Standorte & Services

Chemiestandort Leuna wandelt abermals sein Gesicht

Standort für nachhaltige Chemie

09.06.2021 - In Leuna werden die Weichen neu gestellt. Es geht in Richtung Nachhaltigkeit und alternative Rohstoffe in der Chemie.

Das finnische Unternehmen UPM investiert 550 Mio. EUR in eine industrielle Bioraffinerie. Ab Ende 2022 sollen hier Biochemikalien auf Holzbasis produziert werden. Diese werden in einer Vielzahl an Produkten des täglichen Bedarfs den Umstieg von fossilen Rohstoffen auf nachhaltige Alternativen ermöglichen. So wird aus Laubholz eine neue Generation von nachhaltigen, chemischen Grundstoffen entstehen: Bio-Monoethylenglykol (bMEG), funktionelle Füllstoffe, Bio-Monopropylenglykol sowie Industriezucker. Mit innovativen Verfahren werden jährlich ca. 220.000 Produkte erzeugt.

In der Stadt im Saalekreis stehen mehr als 10.000 Menschen in rund 130 Unternehmen für eine Produktion von 12 Mio. t/a Gütern. Sowohl internationale Konzerne als auch mittelständische Unternehmen investierten seit 1990 über 7,5 Mrd. EUR in den Standort, der heute zu den Top-Adressen für moderne Chemie in Europa zählt.

In seiner über 100-jährigen Geschichte hat sich der Standort von der Kohlechemie über die Petrochemie gewandelt. Nun verändert die Chemie in Sachsen-Anhalt abermals ihr Gesicht und startet in eine neue Richtung: „Leuna – der Standort für nachhaltige Chemie“.

Grüner Wasserstoff gilt als unentbehrlich für die Umstellung der Chemieindustrie in Richtung Nachhaltigkeit. Auch bei diesem Thema übernimmt Leuna eine führende Position. Mit dem Hydrogen Lab Leuna der Fraunhofer Gesellschaft hat am 21. Mai die erste Pilotanlage für Test und Skalierung von Elektrolysesystemen ihren Betrieb aufgenommen, die vollständig in einen Chemiepark integriert ist. „Das Potenzial und die Einsatzmöglichkeiten von grünem Wasserstoff sind außerordentlich vielversprechend. Insbesondere in der Industrie kann die Umstellung etablierter Produktionsprozesse auf Wasserstoff einen entscheidenden Beitrag zur Defossilisierung und zur Erreichung der gesetzten Klimaziele leisten. Der Fokus muss hierbei auf der wirtschaftlichen und nachhaltigen Gestaltung der Umstellung liegen“, erklärt dazu Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. Der Chemiestandort Leuna biete beste Voraussetzungen, um diese Einsatzmöglichkeiten in der Praxis auszuloten.

Während am Fraunhofer-Insti­tut die verschiedenen Elektrolyse­systeme getestet werden, geht Linde bereits einen Schritt weiter. Der Gasehersteller baut in Leuna eine PEM-Elektrolyseanlage im industriellen Maßstab. Der Bau des mit 24 MW-Leistung bei Inbetriebnahme weltgrößten Projekts zur Erzeugung und Verflüssigung von grünem Wasserstoff wird noch in diesem Jahr starten. Nach Fertigstellung ab Mitte 2022 soll die Elektrolyseanlage, zu Beginn mithilfe von zertifiziertem Ökostrom, später mit in der Nähe erzeugten erneuerbaren Energien bis zu 3.200 t/a grünen Wasserstoff herstellen.

„Leuna eignet sich hervorragend für eine solche Anlage, denn wir versorgen seit vielen Jahrzehnten – eingebunden in eines der größten Industriecluster in Deutschland – mit einem kompletten Produktportfolio von Industriegasen unsere dort ansässigen Kunden sowie das umliegende Netzwerk. Durch die Elektrolyseanlage im industriellen Maßstab, insbesondere in Verbindung mit der aktuell erweiterten Verflüssigung, wird dieses Portfolio perfekt ergänzt“, freut sich Jens Waldeck, bei Linde zuständig für das Gasegeschäft in Westeuropa. „Für den Standort sprechen außerdem das gut ausgebaute Rohleitungsnetz und die hervorragende Infrastrukturanbindung.“

Dafür sorgt die InfraLeuna als Chemieparkbetreiber mit attraktiven Energiekonditionen und ihrer komplexen technischen Infrastruktur. Da geht es um die Versorgung mit Strom, Wärme, Druckluft, Kühlwasser, aber auch um Bahnlogistik und Spedition, bis hin zu Werkschutz, Werkfeuerwehr und Arbeitsmedizin. So können sich die Unternehmen voll auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Dafür hat die InfraLeuna in den vergangenen Jahren enorme Anstrengungen unternommen.
Gegenwärtig investiert die Betreibergesellschaft rund 250 Mio. EUR in das Chemieareal. Über 100 Mio. EUR gehen dabei in den Ausbau der Infrastruktur und rund 145 Mio. EUR in ihr Gas- und Dampfturbinenkraftwerk GuD2. Durch die Erweiterung und Modernisierung des Kraftwerkes entsteht eine hochmoderne Gas- und Dampfturbinenanlage mit gesteigerter Leistung sowie einem neue Maßstäbe setzenden Niveau von Effizienz und Flexibilität. Dieser Kraftwerksbau ist die größte Investition des Chemieparkmanagers seit der Re­strukturierung des Standortes. Damit steigert der industrielle Dienstleister die Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit des Energie­systems.

Große Schritte in Richtung Zukunft

„Nachwachsende Rohstoffe, Kreislaufwirtschaft und Wasserstoff sind die gegenwärtigen Megatrends in der Chemie. Große Ansiedlungserfolge wurden in Leuna in diesen Bereichen in den letzten Jahren erzielt. So konnten wir die weltweit größte Bioraffinerie für unseren Standort gewinnen, ebenso eine Kunststoffanlage die sehr leicht recycelbare Kunststoffe produzieren wird. Rund um das Thema Wasserstoff sind wir dank des Engagements von Linde führend in diesen Technologien. Die wettbewerbsfähige Aufstellung unseres Energiesystems und unser gut ausgebautes Infrastrukturnetz verschaffen uns einen Vorsprung, wenn wir jetzt die nächsten großen Schritte in Richtung Zukunft gehen.“

UPM ist neuer Gesellschafter der InfraLeuna

Das finnische Unternehmen UPM, das in Leuna gegenwärtig eine weltweit einzigartige Bioraffinerie erbaut, wurde mit 10 % neuer Gesellschafter der Betreibergesellschaft.

„Die Investition von UPM hat schon wegen ihrer schieren Größe strategische Bedeutung für unseren Chemiestandort. Noch wichtiger ist für uns jedoch, dass der neue Investor zukunftsweisende Technologien und Know-how im Bereich der nachhaltigen Chemie mitbringt,“ betont Christof Günther, Geschäftsführer der InfraLeuna.

„Leuna ist für uns als europäisches Zentrum der chemischen Industrie mit der umliegenden nachhaltigen Forstwirtschaft und durch die Nähe zu wesentlichen Kunden ein optimaler Standort. Hinzu kommt, dass wir mit solchen Medien wie Wasser, Dampf oder Energie exzellent versorgt werden. Das war für uns ausschlaggebend, den Schritt zum Gesellschafter zu gehen“, bekennt Michael Duetsch, Vice President, UPM Biochemicals Business. „Natürlich muss man nicht Gesellschafter werden, aber wir können auf diese Weise die positive Entwicklung hier mitgestalten. Wir investieren eine halbe Milliarde Euro in die Bioraffinerie. Das ist das eine. Das andere: Die chemische Industrie steht in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen. Da wollen wir uns als Großinvestor mit einbringen. Das Neue wollen und werden wir annehmen und die Prozesse rund um die Raffinerie mit ausführen.“

Klaus Paur, Vorsitzender des Aufsichtsrates des Standortbetreibers ergänzt: „Die Kompetenzen von UPM sind eine echte Bereicherung für den Kreis der Gesellschafter. Deshalb freue ich mich über dieses Engagement.“

Das finnische Unternehmen liefert erneuerbare und verantwortungsvolle Lösungen sowie Innovationen für eine Zukunft ohne fossile Rohstoffe. Der Konzern besteht aus sechs Geschäftsbereichen: Biorefining, Energy, Raflatac, Specialty Papers, Communication Papers und Plywood. Als Branchenführer im Bereich Nachhaltigkeit hat sich das Unternehmen dem 1,5-Grad-Ziel der Vereinten Nationen angeschlossen, um durch wissenschaftlich fundierte Maßnahmen den Klimawandel abzumildern. UPM beschäftigtn weltweit etwa 18.700 Mitarbeiter, die Umsatzerlöse liegen bei etwa 10,2 Mrd. EUR pro Jahr.

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InfraLeuna GmbH

Am Haupttor
06237 Leuna
Deutschland

+49 3461 43 0

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