Großes Vertrauen vorhanden

Die umfangreiche Sicherheitsorganisation der Werkfeuerwehren wird gesehen

  • Bernd Saßmannshausen, Merck Senior Director, Head of Fire Protection and Site SecurityBernd Saßmannshausen, Merck Senior Director, Head of Fire Protection and Site Security
  • Bernd Saßmannshausen, Merck Senior Director, Head of Fire Protection and Site Security
  • An Chemiestandorten ist erhöhte Sicherheit gefordert
  • An Chemiestandorten ist erhöhte Sicherheit gefordert

An Chemiestandorten ist erhöhte Sicherheit gefordert. Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit öffentlichen Feuerwehren, wenn die werkseigenen Kräfte an ihre Grenzen stoßen? Hat sich das Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem (TUIS) bewährt? Oliver Pruys sprach mit Bernd Saßmannshausen, Merck Senior Director, Head of Fire Protection and Site Security, über die Gefahrenabwehr und die Sicherheit an Chemiestandorten.

CHEManager: Viele Chemiestandorte unterhalten eigene Feuerwehrstationen, so auch Merck. Warum leisten Sie sich diesen personellen und materiellen Aufwand, warum reicht eine "normale" kommunale Feuerwehr nicht aus?

B. Saßmannshausen: Diese Frage hat zwei wesentliche Aspekte. Historisch gesehen hatten sehr viele Großunternehmen schon immer eine eigene Feuerwehr, die meist auch rettungsdienstliche und andere Sicherheitsaufgaben hatten. Dies geschah aus unternehmerischen Eigeninteresse. Denn schon damals war klar, dass man zur Gefahrenabwehr besondere Kenntnisse über Standort, Gefahrenschwerpunkte und Einsatztaktiken haben musste. Dazu gehört auch die Firma Merck, deren hauptberufliche Werkfeuerwehr in Darmstadt in 2019 ihr 100jähriges Jubiläum feiert.
Heute regeln die Landesgesetze, dass behördlicherseits eine Werkfeuerwehr angeordnet werden kann, wenn die kommunale Gefahrenabwehr das Risikopotential eines Unternehmens nicht abdecken kann. In Hessen bewerten wir die Risiken des Standortes in einem Bedarfs- und Entwicklungsplan und leiten davon die notwendige Zahl an Einsatzkräfte, der Einsatzmittel und der Ausstattung ab. Daraus generiert sich ein Bescheid an das Unternehmen.

In der Nähe von Wohngebieten ist erhöhte Sicherheit gefragt. Wie funktioniert die Zusammenarbeit der Werkfeuerwehr mit den kommunalen Feuerwehren? Gibt es gemeinsame Schulungen und Übungen, welche Informationen und Erfahrungen werden ausgetauscht?

B. Saßmannshausen: Diese Zusammenarbeit funktioniert sehr gut und das muss sie auch. Die Werkfeuerwehr trägt zwar die Grundlast aller Einsätze, aber kommt irgendwann auch an ihre Grenzen und benötigt dann die Unterstützung durch die umliegenden öffentlichen Feuerwehren.

Damit das dann funktioniert sind Abstimmungen organisatorischer und technischer Art notwendig, ebenso wie regelmäßiger Informationsabgleich und Übungen. Dies führt in unserem Fall sogar zu Kooperationsvereinbarungen zu den Themen Dekontamination, Messtechnik und Messzentrale.

Die Zusammenarbeit funktioniert aber auch in die umgekehrte Richtung. Eine Werkfeuerwehr kann Sondertechnik und –löschmittel bei einem Großschaden außerhalb des Standortes im Rahmen der nachbarlichen Löschhilfe zur Verfügung stellen. Bundesweit wird über den Verband der chemischen Industrie (VCI) das TUIS-System angeboten. Dieses Transport-, Unfall- und Informationssystem bietet Gefahrenabwehrbehörden die Hilfe der chemische Industrie bei Chemieunfällen in drei Stufen an: Stufe 1 ist die telefonische Beratung, Stufe 2 die Beratung vor Ort und Stufe drei den Einsatz einer Werkfeuerwehr vor Ort.

Welche Informationen erhalten Anwohner von Chemiestandorten über die Gefährdungslage und die Sicherheitsvorkehrungen der Industrie? Haben Sie den Eindruck, dass sich die Menschen sicher fühlen und den Einsatzkräften der Werkfeuerwehren vertrauen?

B. Saßmannshausen: Das Bundesimmissionsschutzgesetz fordert von Betrieben, die unter die Störfallverordnung fallen eine aktive Information an die umliegenden Bewohner, welche Gefahren an einem Standort bestehen und wie sie sich im Schadensfall zu verhalten haben. Weiterhin wird in diesem Gesetz auch geregelt, wann eine Bürgerbeteiligung notwendig ist. Am 22. September 2018 veranstaltet der VCI wieder bundesweit einen Tag der offenen Tür, an dem die teilnehmenden Unternehmen besichtigen kann. In unserem Hause gehen fast täglich Besuchergruppen ein und aus und wir stehen zu allen Besuchern Fragen Rede und Antwort. Einmal pro Jahr gibt es einen Bürgerabend und ein Treffen mit der Stadt und den interessierten Verbänden. Mein Eindruck ist schon, dass das hohe Sicherheitsniveau, die umfangreiche Sicherheitsorganisation und das Wirken der Werkfeuerwehr gesehen wird und ein großes Vertrauen vorhanden ist.

130 Chemie-Werkfeuerwehren und Spezialisten sind in dem Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem (TUIS) rund um die Uhr einsatzbereit. Das bietet öffentlichen Feuerwehren und Polizei bundesweit Unterstützung bei Transport- und Lagerunfällen mit Chemikalien. Hat sich diese Initiative der Chemie-Industrie Ihrer Meinung nach bewährt oder muss das Hilfeangebot verändert oder erweitert werden?

B. Saßmannshausen: Das bereits beschriebene TUIS-System hat sich bewährt und ist etabliert. Wir versuchen natürlich unser Angebot zu verbessern und aktuell zu halten, so können sie selbstverständlich eine App herunterladen. Aber im Grundsatz müssen wir das System nicht in Frage stellen. Wir würden uns aber wünschen als Fachleute öfter zur Beratung kontaktiert zu werden, um z.B. eine Lagebeurteilung fundiert unterstützen zu können. Die elektronischen Medien erlauben es heute jedem Feuerwehrmann Informationen über Stoffe und Produkte an der Einsatzstelle einzusehen. Diese Fülle an Daten ist aber für die jeweilige Situation zu interpretieren und richtig zu bewerten. Und diese Expertise bieten wir.

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