Logistik & Supply Chain

Corona Pandemie erfordert Neuausrichtung der Pharma Supply Chain

Entwicklung und Einführung bedeutender Zukunftstechnologien und Strategien wird beschleunigt

15.07.2020 - Die Coronakrise zeigt Schwachstellen und Auswirkungen in der Pharma Supply Chain.

Die Corona-Pandemie hat die gesamte Welt im Februar / März 2020 vollkommen unerwartet getroffen. Es ist zurzeit unklar, wie lange wir mit Covid-19 leben müssen und wie gravierend die Auswirkungen sein werden. Die Krise hat Schwachstellen in der Supply Chain schonungslos aufgezeigt, sie ermöglicht aber auch die beschleunigte Entwicklung und Einführung bedeutender Zukunftstechnologien und Strategien!

Der Fokus des Infektionsgeschehens wandert von Kontinent zu Kontinent, von Asien über Europa nach Nord- und Südamerika, jetzt auch wieder nach Asien (Indien).

Aktuelles Umfeld: erste Erkenntnisse
Länder, die schnell strenge Lockdown-Maßnahmen eingeführt haben und die über stabile Gesundheitssysteme verfügen, sind generell besser durch die erste Phase der Pandemie gekommen.
Die relativ zu anderen Sektoren hohen Bestände in der Pharma­industrie (180-220 Tage über die gesamte Supply Chain gerechnet) sind zwar in normalen Zeiten ein Kostenfaktor, haben sich in dieser Krise jedoch als effektiver Risikopuffer erwiesen. Trotzdem kommt es in einigen Bereichen zu erheblichen Engpässen, insbesondere bei allen mit Corona in Verbindung stehenden Produkten wie: Mund-Nasenschutz FFP2, Desinfektionsmittel, Schutzbekleidung im klinisch-medizinischen Bereich, Viren und Antikörper Tests.
Die Abhängigkeit von China in Bezug auf die Herstellung der API-Wirkstoffe sowie der enthaltenen Chemikalien, ebenso der Schutz­ausrüstungen und Viren-­Tests – oder von Indien in Bezug auf Generika – sollten ein Weckruf sein, die Pharma Supply Chain neu auszurichten und eine bessere Gewichtung der Produktion in Asien, Europa und den USA herzustellen.

Zukünftige Entwicklungen: Erwartungen
Die Experten diskutieren derzeit drei mögliche Szenarien: Im besten Fall halten sich die neuen Infektionen in Grenzen, und infizierte Personen werden relativ schnell identifiziert und in Quarantäne genommen. Im schlechtesten Fall steigt die Zahl der Infektionen stark an, infizierte Personen können nicht rechtzeitig identifiziert werden, und ein neuer Lockdown ist unabdingbar.

Der wahrscheinlichste Fall ist jedoch, dass sich eine gewisse Balance ausbilden wird zwischen neuen Infektionen, Quarantäne und wieder Genesenen. Dieser Zustand würde weitere Lockerungen über einen langen Zeitraum nicht zulassen, solange bis ein wirksamer Impfstoff verfügbar ist.
Für die Pharma Supply Chain gilt es, alle drei Szenarien zu analysieren und entsprechende Vorbereitungen zu treffen. Es ist auch denkbar, dass je nach Land / Kontinent verschiedene Situationen auftreten. Die große offene Frage: Kommt es zu einer zweiten Coronawelle?

Handlungsbedarf: kurz- und mittelfristig
Beschaffung: Bei allen Produkten und Komponenten, selbst bei Chemikalien, bei Schutzausrüstungen ist konsequent auf „Multiple Sourc­ing“ zu achten. Hierbei sollten verschiedene Regionen berücksichtigt werden, insbesondere auch Europa und die DACH-Region. Dies bedeutet eine Steigerung der Produktion in Europa und eine Reduzierung der Lieferungen aus Asien, Nord- und Südamerika. Transparenz von Tier-1- und Tier-2-Lieferanten ist wichtig, unter Umständen ist auch der Aufbau von Lieferanten, eventuell auch eine Zusammenarbeit mit Konkurrenten sinnvoll.

Bestände: Im Allgemeinen verfügt die Pharma Supply Chain über komfortable Sicherheitsbestände bei Fertigprodukten. Weniger Beachtung fanden bisher kritische Vorprodukte und Wirkstoffe. Auch bei den Beständen ist eine durchgehende Transparenz erforderlich, unter Einbeziehung von Lieferanten, Produktions- und Vertriebspartnern.

„Pandemie könnte einen Katalysator für die Pharma Supply Chain Digitalisierung darstellen.“

Produktions- und Distributionskapazitäten: In der Produktion und Distribution besteht Handlungsbedarf in der Optimierung der vorhandenen Kapazitäten unter Berücksichtigung von alternativen Quellen und Distributionskanälen. Im Einzelfall ist zu entscheiden, ob eher zentrale oder dezentrale, eigene oder fremde Kapazitäten zu nutzen sind. Auf jeden Fall sollte die Supply Chain für die erfolgreiche Einführung eines zukünftigen Impfstoffes gegen Covid-19 vorbereitet werden.

Flexibilität und Zusammenarbeit mit Supply-Chain-Partnern: Gerade in Zeiten von Unsicherheit ist Flexibilität eine kritische Größe. Die enge Kommunikation mit Lieferanten, Dienstleistern und Vertriebspartnern ist unbedingt erforderlich. Bestimmte Szenarien bezüglich Entwicklung der Nachfrage und der erforderlichen Kapazitäten sind gemeinsam zu vereinbaren. Personal kann ebenfalls zu einem kritischen Faktor werden: Lockdown, Kurzarbeit, Quarantäne. Dies erfordert je nach Situation ein hohes Maß an Flexibilität.
Risikomanagement: Entsprechend den oben skizzierten Szenarien sind Stresstests für folgende Covid-19-Situationen durchzuführen:

Kurz- bis mittelfristige Eindämmung der Virusinfektion
Mittelfristige weitere Ausbreitung, wahrscheinlich mit regionalen Schwerpunkten über einen längeren Zeitraum
Mittelfristige Möglichkeit einer heftigen zweiten Welle von Infektionen (Annahme Herbst 2020, Frühjahr 2021)

Corona-Pandemie als Katalysator für Digitalisierung
Viele Veränderungen, die sonst möglicherweise Jahre an Diskussion und Vorbereitung benötigt hätten, wurden nun in der Krise sehr schnell umgesetzt. Denkt man an die Umstellung auf Homeoffice und Videokonferenzen, Lieferservice, bargeldloses Bezahlen, tägliches Reporting der wichtigsten Corona-Parameter und die Einführung der Corona App auf dem Smartphone – dies wurde alles und noch einiges mehr in drei Monaten umgesetzt!
Für die Digitalisierung der Pharma Supply Chain könnte die Pandemie einen Katalysator darstellen, der die Einführung erst möglich macht, aber auch erheblich beschleunigt. Eine erste Vision der Pharma Supply Chain der Zukunft nach erfolgter Digitalisierung könnte folgende Merkmale aufweisen:

Integration aller Supply-Chain-Partner

  • Basierend auf einem durchgängigen Daten-Set (über Cloud gemeinsam genutzt)
  • Analytik und Erhöhung der Selbstlernfähigkeiten (KI)
  • Erreichen einer neuen Qualität von Prognosen
  • Intelligente Produktionsanlagen
  • Robotik und Automatisierung für einen 24/7-Betrieb
  • Produktionschargen, die ihren Weg durch die Anlage selbst optimieren
  • Echtzeit-Control-Towers beaufsichtigen und überwachen Prozesse

Leistungsstarke Distributionsnetze

  • Basierend auf Big-Data-Analyse und KI
  • Kontinuierliche Optimierung der Netzwerke im Hinblick auf Engpass-Vermeidung, Unterbrechungen und Erzielung optimaler
  • Supply-Chain-Kosten

Risikomanagement und Transparenz

  • Simulation verschiedener Szenarien (KI)
  • Anpassung von Beständen und Kapazitäten

Die Covid-19-Pandemie ist zugleich eine ernste Herausforderung aber auch eine Chance, die Pharma ­Supply Chain auf dem Weg der Digitalisierung schnell voranzubringen.

Der vollständige Ergebnisbericht der Miebach Pharma Supply Chain Studie 2020 kann bei Ralf Hoffmann, Miebach Consulting angefordert werden: hoffmann@miebach.com

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