Chemie & Life Sciences

Wie der Kunststoffkreislauf reformiert werden kann

Themenreport analysiert, woran der Kunststoffkreislauf aktuell scheitert und liefert Lösungsansätze

26.01.2021 - Der Markt für recycelten Kunststoff ist kaputt – so fasst der Report des Aktionsprogramms „Polyproblem“ die Lage beim Thema Plastik-Wiederverwertung zusammen.

Die Studie der Röchling Stiftung und des Beratungshauses Wider Sense, in Kooperation mit Cirplus, analysiert, woran der Kunststoffkreislauf aktuell scheitert und liefert Lösungsansätze für Politik und Industrie.

„Knapp 400 Mio. t Kunststoff werden derzeit pro Jahr weltweit produziert. Doch nicht einmal 10 % davon bestehen aus wiederverwertetem Material. Von einem funktionierenden Wertstoffkreislauf sind wir weit entfernt“, sagt Uwe Amrhein, Stiftungsmanager der Röchling Stiftung. „Wir haben uns gefragt: Warum schaffen Wirtschaft und Politik es nicht, den Einsatz von Kunststoffrezyklaten in Produkten zu erhöhen? Warum kommen Angebot und Nachfrage offensichtlich nicht zusammen?“ Antworten darauf gibt der neue Polyproblem-Report mit dem Titel: „Wertsachen. Warum der Markt für recycelten Kunststoff nicht rund läuft … und wie sich das ändern könnte.“

Rezyklat: noch zu teuer, noch zu wenig zu bekommen

Eines von zahlreichen Problemen bei recyceltem Kunststoff: der Preis. So sieht es auch Christian Schiller, Gründer & Geschäftsführer von Cirplus, einem digitalen Marktplatz für Kunststoffrezyklate, und Kooperationspartner des neuen Polyproblem-Reports. „Jedes Jahr enden 15 Mio. t Abfall in den Weltmeeren – von einem Wertstoff, der in der Herstellung Milliarden an Wertschöpfung hervorgebracht hat. Das zeigt: Kunststoff ist am Ende seines ersten Gebrauchszyklus offensichtlich nicht wertvoll genug, als dass er eine erneute Verwendung findet“, verdeutlicht Christian Schiller, Redaktionsmitglied des Themenreports und einer von insgesamt acht Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft, die im Report mit Gastbeiträgen zu Wort kommen.

Dass neu produzierter Kunststoff im Einkauf zwischen 20 und 30 % günstiger sei als ein Rezyklat vergleichbarer Qualität, das verwundere zwar viele Verbraucher, sei aber trotz großer gesellschaftlicher Debatte um das Plastikproblem nach wie vor Realität. Der Grund dafür? „Grob gesprochen hat die industrielle Herstellung von Neuware rund 40 Jahre Vorsprung gegenüber dem Kunststoffrecycling“, ergänzt Schiller. „Wenn Vorstände trotzdem den Willen bekunden, die Zirkularität ihrer Kunststoffprodukte zu verbessern, stellen ihre Chefeinkäufer verwundert fest: Obwohl man bereit ist, 20 bis 30 % mehr für Rezyklate zu zahlen, fehlt es oft schlicht an Mengen und Qualitäten, um die Nachfrage selbst eines mittelgroßen Markenartiklers zu bedienen.“

Industrie muss sich an Innovationskosten beteiligen
Während die Recycler den Preisnachteil von Rezyklaten gegenüber Neuware und fehlende Skaleneffekte beklagen, fordert die anwendende Industrie einen Innovationsschub, um die Qualität und die Menge hochwertiger Kunststoffrezyklate zu steigern. Das stellt im Report u. a. Gabriele Hässig fest, Geschäftsführerin für Kommunikation und Nachhaltigkeit bei Procter & Gamble. Würde man die Sortierbarkeit der gesammelten Plastikabfälle durch neue technische Verfahren verbessern und damit die verwertbare Menge deutlich steigern, würden sich auch positive Skaleneffekte bei den Recyclingunternehmen einstellen. Das könnte den Kostennachteil von Rezyklaten gegenüber Virgin-Ware zumindest teilweise ausgleichen.

Um einen solchen Innovationsschub zu finanzieren, müssten zukünftige Abgaben auf die Verwendung von Neuware gezielt in eine Verbesserung der Recyclingsysteme und den Aufbau eines transparenten Marktes gelenkt werden, empfehlen die Autoren der Studie.

Ein weiterer Schlüssel zu einem deutlich höheren Anteil von Rezyklaten in der Kunststoffproduktion wären verbesserte Standards und Normen, die den Verarbeitern und Produzenten verlässliche Informationen über Materialeigenschaften liefern. Darauf weisen Hans Josef Endres und Madina Shamsuyeva von der Leibniz Universität Hannover im Report hin.

„Das Ziel ist doch klar: ein funktionierendes Recyclingsystem mit einem fairen und transparenten Markt für kreislauffähige Materialien. Strittig ist jedoch der Weg dorthin. Im Report lassen wir unterschiedliche Markt-Akteure und Sichtweisen zu Wort kommen und zeigen wie Lösungen aussehen können“, fasst Michael Alberg-Seberich, Geschäftsführer von Wider Sense, dem zweiten Partner von Polyproblem zusammen. „Wir werfen da schon einen visionären Blick in die Zukunft der Circular Society, damit Altplastik in Zukunft als das angesehen wird, was es ist – eine Wertsache, die man nicht wegwirft“, ergänzt Stiftungsmanager Amrhein.

Der Polyproblem-Report steht zum Herunterladen auf polyproblem.org sowie auf roechling-stiftung.de und widersense.org zur Verfügung.

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