Logistik & Supply Chain

Infraserv Logistics setzt auf Intelligente Logistiklösungen

Interview mit Andreas Brockmeyer, Geschäftsführer der Infraserv Logistics

14.04.2021 - Ein Logistikdienstleister an einem Industriestandort der Chemie- und Pharmabranche muss in vielerlei Hinsicht vorausschauend agieren. Neben allgemeinen Marktentwicklungen und Veränderungen bei den Kunden gehören auch die gesetzgeberischen und regulatorischen Rahmenbedingungen zu den Themen, die Logistikdienstleister kontinuierlich im Fokus haben.

Hinzu kommen die mit der Digitalisierung verbundenen Möglichkeiten und Nachhaltigkeitsaspekte. Sonja Andres befragte den Geschäftsführer der Infraserv Logistics, Andreas Brockmeyer, zu seinen Zielen und Projekten im ersten Jahr seiner Tätigkeit in dieser Position.

CHEManager: Herr Brockmeyer, knapp ein Jahr sind Sie nun in Führungsverantwortung bei In­fraserv Logistics. Was hat sich in dieser Zeitspanne in Bezug auf die Logistik am stärksten bewegt beziehungsweise verändert?

Andreas Brockmeyer: Ich habe nach meinem Wechsel in die Geschäftsführung der Infraserv Logistics, die ich durch meine langjährige Tätigkeit in verschiedenen Leitungspositionen der Infraserv Höchst-Gruppe natürlich schon sehr gut kannte, viele Gespräche mit Kunden und Partner­unternehmen geführt.

Gefragt sind vor allem Value Added Services und integrierte, intelligente Logistikgesamtlösungen. Das ist für uns keine neue Erkenntnis: Infraserv Logistics hat das eigene Leistungsportfolio schon lange darauf ausgerichtet, die Kunden mit intelligenten Lösungen entlang der Supply Chain optimal zu unterstützen und neben Lagermöglichkeiten mit dem Schwerpunkt auf Gefahrstoffe, Pharma- und Health Care-Produkte auch umfassende Beratungsleistungen anzubieten.

Ein wichtiges Thema für die Kunden ist die Komplexitätsreduzierung. Indem wir als Logistik-Dienstleister durch softwaregestützte Lösungen die Zahl der Schnittstellen zum Kunden verringern und erweiterte Teilprozesse übernehmen können, bieten wir den Kunden erhebliche Optimierungspotenziale. Unsere Digitalisierungsstrategie ist darauf ausgerichtet, die komplexen Logistikprozesse optimal zu steuern und ein Maximum an Transparenz zu bieten, um Kunden auf diese Weise bestmöglich zu unterstützen.

Ein weiteres wichtiges Thema ist der zunehmende Bedarf an Lagerflächen für Gefahrgut. Wir sind sehr froh, dass wir in diesen Tagen mit dem Bau eines neuen Gefahrstofflagers im Industriepark Höchst starten, das rund 21.500 Paletten­lagerplätze bieten wird.

Welche Themen haben abgesehen von der Coronaproblematik im operativen Geschäft zurzeit hohe Priorität in der Logistik für die Chemie- und Pharmaindustrie?

A. Brockmeyer: Neben der bereits angesprochen Komplexitätsreduzierung bei den Logistikprozessen ist die Resilienz der Supply Chain für viele Unternehmen ein enorm wichtiges Thema. Hier spielt die Coronapandemie natürlich eine Rolle, denn durch die Situation des vergangenen Jahres hat sich gezeigt, wo es Schwachstellen in Lieferketten geben kann. Deshalb gilt: Verbrauchsnahe Beschaffung und ortsnahe Lagerung können wichtige Erfolgsfaktoren für produzierende Unternehmen sein.

Gleichzeitig gilt natürlich nach wie vor, dass eine kontinuierliche Bestandsoptimierung zum Tagesgeschäft gehören muss, um die Kapitalbindung zu reduzieren. Da ist eine enge, prozessoptimierte Zusammenarbeit mit einem professionellen und zuverlässigen Logistikdienstleister von enormer Bedeutung.

Welchen Stellenwert nimmt die bereits angesprochene Digitalisierung hierbei ein? Sind in Ihrem Geschäftsfeld in diesem Kontext konkrete Projekte in der Planung oder Umsetzung?

A. Brockmeyer: Wir haben bei Infraserv Logistics in den vergangenen Jahren schon viele Digitalisierungsprojekte vorangetrieben und erfolgreich umgesetzt. Da wir im Indus­triepark Höchst, einem Standort mit rund 90 Unternehmen, Logistikpartner für viele Kunden sind, ergeben sich hier auch erhebliche Effizienzsteigerungspotenziale. So haben wir beispielsweise eine intelligente Zulaufsteuerung umgesetzt, durch die Prozesse bei Kontroll- und Wiegevorgängen sowie der Be- und Entladung an den einzelnen Ladestellen optimiert und Durchlaufzeiten deutlich verkürzt werden konnten.

Aktuell überarbeiten wir unsere Systemarchitektur mit dem Ziel einer tieferen Systemintegration. Das bedeutet, dass wir die Schnittstellen mit unterschiedlichen Kundensystemen noch besser, schneller und unkomplizierter gestalten werden, weil auch hier noch erhebliche Effizienzsteigerungspotenziale stecken. In diesem Zusammenhang führen wir eine intelligente Lagerverwaltungssoftware und ein prozessorientiertes Dispositionssystem ein. Ganz wichtig ist es dabei, nach Möglichkeit Systembrüche zu vermeiden und Apps einzusetzen, die einfach und flexibel zu bedienen sind.

Um bei aktuellen Themen zu bleiben: Gerade die Logistik hat großes Potenzial, ihre Prozesse nachhaltig zu gestalten. Welche Ziele hat sich Infraserv Logistics hier gesteckt?

A. Brockmeyer: Nachhaltigkeit ist als Teil der Unternehmenskultur und in allen Organisationseinheiten der Infraserv-Höchst-Gruppe fest verankert. Als Standortbetreiber gewährleistet Infraserv Höchst eine hocheffiziente und ressourcenschonende Energieversorgung der Unternehmen im Industriepark Höchst, so dass auch wir als Infraserv Logistics unsere Anlagen im Hinblick auf den Energieverbrauch sehr nachhaltig betreiben können.

Aktuell investiert Infraserv Höchst in moderne Gasturbinenanlagen, mit deren Inbetriebnahme im kommenden Jahr der Kohleausstieg am Standort realisiert werden kann. Doch Nachhaltigkeit hat viele Aspekte. Allein durch die optimalen Verkehrsanbindungen des Indus­trieparks Höchst und die Möglichkeit, große Transportkapazitäten auf umweltfreundliche Verkehrs­träger wie das Binnenschiff oder die Schiene zu verlagern, leisten wir einen Beitrag zur Reduzierung von verkehrsbedingten CO2-Emissionen und bieten eine direkte Verbindung zum Kunden.

Und natürlich rüsten wir unsere eigene Fahrzeugflotte, von den Loks im Werkbahnbetrieb über die Lkw bis hin zu Staplern, kontinuierlich um mit dem Ziel, energieeffiziente und umweltfreundliche Technologien einzusetzen. So haben wir im vergangenen Jahr zwei neue, energieeffiziente Loks angeschafft. Darüber hinaus ist Nachhaltigkeit ein Awareness-Thema. Daher werden alle unsere Mitarbeiter kontinuierlich geschult, um auch das Bewusstsein für nachhaltiges Verhalten im Arbeitsumfeld zu schärfen.

Im Übrigen entwickelt sich der Industriepark Höchst auch zu einem Innovationshub in Bezug auf die Wasserstofftechnologie. So errichtet Infraserv Höchst derzeit eine Tankstelle für Brennstoffzellentriebwagen, die vom Rhein-Main-Verkehrsverbund im Personennahverkehr eingesetzt werden.

Sie hatten es eingangs bereits kurz angesprochen: Wie beurteilen Sie die generelle Lagersituation für Chemikalien beziehungsweise speziell für Gefahrstoffe im Rhein-Main-Raum?

A. Brockmeyer: Der Bedarf an geeigneten Lagerflächen ist groß, insbesondere für die Lagerung von brennbaren und leicht entzündlichen Flüssigkeiten. Daher haben wir in Erweiterung des bestehenden Lagerangebots, das wir in den Industrieparks in Höchst, Frankfurt-Fechenheim und Gersthofen haben, den Bau eines neuen Gefahrstofflagers im Industriepark Höchst in Angriff genommen, das wir im kommenden Jahr in Betrieb nehmen werden. Auf einer Grundfläche von 16.500 m² können wir 21.500 Palettenlagerplätze anbieten.

Der topmoderne Neubau wird höchsten Sicherheitsstandards gerecht werden und mit einem neuen Lagerverwaltungsprogramm einen hocheffizienten und wirtschaftlicheren Betrieb ermöglichen. Der Neubau ist in neun Brandabschnitte unterteilt, von denen vier speziell für temperaturgeführte Lagerung von Chemie-, Pharma- und Health Care Produkten vorgesehen sind. Hier können zukünftig Gefahrstoffe oder auch pharmazeutische Produkte im Temperaturbereich von 2 bis 8 °C beziehungsweise im Bereich zwischen 15 und 25 °C gelagert werden. Wie bei den bestehenden Gefahrstofflagern im Industriepark Höchst erstreckt sich auch die Genehmigung für den Neubau auf ein breites Spektrum von Gefahrstoffen wie den Lagerklassen 2 bis 6, 8 bis 13 sowie den Wassergefährdungsklassen WGK 1 bis 3.

 

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