Strategie & Management

Digitalisierung + Nachhaltigkeit = die Kombination für die Zukunft?

Digitale Technologien können ein wesentlicher Treiber für die Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft sein

12.08.2020 - Für Unternehmen der chemischen Industrie können digitale Technologien ein wesentlicher Treiber sein, eine nachhaltige Zukunft aktiv zu gestalten.

Durch die Coronakrise konnten wir feststellen, dass die Digitalisierung wesentlich für unseren Geschäftsalltag ist. Eine funktionierende digitale Infrastruktur sowie die entsprechenden Kompetenzen von Mitarbeitern sind die notwendige Grundlage.

Viele Unternehmen haben Nachholbedarf bei den entsprechenden Basics. Aber auch für Unternehmen, die bereits massiv in Digitalisierung investiert haben, dient die Coronakrise als Katalysator. So kursierte in sozialen Medien ein Bild mit der Frage, welches C-Level als Treiber für Digitalisierung ausschlaggebend ist – nicht CEO, CTO oder CDO, sondern Covid-19 lautete die Antwort!

Doch die Digitalisierung darf nicht auf das virtuelle Arbeiten begrenzt werden. Vielmehr geht es darum, durch die Verwendung von Daten Transparenz zu schaffen, wesentliche Geschäftsprozesse zu optimieren sowie datenbasierte Geschäftsmodelle zu entwickeln. Neben dem Handlungsfeld Digitalisierung darf die Wichtigkeit der Nachhaltigkeit nicht untergehen. Trotz der aktuellen Krise ist die nachhaltige Ausrichtung der Volkswirtschaft und Gesellschaft nicht zu vernachlässigen. Besonders der chemischen Industrie wird aufgrund ihres Produktportfolios, CO2-Ausstoßes und Energieverbrauchs großer Änderungsbedarf für eine nachhaltige Zukunft zugeschrieben.

Chancenfelder entlang der Wertschöpfungskette

Die Kombination von Digitalisierung und Nachhaltigkeit bietet für die chemische Industrie weitaus mehr als das plakative Beispiel der Reduktion von Arbeitswegen durch Heimarbeit. Besonders da die Betrachtung der Nachhaltigkeit so facettenreich ist, bietet sie unterschiedliche Anknüpfungsfelder für digitale Technologien. Ausgehend von der Messung und Transparenz des ökologischen Fußabdrucks, von erneuerbaren und sauberen Energieträgern über Kreislaufwirtschaft und Abfallmanagement hin zu dem Bereich Ernährung und Landwirtschaft kristallisieren sich Chancenfelder entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Chemieindus­trie heraus. Deshalb liegt es nun an den Unternehmen, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

 

„Neben dem Handlungsfeld Digitalisierung darf die Wichtigkeit der Nachhaltigkeit nicht untergehen.“

 

Neben internen Initiativen kann die Betrachtung von externen Lösungen, bspw. von Start-ups äußerst nutzenstiftend sein. Eine Kooperation mit solchen jungen, innovativen Unternehmen ermöglicht eine schnelle Implementierung. Ein Auszug aus dem Start-up-Netzwerk des 5-HT Digital Hub Rhein-Neckar verdeutlicht die Möglichkeiten in verschiedenen Chancenfeldern.

Transparenz und Ressourceneffizienz

Das ökologische Bewusstsein innerhalb der Gesellschaft ist gestiegen. Chemieunternehmen sind verpflichtet, ihren ökologischen Fußabdruck durch Maßnahmen transparent und nachvollziehbar auszugleichen. Das Start-up ClimateTrade bietet einen Marktplatz für Emissionsausgleich an, der mittels Blockchain-Technologie aufzeigt, wessen Maßnahmen transparent sind. Das Start-up Cuantix misst hingegen den sozialen Einfluss eines Unternehmens und ermöglicht so ein praktisches Sustainability Reporting. Da eine Transparenz der Lieferketten oftmals schwer realisierbar ist, setzt hier die Cloud-Plattform des Start-ups Sustainabill an, um Risiken zu identifizieren und die Nachhaltigkeit der Lieferkette zu verbessern. Die Lösung wird bereits in den Bereichen Textil, Ernährung und Landwirtschaft eingesetzt.

Durch zirkuläre Wirtschaft soll die Ressourceneffizienz gesteigert werden. Dafür baute das Hamburger Start-up Cirplus einen globalen Marktplatz für zirkuläre Kunststoffe auf, um Rezyklate und Kunststoffabfälle online zu handeln. So soll die gesamte Wertschöpfungskette von Entsorgern, Recyclern und Kunststoffverarbeitern davon profitieren. Der Markplatz kümmert sich um eine transparente und sichere Abwicklung der Geschäfte und das Start-up konnte für den Markplatz bereits diverse Pilotpartner aus der Industrie gewinnen. Ein weiteres Beispiel bietet der Use Case „Greenback“, bei welchem das Start-up Arxum aus Kaiserslautern mitwirkt. Hier soll eine globale Plattform für das Recycling von Industrieabfällen für Kunststoffverpackungen auf der Grundlage der Blockchain-basierten Tracking-Infrastruktur von Arxum entstehen.

Die chemische Industrie ist seit jeher auf effiziente Prozesse getrimmt. Durch effiziente Ressourcen­allokation kann der Energieverbrauch effizienter und umweltschonender gestaltet werden. Das schwedische Start-up Viking Analytics implementierte seine Lösung MultiViz bei einem Chemieunternehmen, um dessen Energieverbrauch in der Elektrolyseanlage zu reduzieren. Durch Echtzeitprognosen können Energieströme optimal gesteuert und der Verbrauch reduziert werden. Neben Kosteneinsparungen durch weniger Energieverbrauch auf Seiten des Chemieunternehmens wird somit ein Beitrag zum nachhaltigen Wirtschaften geleistet. Auch das Start-up Metron optimiert die Energieleistung bestehender Produktionsprozesse durch den Einsatz seiner KI-basierten Plattform und kann durch Kundenprojekte in den Bereichen Chemie, Glas, Stahl und Lebensmittel überzeugen.

Kollaboration und Cross-Industry-Innovation

Zusammenfassend können digitale Technologien als wesentlicher Treiber für Unternehmen der chemischen Industrie dienen, eine nachhaltige Zukunft aktiv zu gestalten. Bevor jedes Unternehmen jedoch siloartig neue Initiativen startet, empfiehlt sich der Blick in die Start-up-Szene, um durch Kollaboration die Implementierung von geeigneten digitalen Anwendungen zu beschleunigen. Hier gilt es, offen gegenüber externen Ideen und Lösungsansätzen zu sein.

Chemieunternehmen dürfen nicht auf Perfektionismus pochen, denn es ist nicht zu erwarten, dass die Lösung eines Start-ups direkt vollumfänglich für die eigenen Bedürfnisse passt. Vielmehr muss ein Rahmen definiert werden, in welchem das etablierte Unternehmen gemeinsam mit dem Start-up die Lösung modifiziert. Zudem kann es wesentlich sein, diesen Rahmen um weitere etablierte Unternehmen zu erweitern, um Cross-Industry-Innovation zu ermöglichen.

Ich bin überzeugt, dass die Kombination von Digitalisierung und Nachhaltigkeit, auch unter Einbeziehung der Kollaboration mit Start-ups, ein wegweisender Schritt in Richtung Zukunft der Chemie­industrie sein kann.

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