Die Wacker-Werkfeuerwehr feiert 100 Jahre Jubiläum

  • Der 400 PS starke Turbolöscher ist bei der Werkfeuerwehr seit 2007 im Einsatz.Der 400 PS starke Turbolöscher ist bei der Werkfeuerwehr seit 2007 im Einsatz.
  • Der 400 PS starke Turbolöscher ist bei der Werkfeuerwehr seit 2007 im Einsatz.
  • Die „Fabrikfeuerwehr“ in der Gründerzeit. Spärliche Ausrüstung, aber mutige Männer.
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  • Die Jahreshauptübung stellt Mensch und Gerät immer wieder auf den Prüfstand. Keine der verschiedenen Einsatzkräfte weiß vorher, welches Notfallszenario geprobt wird. Teamarbeit ist gefragt und danach gibt es „Manöverkritik“.

Die Feuerwehr der Wacker Chemie schützt den größten Chemiestandort Bayerns rund um die Uhr – und das schon seit 100 Jahren! Das ist eine enorm große Verantwortung für die Einsatzkräfte und gleichzeitig ein beruhigendes Gefühl für alle Menschen am Standort Burghausen und auch über den Werkzaun hinaus.

„Wir schätzen uns glücklich, ein Team von hervorragend ausgebildeten Spezialisten zu haben, die im Ernstfall wissen, was zu tun ist“, lobte Werkleiter Dr. Dieter Gilles die Mitarbeiter der Werkfeuerwehr anlässlich der Jubiläumsfeier im Mai. Nicht nur leere Worte, denn Gilles selbst ist meist im Einsatzstab, wenn er bei Ereignissen ins Werk gerufen wird. Dieses positive Gefühl transportiert auch der Slogan, der für das Jubiläum der Werkfeuerwehr gewählt wurde: „100 Jahre löschen, bergen, retten, schützen – 100 Jahre Vertrauen!“.

Historie

Damals zur Gründung der „Fabrikfeuerwehr“ am 01. Mai 1917 kämpften die gut 50 Männer gegen ganz andere Umstände und Herausforderungen. Es war die Zeit, als der Erste Weltkrieg tobte und es vielschichtige Umwälzungen in der Gesellschaft gab. Sicher ein schwieriger Start für die noch freiwillige Feuerwehr des Unternehmens. Feuerwehrmann war man zu jener Zeit neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Arbeiter - der Pförtner rief die Mannschaft im Brandfall zum Einsatz. Die technische Ausrüstung beschränkte sich auf eine einachsige Handdruckspritze und sehr einfache Gerätschaften. Man kann sich also vorstellen, dass der Erfolg der Brandbekämpfung in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg vor allem vom persönlichen Einsatz und dem Mut der einzelnen Feuerwehrmänner abhing und weniger von technischer Leistungsfähigkeit.

Ein Team aus Spezialisten

Heute ist die Werkfeuerwehr eine der wesentlichen Stützen des Standortes Burghausen mit rund 10.000 Mitarbeitern. Es ist eine Hightech-Einrichtung, in der derzeit 78 hochqualifizierte Feuerwehrmänner Mensch und Umwelt schützen – und das rund um die Uhr. Mit modernstem Gerät und fachspezifischer Ausbildung ist die Werkfeuerwehr ein Team aus Spezialisten mit umfassender Kenntnis rund um Brandbekämpfung und Gefahrenabwehr.

Die spezifischen Anforderungen eines schnell wachsenden Chemiestandortes waren es, die dazu beitrugen, dass sich die Werkfeuerwehr immer wieder neuen Bedingungen in der Brandbekämpfung ausgesetzt sah und entsprechende Maßnahmen und Entwicklungen forcieren musste. Es wurde in neue Produktionsgebäude investiert, die im Vergleich zu den Anfangsjahren auch immer höher, ausladender und somit anspruchsvoller in der Brandvorbeugung und -bekämpfung wurden. Produktionskapazitäten stiegen und die Palette der chemischen Produkte, Roh- und Hilfsstoffe wurde immer größer. Damit wuchsen die Vielfalt an spezifischen Stoffreaktionen im Ereignis- oder Brandfall und die hohen Anforderungen an Mensch und Gerät. Dass ein Ereignis erst gar nicht passiert, ist oberstes Ziel im Sicherheitsmanagement des Unternehmens und dessen Verantwortung gegenüber Mitarbeitern, der Öffentlichkeit und den Behörden.

Gefahrenabwehr

Die ursprüngliche Aufgabe der Werkfeuerwehr, die Feuerbekämpfung, ist im Laufe der 100-jährigen Geschichte keineswegs weniger wichtig geworden. Hinsichtlich der Häufigkeit ist sie aber in den Hintergrund getreten. In der heutigen Zeit stellt ein stetig wachsendes, modernes Chemieunternehmen hohe Anforderungen an den Brandschutz – jedes Ereignis ist ein Ereignis zu viel. Risiken und Gefahren abzuschätzen und somit Explosionen, Verpuffungen und Brände erst gar nicht entstehen zu lassen, ist die vordringliche Aufgabe der Werkfeuerwehr geworden. Der Standort Burghausen breitet sich mittlerweile auf einem über zwei km² großen Werkgelände aus. Es ist der größte Chemiestandort Bayerns. Beim Bau oder der Erweiterung von Gebäuden oder Produktionsanlagen ist die Fachstelle Vorbeugender Brandschutz in die Planung involviert. Die Feuerwehrkollegen begleiten die Bauprojekte von Beginn an in allen Fragen des vorbeugenden Brandschutzes und bringen ihre langjährige Erfahrung und Kompetenz mit ein. Vor allem die effiziente und auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmte Konzeption von Brandschutzeinrichtungen ist schon in der Planungsphase von Gebäuden und Anlagen ein wichtiger Sicherheitsfaktor für das Werk. Darüber hinaus sind zahlreiche Arbeitsstoffe mit jeweils ganz spezifischen Eigenarten in oft großen Mengen vorhanden. Außer den praktischen Erfahrungen verfügen die Feuerwehrmänner auch über breites Wissen über Gesetze, Richtlinien und Normen. Brandwände, Rauch- und Wärmeabzugs-, Lösch- und Brandmeldeanlagen z.B. sind Schutzausstattungen, die gesetzlich vorgeschrieben sind, ohne die der Betrieb von chemischen Anlagen gar nicht erlaubt wäre.

High-Tech Ausrüstung

Neben den sehr gut ausgebildeten Mitarbeitern ist die technische Ausstattung Voraussetzung für eine professionelle und effektive Arbeit der Einsatzkräfte. So war bspw. 2007 die Wacker-Werkfeuerwehr die dritte Feuerwehr weltweit, die einen Turbolöscher für das Werk in Burghausen in Betrieb nahm. Zwei Flugzeugturbinen zerteilen dabei ca. 8.000 l Wasser oder ein Schaum-Wassergemisch in feinste Tröpfchen und werfen diese bis zu 150 m weit. Diese Wasserwolke umhüllt oder kühlt das brennende Objekt. Mittlerweile sind diese über 400 PS starken Turbolöscher auch an den Standorten Nünchritz und Charleston/Tennessee in den USA im Einsatz.

Doch die modernste Technik ist nutzlos, wenn sie nicht bedient werden kann. Die Ausrüstung für die Werkfeuerwehr wird immer leistungsfähiger und komplexer in ihrer Bedienung und erfordert deshalb eine spezielle Ausbildung der Feuerwehrmänner. Know-how über Software und Elektronik einerseits und Fachwissen über Gefahrenabwehr und Brandbekämpfung andererseits gehören zur Berufsqualifikation. Die Feuerwehrleute sind also allesamt Allround-Spezialisten.

Übung macht den Meister

Dieses Sprichwort nimmt die Firmenfeuerwehr sehr ernst. Regelmäßige Trainingseinsätze helfen zu analysieren, was das Team noch besser machen kann. Neben den wöchentlichen Übungseinsätzen gibt es zusätzlich viermal im Jahr eine Einsatzstab-Übung. Wie im konkreten Notruf-Szenario, verläuft auch diese Großübung nach einem 3-Stufen Plan. Je nach Art- und Umfang des Einsatzes wird in der integrierten Leitstelle in Traunstein (ILST) über den Einsatzleitrechner entschieden, wie viele Löschfahrzeuge, Feuerwehrmänner und Einsatzmittel eingesetzt werden. Das alarmierte Team ist also bei jedem Trainingseinsatz in Burghausen ein anderes. In anspruchsvollen Übungsszenarien wird auf dem Werkgelände geprobt, was im Ernstfall zu tun ist – jeder Handgriff muss sitzen. Es gilt z.B. Verletzte aus Gebäuden zu bergen, Brände an Produktionsanlagen zu löschen oder Stoffaustritte unter Kontrolle zu bringen. Mit dieser Art von Übungen überprüft die Werkfeuerwehr ihre Sicherheitsarbeit, Melde- und Alarmierungswege und die Kommunikation während und nach dem Ereignis.

Hilfe jenseits des Werkzauns

Vom Sicherheitskonzept einer Industrieanlage und von der Leistungsfähigkeit einer Werkfeuerwehr hängt im Wesentlichen auch die Akzeptanz in der Bevölkerung ab. Und diese Akzeptanz hat in den letzten 100 Jahren nicht nachgelassen, im Gegenteil, sie ist heute höher denn je. Dazu trägt auch bei, dass die Hilfeleistung am Werkzaun nicht endet. 1982 hat der VCI das flächendeckende, freiwillige Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem (TUIS) gegründet. Die Wacker-Feuerwehr ist seit der Gründung Mitglied im TUIS und ein gefragtes Expertenteam bei Unfällen mit chemischen Produkten oder im Lager- und Transportbereich. Die Einsatzgebiete reichen bis ins europäische Ausland wie Frankreich oder Spanien. Insgesamt war die Werkfeuerwehr in den letzten zehn Jahren an knapp 400 TUIS-Einsätzen beteiligt.

Die Zeiten sind nicht mehr die gleichen wie vor 100 Jahren und dennoch, damals wie heute, sind in Burghausen Frauen und Männer am und im Werk, die mit Idealismus, Einsatzwillen, Hilfsbereitschaft und Kameradschaft an ihre Arbeit gehen. Ein Ernstfall kündigt sich vorher nicht an: von null auf hundert, ohne Vorwarnung Höchstleistung mit Perfektion bringen – dafür zollt die Geschäftsführung der Mannschaft der Werkfeuerwehr größten Respekt.(op)

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