Forschung & Innovation

Chemstars.NRW fördert Unternehmensgründungen in der Chemie

Warum Chemie-Start-ups selten sind und etablierte Unternehmen sie unterstützen sollten

23.03.2022 - Chemstars.NRW will den Austausch zwischen Start-ups und Unternehmen der chemischen Industrie fördern. Das langfristige Ziel: Der Aufbau eines Leuchtturm-Ökosystems für Chemie-Start-ups.

Die globalen Herausforderungen der Klimakrise verlangen von der chemischen Industrie Innovationen in bisher nicht gekannter Geschwindigkeit. Die kommenden zehn Jahre werden entscheidend sein. Um den Transformationsprozess hin zu einer Kreislaufwirtschaft erfolgreich voranzutreiben, bedarf es offener Zusammenarbeit über Organisationen und Disziplinen hinweg und ein Innovationsökosystem, das es Wissenschaftlern leicht macht, neue Ideen, Technologien und Geschäftsmodelle zu testen. Nur so kann die kollektive Innovationskraft der Chemistry Community freigesetzt werden.

In den öffentlichen Forschungseinrichtungen Deutschlands arbeiten etwa 15.000 Personen im Bereich Chemie. Viele von ihnen entwickeln neue Technologien oder Prozesse – ein enormes Potenzial, das noch stärker in den Fokus rücken sollte. Denn mit gerade einmal 25 bis 35 Gründungen pro Jahr liegt die Zahl wachstumsorientierter Start-ups in der Chemie in Deutschland deutlich hinter der anderer Branchen.

Da geht noch mehr

Dass nur wenige Chemikerinnen und Chemiker eine Unternehmensgründung in Erwägung ziehen, hat vielfältige Ursachen. Nach wie vor ist die akademische Forschung stark publikationsgetrieben und agiert ein Stückweit entkoppelt von der „echten Welt“. Erfindungen entstehen eher aus wissenschaftlicher Neugier und nicht als Antwort auf reell existierende Kundenprobleme. Berührungspunkte mit dem Thema Entrepreneurship und einer unternehmerischen Denkweise sind für Studierende und Promovierende in der Chemie eine echte Seltenheit; da überrascht es kaum, dass vielen von ihnen eine Unternehmensgründung abstrakt, weit weg und bisweilen unrealistisch erscheint.
Um dem entgegenzuwirken, wäre es wünschenswert, Entrepreneurship in den Lehrplänen zu verankern. Ebenso wichtig ist jedoch eine Vielzahl niedrigschwelliger Angebote, die es ermöglichen, sich an Ideen auszuprobieren, spielerisch Kompetenzen vermitteln und vor allem Begeisterung für das Thema Start-up entfachen. Mit dieser Mission ist Chemstars in Nordrhein-Westfalen aktiv. Ähnliche Aktivitäten gibt es bspw. in Berlin (Chemical Invention Factory), München (ChemSpace), Bochum (Start4Chem) und Idstein (PANDA, Hochschule Fresenius).

Überschaubarer Aufwand, große Wirkung

Wer in der Chemie gründen will, muss sich eine(r) Vielzahl an Fragen stellen, deren Antworten man nicht einfach googeln kann. „Für wen schafft meine Technologie einen Mehrwert?“, „Was muss ich aus regulatorischer Perspektive alles beachten?“ oder „Wie skaliere ich meinen Produktionsprozess?“ sind nur drei Beispiele auf einer langen Liste. Nicht wenige Start-ups scheitern, weil der Zugang zu industriespezifischem Know-how fehlt. Abhilfe schafft nur der intensive Austausch mit erfahrenen Industrieexperten, für den es offener Türen in der Industrie bedarf. Was auf den ersten Blick unkonventionell erscheinen mag, wird mehr und mehr zu einem Modell, von dem die gesamte Chemistry Community profitiert.
Unternehmen wie Covestro, Currenta, Evonik und Henkel machen es vor. In enger Zusammenarbeit mit Chemstars unterstützen sie Gründungsteams und Start-ups bei inhaltlichen Fragestellungen mit offenem, ehrlichem Feedback und hilfreichen Tipps. In der Folge werden Start-ups professioneller, entwickeln sich schneller und verbessern somit ihre Chancen am Kapitalmarkt. Und das wiederum kommt der gesamten Industrie zugute. Denn je größer die Zahl professioneller Start-ups, desto größer der Pool potenzieller Partner, mit denen etablierte Unternehmen bei der Gestaltung der Chemieindustrie der Zukunft zusammenarbeiten können. Innovationen in der Chemie entscheiden derzeit nicht nur über Wettbewerbsvorteile, sondern in erheblichem Maße über das menschliche Wohlergehen und die Gesundheit des Planeten. Nicht zuletzt deshalb wäre es wünschenswert, wenn eine der ersten Fragen in der Interaktion mit Start-ups zukünftig seltener „What’s in it for me?“ und stattdessen „How can I help you learn?“ lauten würde.

Autoren:

Martin Bellof, Project Lead
Ventures & Partnering, Chemstars.NRW, Essen

 

Stefan Weber, Project Lead
Ecosystem & Partnering, Chemstars.NRW, Essen

 

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Chemstars
Chemstars.NRW ist eine gemeinsame Initiative marktführender Unternehmen der chemischen Industrie, des VCI.NRW und des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen. Chemstars fördert Unternehmensgründungen mit Berührungspunkten zur chemischen Industrie. Kernelement der Aktivitäten ist der Austausch zwischen Start-up und Industrie, der Gründungsteams dabei hilft, ihre Strategie an den Gegebenheiten der „realen Welt“ – und nicht der Grundlagenforschung – auszurichten. Das langfristige Ziel: Der Aufbau eines Leuchtturm-Ökosystems für Start-ups in der chemischen Industrie.

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