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Forschungsbudgets der Chemie erreichen Rekordhoch, doch Corona stoppt den Trend

VCI mahnt zur Metamorphose des Innovationsstandorts Deutschland

19.08.2020 - Nachdem die Forschungsausgaben der Chemie- und Pharmaindustrie 2019 auf einen neuen Höchststand kletterten, dürften sie im Coronajahr 2020 eher sinken.

Nach aktuellen Schätzungen des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) haben die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) der deutschen chemisch-pharmazeutischen Industrie im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Mit rund 13 Mrd. EUR investierte die Branche 2019 über 3 % mehr in F&E als im Vorjahr. Bereits zum neunten Mal in Folge haben die Chemie- und Pharmaunternehmen ihre Forschungsbudgets angehoben. Doch sie bleiben von den massiven Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht verschont. Der VCI geht davon aus, dass es Im Coronajahr 2020 keine Fortsetzung des Wachstumstrends bei F&E-Investitionen geben wird.

Einer aktuellen Mitgliederumfrage zufolge, die der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in Frankfurt vorgestellt hat, planen zwar 60 % der Unternehmen, ihre Forschungsprojekte wie vorgesehen durchzuführen, doch etwa 30 % verschieben einzelne F&E-Projekte zumindest um einige Monate, und wenige Projekte (2 %) werden ganz gestrichen. Auch bei externen Forschungsaufträgen hält sich die Branche in der Krise vermehrt zurück.

Thomas Wessel, VCI-Vorsitzender des Ausschusses Forschung, Wissenschaft und Bildung, sagte bei der Forschungspressekonferenz in Frankfurt: „Wir müssen zurück in die Zukunft! Der Forschungsstandort Deutschland steht nicht erst seit der Corona-Pandemie unter starkem Druck. Die daraus resultierende Krise hat seine Schwächen schonungslos offengelegt.“

Wegen der Unsicherheiten über die weitere wirtschaftliche Entwicklung geht der VCI davon aus, dass die Branche in diesem Jahr ihren Rekordforschungsetat von 2019 in Höhe von rund 13 Mrd. EUR nicht erreichen wird. Wessel ist aber überzeugt, dass die Branche ihre Innovationskraft langfristig durch hohe Investitionen in F&E weiter stärken wird. Das setze jedoch voraus, die Rahmenbedingungen für Forschung und Innovation am heimischen Standort bestmöglich zu gestalten. „Deutschland muss eine Metamorphose durchlaufen, um gestärkt aus der Krise hervorzugehen“, betonte der Ausschussvorsitzende, der bereits in den Vorjahren unabhängig von der Coronakrise einen Modernisierungskurs für den Innovationsstandort Deutschland anmahnte.

"Von den Beeinträchtigungen durch die Pandemie sind alle Unternehmen der Branche betroffen, kleine und mittlere Firmen jedoch besonders stark", betonte Wessel. Unabhängig von ihrer Größe benötigten die Unternehmen Liquidität für ihre Forschungsprojekte. Die im letzten Jahr beschlossene steuerliche Forschungsförderung sei, so Wessel, in der derzeitigen Krisensituation wichtiger denn je. Zur notwendigen Metamorphose Deutschlands gehören aus Sicht des VCI jedoch auch unbürokratischere Förderverfahren: Auf die Genehmigung von Förderprojekten müssten Unternehmen manchmal bis zu zwei Jahre warten. Deshalb forderte Wessel eine zügige und unbürokratische Umsetzung der steuerlichen Forschungsförderung. Konkret forderte er, dass Firmen einen leichteren Zugang zu Forschungsprogrammen brauchen und die Abrechnungsmodalitäten einfacher werden müssen.

Der VCI verwies außerdem auf die entscheidende Rolle der Biotechnologie in der Medizin während der Corona-Pandemie. In Rekordzeit konnten Wissenschaftler und Unternehmen das Genom des neuen Coronavirus entschlüsseln. Diesen Schwung müsse Deutschland nutzen und die Biotechnologie stärken. Zwingend notwendig seien auch neue Technologien, wie zum Beispiel CRISPR-Cas. „Darüber darf man aber nicht nur reden, sondern muss sie auch nutzen dürfen“, mahnte Wessel und weiter: „und zwar nicht nur in der Medizin, sondern auch in der industriellen Biotechnologie und in der Landwirtschaft. Dies ist wichtig für Forschung, Entwicklung und Produktion – und zwar hier in Deutschland.“

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