass die Rotorblätter von Windkraftanlagen länger werden und leistungsfähiger arbeiten. Um die Effizienz von Windkraftanlagen zu steigern, setzen Materialspezialisten an zwei entscheidenden Stellschrauben an: Stabilität und Gewicht.

Christoph Singrün: Für uns als Querschnitts­technologie gilt vor allem die Energieeffizienz als Kernaufgabe. Die kompetente und sachdienliche Umsetzung der Ökodesignrichtlinie steht im Vordergrund. Bei der Überarbeitung der Richtlinie muss verstärkt auf die spezifischen Gegebenheiten von „Industrieprodukten" eingegangen werden. Mit den Ansätzen von weißer Ware komplexere Industrieprodukte zu beschreiben ist nicht zielführend. Poten­tiale werden nicht ausgeschöpft. Hinzu kommt, dass veraltete Bestände nicht in einem, der Dringlichkeit angemessenen Zeitraum erschlossen und ersetzt werden. Sehr großen Handlungsbedarf sehen wir aber auch bei den Anwendern z. B. von Druckluft. Wir haben uns schon sehr früh des Themas Energieeffizienz angenommen und z. B. folgende Beiträge geleistet:

  • Druckluft-Modellrechner
  • EcoLexikon
  • ISO 11011 „Compressed air - Energy efficiency - Assessment"
  • VDMA-Einheitsblatt 4370 „Energieeffiziente Druckluftanlagen - Leitfaden zur Erkennung und Bewertung vorhandener Schwachstellen und korrekter Erfassung des Energieeinsparpotentials".

Michael Ziesemer: Der Beitrag der Elektroindustrie liegt in vielen Bereichen vor allem in der Energieeffizienz. Wir betonten von Anfang an, dass sie - gleichberechtigt neben der Energieerzeugung und den Netzen - tragende Säule der Energiewende sein muss. Energieeffizienz ist überall möglich: Sei es mit moderner öffentlicher Beleuchtung, wo wir das jährliche Einsparpotenzial auf bis zu 400 Mio. € schätzen. Sei es mit der Gebäudeautomatisierung, wo man - einer gemeinsamen Studie mit der Hochschule Biberach zufolge - an die 50 % der Energie einsparen kann. Das größte Einsparpotenzial bietet allerdings die Industrie: Nach ZVEI-Berech­nungen können in den Maschinen und Anlagen am Standort Deutschland bereits heute weitere 10 bis 25 % Energie allein durch Automation eingespart werden. Somit ließen sich innerhalb eines Jahres sieben Mrd. Euro Energiekosten einsparen. Das entspricht umgerechnet 43 Millionen Tonnen an CO2-Äquivalenten.
Der ZVEI arbeitet auch mit an einer gemeinsamen Initiative der Bundesregierung mit Wirtschaftsverbänden zum Aufbau von Energieeffizienz-Netzwerken als Teil des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz (NAPE). Die Bundesregierung schätzt, dass mit den 500 neuen Netzwerken bis zu 75 Petajoule Primärenergie und fünf Millionen Tonnen CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 eingespart werden können. Was die Hebung von Effizienzpotenzialen betrifft, sind übrigens die Unternehmen der Elektroindustrie heute schon Vorreiter. Über
97 %­ der Unternehmen haben bereits in Energieeffizienz investiert. 98 % planen weitere Investitionen.

Welche Bedeutung hat Industrie 4.0 speziell für die Prozessindustrie?

Michael Ziesemer: Industrie 4.0 wird vielfach vor allem mit der Fabrikautomation in Verbindung gebracht. Aber auch für die deutsche Prozess­industrie werden Digitalisierung und Indus­trie-4.0-Technologien immer bedeutender. Produkte müssen in immer kürzeren Zyklen auf den Markt gebracht werden. Das erfordert eine stärkere Flexibilisierung der Produktion, die durch modularisierte Anlagen möglich wird.
Der ZVEI hat in engem Austausch mit der Namur ein White Paper verfasst. Es beschreibt unter anderem, wie modulare Automation durch Kapselung der verfahrenstechnischen Funktionen die Komplexität verringert. Hier brauchen wir die beschriebene intelligente ­Automatisierungstechnik.

Die Plattform Industrie 4.0, die gemeinsam von Bitkom, VDMA und ZVEI getragen wird, scheint den an sie gestellten Erwartungen nicht immer gerecht zu werden ...

Michael Ziesemer: Nach außen mag das durchaus manchmal so wirken, der Eindruck ist aber falsch. Die Zusammenarbeit funktioniert auf allen Ebenen gut. Die Plattform hat in den vergangenen beiden Jahren wichtige Ergebnisse hervorgebracht, lassen Sie mich beispielhaft nur einige nennen: Die Plattform kann am ehesten mit einem Inkubator verglichen werden, der eine Vielzahl von Folge-Initiativen im Bereich Indus­trie 4.0 hervorgebracht hat. Sie hat das Thema in Industrie, Politik und öffentlicher Wahrnehmung als zentrale Zukunftsherausforderung positioniert. Mit einer einheitlichen Arbeitsdefinition von Industrie 4.0 hat sie auch eine wichtige Grundlage geschaffen. Mit der Industrie 4.0-Komponente und dem Modell RAMI4.0. sind wesentliche Grundlagen erfolgreich erarbeitet worden, auf die nun weiter aufgesetzt kann. Der ZVEI ist innerhalb der Plattform zusammen mit dem VDMA der Treiber gewesen. Wir haben uns analog der Verbändeplattform aufgestellt und die Ergebnisse der ZVEI-Gremienarbeit eins-zu-eins in die Verbändeplattform tragen können.

Eine Ihrer derzeitigen Hauptaktivitäten gilt den Ingenieuren in der Produktion. Wohin soll hier die Reise gehen?

Dr.-Ing. Claas-Jürgen Klasen: Die Unternehmen brauchen weiterhin gut ausgebildete und stark spezialisierte Ingenieure, um die technischen Herausforderungen erfolgreich zu meistern. Die heutigen Technologien entwickeln sich rasant weiter, das gilt nicht nur für Deutschland, sondern weltweit. Deshalb müssen Ingenieure nicht nur flexibel sein, sondern auch mobil. Ingenieure in der Produktion sind die Garanten für den reibungslosen Arbeitsablauf in unseren Unternehmen und damit von großer Bedeutung für die chemische Industrie. Mit der VDI-GVC Fachgruppe Betriebs­ingenieure haben wir ein Forum geschaffen, welche es speziell diesen Kollegen ermöglicht einen offenen Erfahrungsaustausch durchzuführen, Weiterbildungsaktivitäten zu bündeln und gezielt für diese Berufsgruppe zu rekrutieren.

Wo stehen Sie bei Ihren Themen Ökodesign bzw. der neuen ATEX-Richtlinie. Und wo soll‘s hingehen?

Christoph Singrün: Ökodesign sehen wir als einen Baustein der Energiewende. Die neue Atex-Richtlinie wird keine großen Probleme aufwerfen, da keine technischen Änderungen eingeflossen sind. Dies wird im Einzelnen zu prüfen sein, doch stellt die „Stichtagsregelung" das einzige tatsächliche Problem dar. Wenn es hier mit der Europäischen Kommission zu einer akzeptablen „Übergangslösung" kommen würde, könnte der Wechsel kaum jemandem auffallen.
Durch die eingeleitete Internationalisierung und der damit geschaffenen einheitlichen Anforderungen wird es wohl langfristig zu weltweit anerkannten Zertifikaten führen, was nicht von jedermann begrüßt werden könnte. So könnte in einigen Jahren ein außereuropäischer (unbekannter) Hersteller über ein Zertifikat einer außereuropäischen zugelassenen Prüfstelle den freien Zugang zu EU Markt erhalten - eine Vorstellung, die gegenwärtig für etablierte europäische Hersteller nicht ohne weiteres zu akzeptieren ist.
Seit 2012 begleiten wir im VDMA-Fachverband Kompressoren, Druckluft- und Vakuumtechnik unsere Mitgliedsfirmen aktiv bei dem Gesetzgebungsprozess der Ökodesign-Richtlinie für Kompressoren. Eine übergeordnete Arbeitsgruppe im europäischen Sektor­komitee ­Pneurop, dessen Sekretariat im VDMA liegt, betreut den Gesetzgebungsprozess. Ziel ist es, eine technisch fundierte Verordnung für die im Fokus liegenden Maschinen mit zu gestalten. Deshalb haben die Kompressorenhersteller die Vorstudie ‘ENER Lot 31: Products in motor systems outside the scope of the Lot 30 and the Regulation 640/2009 on electric motors, in particular compressors, including small compressors, and their possible drives' intensiv begleitet. Sie befinden sich im offenen Dialog mit den Studienschreibern, den Vertretern des Direktorats Energie der Europäischen Kommission, in deren Verantwortung diese Studie liegt und den Vertretern der Regierungen der nationalen Mitgliedsstaaten. Auf dem Arbeitsplan stehen derzeit ein Impact assessment (bis März/April 2015), der Regulierungsausschuss (ohne direkte Industriebeteiligung) und der Gesetzesentwurf, dessen Veröffentlichung für Ende 2015 zu erwarten ist. Im Entwurf von Oktober 2014 treten sich verschärfende Grenz­werte am 01.01.2018 und am 01.01.2020 in Kraft. Ein Review der Verordnung ist im Entwurf bis in maximal fünf Jahren eingeplant. Es sieht so aus, als ob sich nach „standard air" wohl Studien zu „oil-free air" und „low pressure air" Kompressoren bald, evt. noch in 2015, anschließen könnten. Synergien aus der bisherigen Studie lassen sich sicherlich ziehen. Dass diese Studien nicht einfacher werden, ist wegen der breiten Palette verschiedenster Technologien dieser Kompressoren zu erwarten.

Was wünschen Sie der Hannover Messe bzw. der Achema, was wünschen Sie sich (und Ihren Mitgliedern) von diesen Veranstaltungen?

Dr.-Ing. Claas-Jürgen Klasen: Der Netzwerk­ge­danke steht neben interessanten und spannenden Vorträgen im Fokus der Veranstaltung. Ich freue mich auf neue Impulse und anregende Gespräche mit Wissenschaftlern und Anwendungsexperten.

Christoph Singrün: Wir wünschen den Leitmessen einen zufriedenstellenden Verlauf, eine hohe Internationalität und eine hohe Fachbesucherzahl. Unseren Mitgliedern wünschen wir gute Gespräche und Kontakte zur Geschäftsanbahnung.

Michael Ziesemer: In diesem Jahr dreht sich in Hannover - kurz gesagt - alles um die Themen Energieeffizienz, Industrie 4.0 und Nachwuchsgewinnung. Wir sind Mit-Organisator der Foren „Industrie 4.0", „Industrial Automation", „Life Needs Power" und des „Smart Grid Forum". Hier stellen wir die neusten Ergebnisse un­serer Arbeit vor. Auf unserem Hauptstand zeigen Schüler unter der Überschrift „Industrie4.0@School" einen selbst entwickelten, intelligent vernetzten Produktionsprozess. Sie machen verschiedene Facetten des Konzepts anschaulich.
Täglich zweimal finden auf dem Hauptstand unter der Überschrift „ZVEI Nachgefragt" im Livestream übertragene Expertengespräche zu aktuellen Fragen statt.
Und im „Tech2You-Pavilon" der Messe sind wir mit unserer Nachwuchs-Initiative „My eFuture" vertreten. Es lohnt sich also, beim ZVEI vorbei zu schauen.
Industrie 4.0 und modulare Automation werden wir auch auf der Achema im Juni in den Fokus nehmen. Dort veranstalten wir gemeinsam mit Namur und ARC Advisory Group das Forum „Automation im Dialog".

Kontakt

Evonik Industries AG

Goldschmidtstraße 100
45128 Essen
Deutschland

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