Chemiekonjunktur – hohe Dynamik im globalen Chemiegeschäft

VCI erwartet für 2017 Wachstum der weltweiten Chemieindustrie auf dem Niveau des Vorjahres

  • In den USA könnte die Chemieproduktion nach einem schwachen Jahr beschleunigt zulegen. (c) BASFIn den USA könnte die Chemieproduktion nach einem schwachen Jahr beschleunigt zulegen. (c) BASF
  • In den USA könnte die Chemieproduktion nach einem schwachen Jahr beschleunigt zulegen. (c) BASF
  • Dr. Henrik Meincke, Verband der Chemischen Industrie
  • Globales Wirtschaftswachstum
  • Chemie- und Pharmaproduktion ausgewählter Länder Asien
  • Chemie- und Pharmaproduktion USA
  • Chemie- und Pharmaproduktion EU
  • Chemieproduktion weltweit

Die weltwirtschaftliche Lage hat sich trotz der Verunsicherung durch den Brexit oder durch die neue US-Wirtschaftspolitik unter Donald Trump im ersten Halbjahr 2017 spürbar verbessert. Der Stimmungsumschwung zeigt sich in den Headlines der Wirtschaftspresse. Während im Herbst 2016 überwiegend von einer „schwachen Dynamik ohne echten Wachstumstreiber die Rede“ war, sprachen im Frühsommer 2017 viele Konjunkturberichte von einer „deutlichen Belebung der Weltwirtschaft“. Nicht nur die Stimmung hat sich verbessert, sondern vor allem auch die weltwirtschaftliche Dynamik. Weil die USA die Schwächephase des Vorjahres überwinden und Schwellenländer wie Brasilien ihre Talfahrt beenden konnten, hat sich das globale Wirtschaftswachstum von 2,3 % (2016) auf 2,7 % im ersten Halbjahr 2017 beschleunigt (Grafik 1). Der Zuwachs liegt damit sogar etwas über dem langfristigen Wachstumstrend.

Noch deutlicher wird die Beschleunigung der Weltwirtschaft, wenn man auf die Industrie schaut. Im Jahr 2016 stieg die globale Industrieproduktion lediglich um 2,3 %. Im ersten Halbjahr 2017 konnte hingegen ein Wachstum von 3,3 % verbucht werden. Und mit der Ausweitung der Industrieproduktion belebte sich auch die Nachfrage nach Chemikalien. Die globale Chemie- und Pharmaproduktion wuchs vor diesem Hintergrund im ersten Halbjahr um 3,5 %. Allerdings profitierten nicht alle Länder und Regionen gleichermaßen von der positiven Entwicklung.

Asien: stabiler Wachstumspfad

Wenn man Japan ausklammert, war das zurückliegende Jahrzehnt geprägt von einer hohen Dynamik im asiatischen Chemiegeschäft – insbesondere in China. Von der Entwicklung profitierten andere Regionen, z.B. Europa, weil der Kapazitätsausbau nicht mit dem Marktwachstum Schritt halten konnte. Mittlerweile hat jedoch die Dynamik im asiatischen Chemiegeschäft insgesamt abgenommen. Hauptursache hierfür ist die Entwicklung in China. Der Umbau der Wirtschaft weg von Exporten und Industrie hin zu mehr Konsum und Dienstleistung hinterlässt auch in der Chemie Bremsspuren. Das Produktionswachstum der chinesischen Chemieindustrie hat sich von 9,7 % (2015) auf mittlerweile 6,5% (1.

Hj. 2017) deutlich abgeschwächt. Dennoch bleibt die Dynamik im Reich der Mitte im internationalen Vergleich hoch.

Die anderen großen Chemieländer der Region – Indien, Südkorea und Japan – zeigen aktuell unterschiedliche Dynamiken. Japan kann derzeit von der hohen Nachfragedynamik der asiatischen Nachbarländer profitieren, zumal die Energie- und Rohstoffkosten zuletzt erheblich gesunken sind. Hinzu kommt eine Belebung der Inlandsnachfrage durch die gute Industriekonjunktur. Ähnliches gilt für Südkorea. Auch dort stieg die Chemieproduktion im bisherigen Jahresverlauf beschleunigt. Demgegenüber konnte Indiens Chemie- und Pharmaindustrie zuletzt nicht mehr ganz an das hohe Expansionstempo der vorangegangenen Jahre anknüpfen (Grafik 2).

Amerika: Belebung im Chemiegeschäft

Schiefergas und billige Rohstoffe führten zu einem Investitionsboom in der amerikanischen Basischemie. Dadurch stieg ab 2014 die Chemieproduktion in den Vereinigten Staaten. In der zweiten Jahreshälfte 2016 gab es jedoch einen Rückschlag. Der Wettbewerbsvorteil der gasbasierten US-Chemie hat sich durch die niedrigen Ölpreise deutlich verringert und die Nachfrage nach Chemikalien litt unter der schwachen Industriekonjunktur in den USA. Im ersten Halbjahr 2017 setzen sich aber wieder die Auftriebskräfte durch. Die industriellen Kunden bestellten wieder mehr Chemikalien und die Branche konnte ihre Produktion ausweiten. Weil die Pharmaproduktion aber gedrosselt wurde, fiel der Zuwachs für die Branche insgesamt mit 0,2 % gering aus (Grafik 3).

Deutlich schwieriger ist die Lage in Südamerika – vor allem in Brasilien. Dort scheint zwar inzwischen die Talsohle erreicht zu sein, von einem Aufschwung ist aber noch nichts zu spüren. Die Chemieindustrie ist von dieser Entwicklung nicht ausgenommen. Nach einem hoffnungsvollen Start ins Jahr 2016 kam in der zweiten Jahreshälfte ein erneuter Rückschlag. Die brasilianische Chemieproduktion lag daher trotz leichter Belebung im ersten Halbjahr 2017 immer noch 3 % niedriger als ein Jahr zuvor.

Europa: gute Geschäftslage

Die europäische Chemie- und Pharmaindustrie konnte ihre Produktion seit Beginn des Jahres 2013 kontinuierlich ausweiten. Zunächst wurden Wachstumsraten von über 3 % verbucht. Seit 2016 nahm die Dynamik allerdings wieder ab, die Produktion stieg im vergangenen Jahr nur um 1,8 %. Im ersten Halbjahr 2017 lag die Dynamik in einer ähnlichen Größenordnung (Grafik 4). Sowohl im historischen Vergleich als auch im internationalen Vergleich blieb das Wachstum jedoch niedrig. Wenn man das wachstumsstarke Pharmageschäft herausrechnet, stieg die EU-Chemieproduktion im vergangenen Jahr sogar nur um 0,7 %. Hier hat die ansteigende industrielle Nachfrage in den vergangenen Monaten zu einer Ausweitung der Produktionsmengen, steigenden Erzeugerpreisen und einem deutlichen Umsatzplus geführt. Die Stimmung in der europäischen Chemieindustrie ist entsprechend positiv.

Ausblick: stabiler Aufwärtstrend trotz großer Risiken

Im nächsten Jahr wird sich das wirtschaftliche Umfeld nicht grundlegend verändern. Die konjunkturellen Risiken bleiben hoch. In Europa nimmt die Wirtschaftsdynamik aufgrund des Brexit ab. Hinzu kommen Sorgen, um die Ausgestaltung der Wirtschaftsbeziehungen zum wichtigen Handelspartner USA. Die US-Wirtschaft wird ihr Wachstum beschleunigt fortsetzen. Steuerreform und Investitionsprogramm sorgen voraussichtlich für einen temporären Wachstumsschub. In China setzt sich der Umbau der Wirtschaft fort. Dementsprechend verringern sich die Wachstumsraten weiter. Eine darüber hinaus gehende Destabilisierung ist im Prognosezeitraum nicht zu erwarten. Russland und Brasilien werden in diesem Jahr auf den Wachstumspfad zurückkehren.

Vor diesem Hintergrund geht der VCI davon aus, dass die globale Chemieproduktion ähnlich stark expandiert wie im Jahr 2016. In den USA wird die Chemieproduktion nach einem schwachen Jahr beschleunigt zulegen können, auch weil weitere Neuanlagen in Betrieb genommen werden. Das Wachstum in der EU wird stabil bleiben. In vielen Schwellenländern profitiert die Chemieproduktion von der guten Industriekonjunktur. Es gibt aber auch gegenläufige Entwicklungen: In China, Indien und Japan und Südkorea werden sich die Wachstumsraten des Chemiegeschäftes normalisieren und dem langfristigen Wachstumspotenzial anpassen (Tabelle 1).

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