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Studie misst die unternehmerischen Fähigkeiten einer Organisation

04.05.2016 -

Die Fähigkeit, unternehmerisch zu agieren, ist substanziell für die Überlebensfähigkeit einer Organisation. Dies spiegelt sich im Unternehmensalltag u.a. in der Effizienz der Organisation, in ihrer Flexibilität auf Veränderungen reagieren zu können oder ihrer Innovationsfähigkeit wider. Eine Studie, die von der Kölner Unternehmensberatung Compreneur in Kooperation mit der Hochschule für Wirtschaft und Logistik in Hamm aufgesetzt wurde, hat es sich zum Ziel gesetzt, die unternehmerischen Fähigkeiten von Organisationen zu messen, zu bewerten und Ansätze zur Verbesserung zu finden.

Grundlage der Studie bilden die Prinzipien des Effectuation-Ansatzes, der vor etwa zehn Jahren in den USA, an der University of Virginia, im Bereich der Entrepreneurship-Forschung entwickelt wurde und nun in der Praxis auch in Deutschland als moderne Managementmethode Einzug erhält. Dieser Ansatz beschreibt eine von erfolgreichen Serien-Unternehmern eingesetzte Vorgehensweise zur Lösung von Problemen und zur Entscheidungsfindung. Dadurch ist es erstmals  möglich, die Ausprägung der Effectuation-Prinzipien, das unternehmerische Denken und Handeln, in einer Organisation zu bewerten. Die befragten Unternehmen bekommen direkte Hinweise, wo konkret Handlungsbedarf besteht, um ihre Organisation zukunftsfähig aufstellen zu können.

Kontrolle abgeben

Erste Ergebnisse der groß angelegten Studie zeigen ein tendenziell gut ausgeprägtes unternehmerisches Denken und Handeln. Die befragten Unternehmen aus dem Bereich Chemie lagen dabei mit 45% etwas über dem Durchschnitt. Die Ausprägung des unternehmerischen Denkens und Handelns ist unabhängig von Unternehmensgröße und -alter. Bei der Beurteilung der eigenen Organisation gibt es ein starkes Gefälle in der Wahrnehmung: Führungskräfte beurteilen das Unternehmen grundsätzlich besser als es die Mitarbeiter ohne Führungsverantwortung tun. Den befragten Unternehmen fällt es generell schwer, Kontrolle abzugeben und mehr Selbstorganisation und Impulse durch die Mitarbeiter zuzulassen. Gleichzeitig sind die meisten Unternehmen davon überzeugt, dass es wichtig ist, neue Wege zu gehen. Trotzdem setzen sie eher auf langfristige Vereinbarungen mit Partnern, statt Zufälle und unerwartete Umstände als Hebel zur Erreichung der Unternehmensziele zu nutzen.

Oft spiegelt sich eine unternehmerische Herangehensweise in den Strategien der Unternehmen wider, doch schon bei der Definition und dem Umgang mit dem Thema Unternehmensziele wird diese Herangehensweise durch starres Verhalten ad absurdum geführt. Unterdurchschnittlich ausgeprägt sind generell die Bereiche Unternehmenskultur und Führung, hier ist unternehmerisches Denken und Handeln nicht besonders ausgeprägt. Unternehmen können auf Basis der Studienergebnisse in vier Gruppen eingeteilt werden:  Performer, Pragmatiker, Theoretiker und Low-Performer.

Klassische Stereotypen

Fast die Hälfte der befragten Unternehmen (Chemie 45%) zeigen ein tendenziell gut ausgeprägtes unternehmerisches Denken und Handeln und können der Gruppe der Performer zugeordnet werden. Sie stechen dadurch heraus, dass beide Kategorien, die eher theoretischen und konzeptionellen Ansätze der Führungsebene als auch die praktische Umsetzung im operativen Bereich, gut ausgeprägt sind. Es herrscht ein Gleichgewicht zwischen Rahmenbedingungen und praktischer Umsetzung. Besondere Stärke der Performer ist es, bewusst neue Wege einzuschlagen, sich gezielt gut zu vernetzen. Bei der Umsetzung wird nicht nur individuelles gefördert, es werden vor allem klare Verantwortlichkeiten für Projekt und Aufgaben definiert.

Schwachpunkte der Pragmatiker liegen klar in den langfristigen Ansätzen der Strategie sowie der Steuerung. Nur 5% der befragten Chemieunternehmen sind den Pragmatikern zuzuordnen. Die Pragmatiker erzielen ihre Erfolge mit überdurchschnittlichen Ergebnissen in Bereichen der Unternehmenskultur und Führung. Zwar fehlen hier oft organisatorische Rahmenbedingungen, ausschlaggebend sind aber die interessierten und im Handeln selbstständig agierenden Mitarbeiter. Ihre eigene Arbeitsorganisation ist anpassungsfähig und Teams setzen sich eher eigenständig für Projekte und Aufgaben zusammen, statt nach starren Mustern zu funktionieren. Auch hier werden neue Wege angestrebt. Dabei haben die Mitarbeiter die Möglichkeit Vorgehensweisen weiterzuentwickeln. Eine ausgewiesene Fehlerkultur erlaubt das Lernen durch Fehler und somit auch unerfahrenen Mitarbeiter, Verantwortung zu übernehmen.

Die Theoretiker sind zwar strategisch besonders gut aufgestellt, d.h. sie wissen wie es funktionieren sollte, haben aber Schwächen in der praktischen Umsetzung ihrer eigenen Vorgaben. Etwa 15% der befragten Chemiefirmen gehören diesem Kreis an. Überdurchschnittlich gute Ergebnisse erzielen diese Unternehmen in den Bereichen langfristiger Strategien, partnerschaftlichen Geschäftsbeziehungen und einer vorausschauenden Marktbetrachtung. Sie sind eher risikoscheu und konzentrieren sich auf Mittel, die ihnen zur Verfügung stehen. Starke Optimierungspotentiale ergeben sich für diese Gruppe bei der Unternehmenskultur und der damit für ein unternehmerisches Handeln entscheidende Selbstständigkeit der Mitarbeiter. Die Ursachen hierfür liegen zum Teil in einer unterdurchschnittlich ausgeprägten Führungsstärke begründet. Den Mitarbeitern wird wenig Spielraum bei der Umsetzung ihrer Aufgaben oder der Erkundung neuer Felder gelassen.

Die Low-Performer – rund ein Drittel der befragten Unternehmen – sind in allen Bereichen unterhalb der Durchschnittsergebnisse geblieben. Besondere Schwächen weisen sie bei der zielorientierten Führung und der klaren Zuordnung von Verantwortlichkeiten aus. Sie tun sich schwer, die (unternehmerischen) Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter richtig einzusetzen

Ergebnisse

Ein Unternehmer oder Entrepreneur, also ein Mensch, der eine Unternehmung planen kann, sie mit Erfolg initiiert und/oder sie selbstständig und verantwortlich mit Initiative leitet, wobei er persönliches Risiko übernimmt, ist in der Regel erfolgreich. Insbesondere, wenn er dieses Verhalten, diesen Erfolg, reproduzieren kann. Die oben geschilderten Stereotypen zeigen, dass die Erfolgsfaktoren in den Organisationen unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Für die Firmen bedeutet dies, dass sie die unternehmerischen Fähigkeiten ihrer Organisation messen können, um zu sehen, wie gut sie im Wettbewerb positioniert sind. Die Messung ist der erste Schritt zu einer strukturierten Weiterentwicklung, um mehr unternehmerisches Denken in ihrer Unternehmens-DNA zu verankern. Das bedeutet besser zu planen, erfolgreich zu initiieren, Dinge verantwortlich zu leiten und auch mal (persönliches) Risiko zu übernehmen. Eine solche Organisation ist in der Regel erfolgreich.