Forschung & Innovation

Nachhaltigkeit zeigt sich im Produkt

AllocNow automatisiert die Berechnung produktspezifischer Umweltauswirkungen

26.01.2022 - Die Nachhaltigkeitseigenschaften von Produkten werden für Kaufentscheidungen immer wichtiger. Das gilt für Chemikalien genauso wie für Konsumgüter. Doch die Berechnung ist oft aufwändig. AllocNow schafft Abhilfe durch Automatisierung. Die Software des Start-ups aus Bonn errechnet auf Basis tatsächlicher Material- und Energieströme den ökologischen Fußabdruck jedes einzelnen Produkts eines Chemieunternehmens.

Diese Transparenz dient als Basis für die Steuerung der Transformation in Richtung zirkulärer Geschäftsmodelle. Der Mitgründer und CEO Daniel Bochnitschek erläutert das Konzept.

CHEManager: Wie kamen Sie auf die Idee, eine Software zur Berechnung von Nachhaltigkeitskennzahlen speziell für die Chemie­industrie zu entwickeln? Und was genau macht Ihre Software?

Daniel Bochnitschek: Wir haben einige Jahre als Berater für die Chemieindustrie gearbeitet und spezielle Software für die Steuerung integrierter Wertschöpfungsketten entwickelt. Dabei haben wir viel über die Branche gelernt. Wer sich anschaut, was die Industrie strukturell bewegt, kommt an den Themen Klimaschutz und Circular Economy nicht vorbei. Wir haben eine Chance gesehen, unsere Fähigkeiten einzubringen, um etwas zu bewegen.

Unsere Software automatisiert die Berechnung von Umweltauswirkungen jedes einzelnen Produkts im Portfolio eines Unternehmens. Dabei ist es egal, ob es sich insgesamt um hundert oder hunderttausend Produkte handelt. Das ist bis heute nicht möglich gewesen und bringt im Vergleich zum Status quo einen enormen Effizienzvorteil und Erkenntnisgewinn. Wenn Nachhaltigkeit zum integralen Bestandteil des Geschäftsmodells werden soll, muss klar sein, wie jedes einzelne Produkt im Portfolio abschneidet. Nur dann kann ein Unternehmen die Weichen für die Transformation gezielt stellen. Denn wie ernst es ein Unternehmen mit dem Thema Nachhaltigkeit meint, zeigt sich schließlich im Produkt.

Ökobilanzierungen sind ja nichts Neues. Was machen Sie anders?

D. Bochnitschek: Richtig, Ökobilanzen gibt es schon lange. Dabei schauen sich Experten aber immer nur einzelne Produkte an. Das ist ein sehr zeitaufwändiger und teurer Prozess und somit nicht über das gesamte Portfolio skalierbar. Daten zu Nachhaltigkeitseigenschaften von Produkten werden dazu benötigt, zukünftige Technologieentscheidungen zu treffen, das Produktportfolio auszurichten oder Anfragen von Kunden und Investoren zu bedienen. Wenn man das bedenkt, wird schnell klar, dass dieser manuelle Weg an seine Grenzen stößt. Wir schaffen Transparenz über jedes einzelne Produkt eines Unternehmens und bereiten die Ergebnisse verständlich auf. Ohne softwarebasierte Automatisierung ist eine so umfassende Transparenz und Zugänglichkeit nicht möglich.

Im Bereich Nachhaltigkeitssoftware betätigen sich einige Start-ups. Zeigt das die Dringlichkeit des Themas?

D. D. Bochnitschek: Ja, Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind die Herausforderungen unserer Zeit. Das Thema CO2-Reduktion ist dabei sehr dominant. Der große Druck auf Unternehmen, Emissionen zu reduzieren, gepaart mit dem notorischen Mangel an Daten, erklärt die große Nachfrage nach Software, die Transparenz schafft. Das freut uns natürlich. Allerdings muss auch klar festgehalten werden, dass so eine Software nicht ein Gramm COeinspart. Das passiert erst, wenn aus Daten konkrete Handlungen abgeleitet und auch umgesetzt werden. 

Wie differenzieren sie sich von anderen Anbietern im Markt?

D. Bochnitschek: Was uns auszeichnet sind zwei Aspekte: Erstens haben wir eine funktionierende, skalierbare Lösung zur Berechnung von Kennzahlen auf Produktebene. Wir glauben, dass produktspezifische Informationen essenziell sind, um relevante Verbesserungsmaßnahmen anstoßen zu können. Zweitens fokussieren wir uns auf die besonderen Herausforderungen der Chemieindustrie und arbeiten sehr eng mit unseren Kunden zusammen. Mit BASF haben wir einen starken Kooperationspartner an unserer Seite und nutzen die dort entwickelte und bewährte Methodik zur Berechnung von CO2-Fußabdrücken. Wir kennen also die Bedarfe der Branche sehr gut und liefern passgenaue Funktionalitäten.

Welche Perspektive sehen Sie für AllocNow?

D. Bochnitschek: Ich bin der festen Überzeugung, dass in Zukunft Kennzahlen zur Nachhaltigkeit genauso wertvoll und relevant sein werden wie finanzielle Kennzahlen. Wir sehen, dass sich die Industrie ernsthaft mit diesen Aspekten beschäftigt und auch die regulatorischen Anforderungen wachsen — Stichwort Green Deal. Wir stehen hier also gerade erst am Anfang und gehen von einer dynamischen Entwicklung aus. Als Software-Partner der Chemieindustrie möchten wir diese Entwicklung aktiv mitgestalten. 

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Zur Person

Daniel Bochnitschek hat an der Technischen Universität Ilmenau Medienwissenschaft studiert und ein MBA-Studium in Mannheim und Bangalore, Indien, absolviert. Seinen Berufseinstieg hatte er 2009 bei der Unternehmensberatung Nolte & Lauth. Von 2013 bis Anfang 2021 war er als Berater für 3con Management Consultants mit Branchenschwerpunkt auf der Chemie­industrie tätig. Im Mai 2020 hat er gemeinsam mit Georgi Tadeus, Daniel Kirchner und Nico Lauter sowie 3con Management Consultants das Cleantech-Start-up AllocNow gegründet, dessen Geschäftsführer er ist.

 

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Transparenz schafft Anreize

Viele Chemieunternehmen verpflichten sich zu mehr Nachhaltigkeit. Manche setzen sich sogar an die Spitze der Transformation hin zur Circular Economy. Um diesen Wandel gezielt steuern zu können, sind solide Daten zur Umweltauswirkung von Produkten unerlässlich. AllocNow bietet eine skalierbare Softwarelösung, die speziell für die komplexen Wertschöpfungsketten der chemischen Industrie konzipiert ist und Unternehmen bei der Berechnung, Validierung und Kommunikation von Nachhaltigkeitseigenschaften von chemischen Produkten unterstützt. 

Skalierbar heißt zum einen, dass die Berechnung für jedes einzelne Produkt und Intermediat eines Unternehmens möglich ist — schneller, einfacher und deutlich günstiger als mit konventionellen Ansätzen. Zum anderen heißt skalierbar, dass die Software die wichtigen Informationen diversen Anspruchsgruppen im Unternehmen zugänglich und verständlich macht. So unterstützt AllocNow seine Kunden darin, Nachhaltigkeit zum integralen Bestandteil ihres Wertversprechens zu machen.

Die Software automatisiert die Berechnung auf Basis von Primärdaten der Kunden. Sie vereinfacht die Erhebung von Emissionsdaten und dient dabei als zentrale Datenbank für das Füllen von Datenlücken. So können mehrere Mitarbeitende eines Unternehmens über verschiedene Standorte hinweg helfen, die Datenbasis kontinuierlich zu verbessern. 

Die Methodik zur Berechnung orientiert sich an den etablierten Standards der Ökobilanzierung und dem Greenhouse Gas Protocol. Das Start-up ist spezialisiert auf die Chemie- und Prozessindustrie und deshalb in der Lage, Lösungen für die spezifischen Herausforderungen und die Komplexität dieser Branche zu liefern.

AllocNow unterstützt seine Kunden bei der erforderlichen Datenintegration und der Implementierung. Die flexible Cloud-Lösung lässt sich an die kundenspezifische IT-Landschaft anpassen und berücksichtigt die hohen Sicherheitsanforderungen für den Umgang mit sensiblen Daten. Lizenznehmer profitieren von regelmäßigen methodischen und technischen Updates.

AllocNow GmbH, Bonn

 

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Wertversprechen & Meilensteine

AllocNow ist ein 2021 gegründetes Cleantech-Start-up, das den Fokus auf die chemische Industrie legt. Die Software ermöglicht Unternehmen, die Umweltauswirkungen ihrer Produkte automatisiert zu berechnen, verständlich zu kommunizieren und gezielt zu reduzieren. Dies bietet eine Grundlage für wichtige Entscheidungen zur Verwirklichung von Nachhaltigkeitsstrategien. 

Mitgründer und CEO Daniel Bochnitschek erläutert die Motivation: „Die Themen Klimaschutz und Circular Economy sind in der Chemieindustrie allgegenwärtig. Und das mit Recht, schließlich kann die Chemie dazu einen sehr großen Beitrag leisten. Diese Themen sind uns auch persönlich ein Anliegen, denn es geht um nichts weniger als unsere Zukunft.“ 
So entstand AllocNow. Das interdisziplinäre Gründungsteam aus Naturwissenschaftlern, Ingenieuren und Wirtschaftswissenschaftlern greift auf umfassende Projekterfahrung in der chemischen Industrie zurück. Die Gründer hatten zuvor große wie mittlere Unternehmen der Branche bei strategischen und operativen Veränderungs- und Digitalisierungsprojekten begleitet. Schwerpunkte waren dabei Supply Chain Management und die Steuerung von Wertschöpfungsketten. 

Diese Erfahrung floss in die Entwicklung der robusten, auf ERP-Daten basierenden Softwarelösung zur Berechnung von Nachhaltigkeitskennzahlen für Produkte ein. Seit dem vergangenen Jahr besteht eine Kooperation mit BASF. AllocNow nutzt die ISO-konforme Methodik zur Berechnung von Product Carbon Footprints (PCF) des Ludwigshafener Chemiekonzerns und stellt diese auch anderen Unternehmen der Branche zur Verfügung.

Meilensteine
 

2020

  • Entwicklung des ersten Prototyps zur Allokation bei Multi-Output-Prozessen
  • Ansprache potenzieller Kunden und iterative Konzeptentwicklung

2021

  • Gründung gemeinsam mit 3con Management Consultants
  • Entwicklung der ersten Produktversion
  • Aufbau von Partnernetzwerk und Team
  • Partnerschaftsvereinbarung mit BASF

Roadmap

  • Entwicklung neuer Features und Funktionalitäten
  • Ausbau des SaaS-Angebots
  • Vergrößerung des Teams in den Bereichen Entwicklung und Projekt-/Accountmanagement

Kontakt

AllocNow GmbH

Friedrich-Ebert-Str. 17
53177 Bonn
Deutschland

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