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Afrika – ein Chemiemarkt mit Potential

26.09.2012 -

Wenn es um die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung geht, gerät der afrikanische Kontinent oftmals in Vergessenheit. Nach wie vor liegt der Fokus auf den Industrieländern und den aufstrebenden Schwellenländern Asiens und Südamerikas. Noch zur Jahrtausendwende bezeichnete die britische Zeitschrift „The Economist" auf ihrer Titelseite Afrika als „hopeless continent". Allmählich jedoch richtet die Wirtschaft ihr Augenmerk auf Afrika. Das Interesse der Unternehmer und Investoren steigt. Auch in der Chemie erhofft man sich Marktchancen auf dem schwarzen Kontinent.
Die Bevölkerung wächst dynamisch. Während heute gut 1 Mrd. Menschen (15 % der Weltbevölkerung) in Afrika leben, werden die

Bevölkerungszahlen bis 2030 voraussichtlich auf 1,6 Mrd. steigen. Die Menschen brauchen Nahrung, Wohnraum und Konsumgüter. Die Mittelschicht wächst: 60 Mio. Haushalte haben nach Germany Trade & Invest (gtai) derzeit ein Jahreseinkommen von mehr als 3.000 US-$. Bis 2015 soll dieser Anteil auf 100 Mio. Haushalte steigen. Die Menschen brauchen einen Arbeitsplatz. Daher versuchen viele Länder nicht zuletzt mit Hilfe ausländischer Direktinvestitionen eine industrielle Produktion aufzubauen. Die Investitionen in Industrieanlagen nehmen seit Jahren zu. Dabei profitiert Afrika von seinem Rohstoffreichtum. Rohstoffexporte bringen Devisen und begünstigen die Ansiedlung von Industrie.

Hohe Wachstumsraten, der Rohstoffreichtum und eine zunehmende politische Stabilität haben mittlerweile den Blick der industrialisierten Welt auf den Kontinent verändert. Trotz der Verbesserungen in den vergangenen Jahren bleiben Teile der Region politisch labil. Die Sicherheitslage ist in vielen Staaten schlecht. Zudem fehlen oftmals eine effiziente öffentliche Verwaltung und die notwendige Infrastruktur. Das Infrastrukturdefizit ist immens. So sieht es gerade in der Energieversorgung düster aus. All dies dämpft die Entwicklungsmöglichkeiten und schreckt Investoren ab. Daher bleibt unklar, ob der afrikanische Löwe in die Fußstapfen des asiatischen Tigers treten kann.

Unter dem Strich jedoch wird Afrika für die deutsche Chemieindustrie zunehmend interessant, denn der afrikanische Chemiemarkt hat Potential. Das zeigte sich bereits in der Vergangenheit. Seit 1991 ist die afrikanische Chemienachfrage um 5,2 % pro Jahr gestiegen (Grafik 1). Das Wachstum hat sich in den vergangenen Jahren sogar beschleunigt. Seit 2002 stieg die Chemienachfrage um 8,5 % pro Jahr.

Afrika produziert vor allem Grundstoffe

Die afrikanische Chemieindustrie spielt im globalen Vergleich zurzeit noch eine untergeordnete Rolle. Nur rund 1 % der Weltchemieproduktion findet auf diesem Kontinent statt. Mit einem Chemieumsatz von 40 Mrd. € ist die gesamte afrikanische Chemieindustrie kleiner als Irland und nur unwesentlich größer als Mexiko. Südafrika ist mit einem Anteil von 35 % der mit Abstand größte Chemieproduzent der Region (Grafik 2). Dort werden vor allem chemische Grundstoffe (50 %), Farben und andere Spezialitäten (21 %) sowie Konsumchemikalien (16 %) produziert. Am Kap haben auch einige Global Player ihren Stammsitz, z.B. Sasol.

Rund die Hälfte der afrikanischen Chemieproduktion entfällt auf Nordafrika. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede im Produktmix. Beispielsweise dominiert in Tunesien die Herstellung anorganischer Grundstoffe (Phosphate und Düngemittel). Die Sparte hat einen Anteil an der gesamten Chemieproduktion des Landes von knapp 60 %. Ägypten hingegen stellt vor allem Pharmazeutika her (40%), während am Nil kaum Petrochemikalien oder Polymere produziert werden. Beide Sparten kommen dort zusammen nur auf einen Anteil von 7 %. Die Petrochemieproduktion Nordafrikas befindet sich vor allem in Libyen.

Wegen der reichhaltigen Rohstoffvorkommen produziert Afrikas Chemieindustrie bevorzugt Grundstoffe. Der Anteil der Basischemie liegt bei rund 50 % (Grafik 3). Neben Düngemitteln werden vor allem petrochemische Grundstoffe und Standardpolymere hergestellt. Die Nachfrage nach Basischemikalien wird bis 2030 weltweit kräftig zulegen. Auch wenn hiervon insbesondere der Nahe Osten und die asiatischen Schwellenländer profitieren werden, bieten sich der afrikanischen Grundstoffchemie gute Wachstumschancen. Bereits heute ist Afrika ein Nettoexporteur von chemischen Grundstoffen.

Die afrikanische Spezialchemie ist hingegen stark fragmentiert und wenig wettbewerbsfähig. Ihr Anteil an der Chemieproduktion des Kontinents liegt bei nur 14 %. Die Außenhandelsstatistik weist für die afrikanische Chemieindustrie ein deutliches Defizit in der Handelsbilanz auf. Gleiches gilt für die Hersteller von Pharmazeutika. Die afrikanische Pharmaproduktion reicht nicht aus, um den hohen heimischen Bedarf an Arzneimitteln zu befriedigen. Afrika produziert überwiegend Generika für den heimischen Markt. Der Anteil der Pharmasparte an der Gesamtproduktion liegt bei 16 %. Auch bei Seifen, Wasch- und Reinigungsmitteln ist die afrikanische Nachfrage hoch. Sie kann aber nicht allein aus heimischer Produktion bedient werden. Trotz hoher Nettoimporte erreicht die Sparte der Konsumchemikalien einen Anteil an der afrikanischen Gesamtproduktion von 16 %. Im internationalen Vergleich ist das viel. In Deutschland beispielsweise liegt der Anteil der Konsumchemikalien an der Chemieproduktion gerade einmal halb so hoch.

Deutsche Chemie will Chancen nutzen

Deutsche Chemikalien sind in Afrika sehr gefragt. Die Chemieindustrie exportierte 2011 Waren im Wert von 2,6 Mrd. € nach Afrika. Dies waren rund 1,8 % der gesamten Chemieausfuhren. Damit hat Afrika in der Exportstatistik die gleiche Bedeutung für die Branche wie Brasilien. Bereits in der Vergangenheit konnten die deutschen Hersteller von der dynamisch steigenden Chemienachfrage Afrikas profitieren. Seit 2002 legten die Ausfuhren chemischer Erzeugnisse nach Afrika um durchschnittlich 8,7 % pro Jahr zu (Grafik 4). Umgekehrt kamen nur 0,3 % der deutschen Chemieeinfuhren aus Afrika. Dies waren 2011 Chemiewaren im Wert von knapp 330 Mio. €. Die deutsche Chemiehandelsbilanz mit Afrika fällt positiv aus. Der Handelsüberschuss hat in den letzten Jahren kräftig zugelegt.

Aber auch für Investitionen gewinnt Afrika an Bedeutung. Deutsche Chemieunternehmen haben in den vergangenen Jahrzehnten Vertriebs- und Produktionsstätten vor Ort aufgebaut. Nahezu alle großen Chemieunternehmen aber auch einige Mittelständler engagieren sich in Afrika. Die Direktinvestitionen deutscher Chemieunternehmen in Afrika beliefen sich 2010 auf 1 Mrd. €. Insgesamt waren 51 Tochtergesellschaften deutscher Chemieunternehmen in Afrika aktiv. Sie beschäftigten dort 11.000 Mitarbeiter und erzielten einen Umsatz von 2,7 Mrd. €. Der Schwerpunkt des deutschen Engagements liegt mit einem Anteil von mehr als 60 % in Südafrika.

Insgesamt hat die deutsche Chemie in Afrika einen Marktanteil von über 13 %. Sie zählt damit zu den wichtigsten Handelspartnern und Investoren auf dem Kontinent. Die Unternehmen wollen auch zukünftig ihre Chancen auf dem afrikanischen Markt nutzen. Das Interesse in den Unternehmen wächst. Der Verband der Chemischen Industrie lädt daher seine Mitgliedsunternehmen am 18. April 2013 zu einem Erfahrungs- und Informationsaustausch über den afrikanischen Chemiemarkt nach Frankfurt ein. 

Kontakt

VCI - Verband der Chemischen Industrie e.V

Mainzer Landstr. 55
60329 Frankfurt
Deutschland

+49 69 2556 0
+49 69 2556 1471

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