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Chemiekonjunktur - Steigende Konjunkturrisiken in den Abnehmerindustrien der Chemie

Herstellung von Kunststoffprodukten ist rückläufig

03.09.2018 -

Die deutschen Chemieunternehmen sind mit der Geschäftslage aktuell sehr zufrieden. Das Auslandsgeschäft lief zuletzt gut und auch im Inland stieg die Nachfrage nach Chemikalien. Die zukünftige Geschäftsentwicklung wird von den Unternehmen mittlerweile aber deutlich zurückhaltender eingeschätzt. Grund dafür sind die gestiegen Risiken, wie die möglichen Folgen eines globalen Handelskrieges, der Gefahr eines harten Brexits oder die Destabilisierung von Schwellenländern, wie der Türkei.

Besonders kritisch beobachtet die Branche die jüngste Ölpreisentwicklung. Kräftig steigende Ölpreise drücken auf die Gewinnmargen, entziehen den Konsumenten Kaufkraft und belasten die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Chemie. Diese Risikofaktoren beginnen sich bereits auf die Industriekonjunktur auszuwirken. Die Chemienachfrage wuchs daher in den zurückliegenden Monaten nicht mehr so kräftig wie noch im Vorjahr. Der konjunkturelle Gegenwind hat mittlerweile zugenommen.

Die inländische Industrieproduktion hat nach dem rasanten Aufschwung des Vorjahres im ersten Halbjahr 2018 an Dynamik eingebüßt. Zudem war die Wachstumsdynamik der einzelnen Industriebranchen sehr uneinheitlich. Insbesondere die chemieintensiven Branchen wuchsen heterogen (Grafik 1). Während die Bauindustrie den Boom nahezu ungebremst fortsetzte, lief die Konjunktur in den anderen Branchen nicht mehr rund. Das Wachstum flaute ab. In Teilen der Industrie wurde sogar die Produktion gedrosselt. Unter dem Strich stagnierte die Industrieproduktion im ersten Halbjahr 2018. Damit lag sie aber immer noch 3,5 % höher als ein Jahr zuvor.

Kunststoffverarbeitung im Formtief

Die wichtigste Kundenindustrie der Chemie in Deutschland – die Herstellung von Kunststoffprodukten – musste in ersten Halbjahr einen Produktionsrückgang verkraften. Noch im vergangenen Jahr haben die 3.000 Hersteller von Kunststofferzeugnissen ihre Produktion um rund 4 % ausgeweitet. Alle Subsektoren der Kunststoffverarbeitung – Verpackungen, Bau, technische Teile und Konsumprodukte – trugen zu diesem Wachstum bei. Die Produktionsausweitung erhöhte auch die Nachfrage nach Polymeren und Additiven auf rund 12,6 Mio. t, was einem Nachfragewachstum von etwa 3 % entsprach. Im ersten Halbjahr 2018 stoppte der Aufwärtstrend jedoch abrupt. Die Produktion sank, ist aber weiterhin auf hohem Niveau. (Grafik 2)

Baukonjunktur weiter im Aufwind

Der zweitwichtigste gewerbliche Absatzmarkt der Chemie boomt weiterhin. In der Bauwirtschaft werden 14 % der Chemieproduktion abgesetzt. Niedrige Zinsen, vermehrte Zuwanderung und ein Anstieg der öffentlichen Investitionen befeuerten die Bautätigkeit. Im ersten Halbjahr nahm die Produktion des Bauhauptgewerbes kumuliert um 3,5 % zu (Grafik 3). Zwar expandierte das öffentliche Bauwesen weniger stark als die private Bautätigkeit. Aber die sehr hohe Dynamik im Wohnungsbau und dem Wirtschaftsbau führte zu einer positiven Einschätzung der Geschäftslage durch die Unternehmen der Bauindustrie. Allerdings schlagen die ersten Unternehmer Alarm: Der Mangel an Fachkräften könnte sich schon bald als das größte Hindernis für ein zügigeres Abarbeiten des hohen Auftragsbestandes herausstellen.

Metallerzeugung kämpft mit Auswirkungen der Strafzölle

Die drittgrößte Kundenindustrie – die Metallerzeugung – erlebt turbulente Zeiten. Was lange schon befürchtet wurde, ist seit dem 1. Juni Realität: Die USA erheben auf Einfuhren von Stahl und Aluminium aus der EU Strafzölle von 25 % bei Stahl und von 10 % auf Aluminium. Nachdem im vergangenen Jahr die Produktion von Metallen um 2,8 % wuchs, haben die Monate voller Befürchtungen und die tatsächlichen Zölle im ersten Halbjahr ihre Spuren hinterlassen. Die Produktion sank (Grafik 4). Damit war auch die Chemienachfrage aus dieser Branche rückläufig.

Geringe Wachstumsdynamik in der Automobilindustrie

Die Nachfrage nach Autos war auch im ersten Halbjahr 2018 hoch. Die Neuzulassungen an Pkw stiegen in Deutschland um 3 %. Und auch auf den wichtigsten Absatzmärkten – USA, China und Indien – wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres mehr Neuwagen zugelassen. Davon profitierten die deutschen Autobauer aber nur teilweise. Das Produktionswachstum war im ersten Halbjahr noch verhalten (Grafik 5). Vor allem der anhaltende Dieselskandal wirkte sich zu Beginn des Jahres dämpfend auf die Wachstumsdynamik aus. Aber bereits im zweiten Quartal weiteten die Automobilhersteller ihre Produktion wieder aus. Für die Chemie ist dies ein gutes Zeichen. Denn der Wirtschaftszweig ist ein wichtiger Kunde. Rund 8 % des Absatzes gehen direkt an Kunden der Automobilbranche. Tatsächlich ist die Bedeutung sogar deutlich höher, denn viele Verkäufe an die Hersteller von Kunststofferzeugnissen findet man später im Fahrzeug wieder.

Die Entwicklung der Möbelindustrie stagniert

Die Möbelindustrie in Deutschland ist eine wichtige Abnehmerindustrie für die Chemie. Gemeinsam mit der Holzindustrie kaufen die Produzenten von Möbeln 9 % der Chemieprodukte im Inland. Allerdings gehen von der Möbelindustrie schon seit längerem kaum Wachstumsimpulse aus. 2017 war die Produktion mit 1 % sogar rückläufig. Und auch im ersten Halbjahr 2018 stagnierte die Produktion.

Ausblick: moderates Wachstum

Im bisherigen Jahresverlauf mussten – mit Ausnahme der Bauindustrie – fast alle Kundenindustrien einen Dämpfer hinnehmen. Allerdings deutet bisher, trotz gestiegener Risiken, nichts auf einen Abschwung hin. Vor diesem Hintergrund rechnet der Verband der Chemischen Industrie (VCI) für die zweite Jahreshälfte mit einer gleichbleibend hohen Industrieproduktion. Für das Gesamtjahr 2018 entspricht dies einem Produktionsplus in Höhe von 2,5 %. Den größten Zuwachs wird mit 5,5 % die Bauindustrie verzeichnen. Die Automobilindustrie wird um 3 % wachsen Die Metallproduktion und die Kunststoffverarbeitung werden voraussichtlich um nur 0,5 % zulegen. In der Möbelindustrie wird auch in der zweiten Hälfte von 2018 keine Dynamik erwartet. Entsprechend gering dürfte die Dynamik bei der Chemienachfrage ausfallen. Wegen des boomenden Pharmageschäfts geht der VCI für die Chemie- und Pharmaindustrie von einem Produktionswachstum von 3,5 % aus.

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