Chemie & Life Sciences

Kompetenz und Erfahrung bei der Planung und Abwicklung von Anlagenbauprojekten

Interview mit TTP-Geschäftsführer Andreas Bonhoff

16.09.2020 - Maßgeschneiderte Unikate - Die Planung und Abwicklung von Anlagenbauprojekten erfordern Kompetenz und Erfahrung

Im Frühjahr 2019 hat TTP den Erwerb von vier Gesellschaften der dänischen NNE abgeschlossen. Damit vereint die Gruppe mit Sitz in Rosenheim nun die Traditionsmarken Pharmaplan und Triplan und bietet mit mehr als 20 Standorten in fünf Ländern Consulting- und Engineering-Dienstleistungen für die Prozess­industrie an.

Als Generalunternehmer übernimmt TTP bei Anlagenbauprojekten nicht nur die Planung und Überwachung (Engineering, Procurement, Construction & Management, kurz: EPCM), sondern unterstützt die Auftraggeber zudem mit Qualifizierungs- und Validierungsleistungen. Im CHEManager-Interview erläutert Geschäftsführer Andreas Bonhoff die neue Positionierung und Strategie der TTP Group. Die Fragen stellte Michael Reubold.

CHEManager: Herr Bonhoff, wie haben Sie NNE in die TTP Group integriert und was waren die ersten Schritte nach dem Abschluss der Akquisition?


Andreas Bonhoff: Zunächst haben wir den NNE-Gesellschaften ihren seit 40 Jahren im Markt bekannten Namen Pharmaplan zurückgegeben. Damit unterstreichen wir die Eigenständigkeit der Marken in Bezug auf den Marktauftritt. Triplan und Pharmaplan sind zwei sehr starke Marken, die über Jahrzehnte in der Industrie aktiv sind und über eine ausgezeichnete Reputation verfügen.

Eckpunkte der Integration waren die Einführung einer einheitlichen Führungsorganisation, einer einheitlichen Personalpolitik, einer einheitlichen Finanz- und Risikosteuerung sowie einer einheitlichen Marketingstrategie. Einen besonderen Schwerpunkt bei der Integra­tion haben wir auf die die Etablierung von gruppenweiten Themenplattformen gelegt. In sogenannten „Communities of Interest“ fördern und fordern wir den Austausch von Fach- und Prozess-Know-how über die gesamte Gruppe.

Welche Strategie lag der Akquisition zugrunde?

A. Bonhoff:
Die Akquisition der vier NNE-Gesellschaften in Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Belgien war ein zentraler Schritt zur Umsetzung der Wachstumsstrategie der TTP Group. Aufbauend auf der Kompetenz der Triplan als Engineering-Dienstleister für die chemische und petrochemische Industrie war es unser Ziel, das Portfolio der TTP Group auf die pharmazeutische Industrie zu erweitern. Darüber hinaus liegt der Schwerpunkt der damaligen NNE-Gesellschaften im Engineering mit EPCMQV-Projekten; ein weiteres Wachstumsfeld der TTP Group.

„Es war unser Ziel, das Portfolio der TTP Group auf die pharmazeutische Industrie zu erweitern.“

- Andreas Bonhoff, Geschäftsführer von TTP


Wie setzt sich Ihr Portfolio heute zusammen?

A. Bonhoff:
Die TTP Group bietet heute Engineering-Dienstleistungen für die pharmazeutische, chemische und petrochemische Industrie. Unser regionaler Schwerpunkt in Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Belgien wird ergänzt von einer Off-Shore-Gesellschaft in ­Indien. Wir bieten auf der Projektseite alle Engineering-Dienstleistungen von ­Feasability Studies über Concep­tional Designs bis zu Detail Design, Qualifizierung und Validierung an. Darüber hinaus sind wir mit langfristigen Verträgen im produktionsnahen Engineering Support direkt bei unseren Kunden vor Ort tätig.

Und wo liegen die Kernkompetenzen und das Alleinstellungsmerkmal von TTP?

A. Bonhoff:
Generell gilt: Operative Kompetenzträger sind in den beiden Marken Triplan und Pharmaplan gebündelt.
Bei Pharmaplan sehe ich unsere Kernkompetenz im Pharma-Engineering – von der Machbarkeitsstudie, über die Generalplanung großer Projekte, bis hin zur permanenten Unterstützung vor Ort beim Pharmahersteller für kleinere Projekte wie etwa Optimierungen oder Wartungsvorbereitung.

Triplan ist auf den Gebieten Chemie Prozesstechnik und Mechanical Engineering ein etablierter lokaler Partner in der Vor-Ort-Rahmenvertragsarbeit und Planer in Konsortien zum Beispiel für Rohrleitungs- oder Laborplanung. Unser wesentlicher Wettbewerbsvorteil liegt in langjähriger Kundenbindung, ausgezeichnetem Anlagen-Know-how und hohem Qualitätsniveau.

Welche Trends bestimmen derzeit Ihre Geschäftsentwicklung in den Kundenindustrien Chemie und Life Sciences?

A. Bonhoff:
Der Pharmaindustrie geht es grundsätzlich gut. Es gibt einen anhaltenden Trend zur Auslagerung von Entwicklungs- und Herstellungskapazitäten an CDMOs. Mittelfristig sollten verstärkt Investitionen in die heimische europäische Produktion, insbesondere von Pharma­wirkstoffen, fließen.
Seit vielen Jahren sehen wir in der Pharmaindustrie den sich fortsetzenden Trend, Leistungen als EPCMV-Generalplaner anzufragen und zu vergeben. Und wir sehen zunehmendes Interesse für alternative Projektabwicklungskonzepte mit früher Einbindung von Ausführenden und Lieferanten.

In der Chemieindustrie sehen wir gewisse Abkühlungstendenzen aufgrund von Covid-19. Unsere Erwartung ist, dass Großinvestitionen wie etwa in Neuanlagen in näherer Zukunft rückläufig sein werden. Im Gegenzug wird die Nachfrage nach Engineering-Dienstleistungen bei produktionsnahen Projekten zumindest konstant bleiben.

Welches sind derzeit die stärksten Wachstumstreiber für Ihr Geschäft?

A. Bonhoff:
Wir sehen ein hohes Maß an Nachfrage nach einem spezialisierten Generalplaner, der im GMP-regulierten Umfeld alles aus einer Hand anbietet. Auch integrierte Planungs- und Überwachungsleistungen unter Einsatz eines hohen Grades von Digitalisierung – sowohl Manufacturing IT als auch Digital Engineering – werden nachgefragt.
Für die Schweiz gilt: Die Schweiz ist ein gefragter Life-Sciences-Standort, der weiter ausgebaut wird – die Vorteile sind Kompetenz, Innovation, Stabilität und die konkurrenzfähigen Kosten. TTP ist strategischer Partner fast aller namhafter Pharmaunternehmen in der Schweiz – sowohl bei Forschungs- als auch bei Produktionsanlagen. Die Agrochemie wird in näherer Zukunft insbesondere für Triplan ein Wachstumstreiber in der Schweiz.

Für Triplan Deutschland sind es kleinere und mittlere Projekte in regionaler Nähe zum Kunden. Weitere Treiber für unser Geschäft sind unsere gestärkte Kompetenz in der Abwicklung von kleineren EPCM Projekten, „EPCM-Light“ sozusagen, sowie auch Umweltschutzthemen in den Anlagen.

Welche Rolle spielt das Thema Digitalisierung für TTP und seine Kunden, welche digitalen Technologien bieten Sie an?

A. Bonhoff:
Digitalisierung ist für die TTP Group sowohl nach innen, als auch in Richtung Kunde von größter Bedeutung. Wir bieten diverse Leistungen sowohl im Bereich der Manufacturing IT & Automation als auch im Bereich Digital Engineering an. Diese reichen von Automation & IT Architecture Consulting bis zu klassischen Aufgaben der Automatisierung und von der integrierten Projektplanung und -überwachung bis zu interaktiven Trainings oder Mock-ups in Virtual & Augmented Reality. Unsere digitale Vision besteht darin, gemeinsam mit unseren Kunden den digitalen Zwilling zu entwickeln.

Wie beurteilen Sie dahingehend die Situation auf dem Arbeitsmarkt und wie organisieren Sie den Generationenwechsel von den Engineering Experts zu den Digital Natives?

A. Bonhoff:
Es gibt hier keinen Widerspruch zwischen Engineering-Experten und Digital Natives – die jungen Ingenieure sind gleichzeitig Experten der digitalen Projektabwicklung und kennen nur noch das. Dennoch: Wir benötigen durchaus auch den erfahrenen Generalisten, denn die Planung und Abwicklung von Anlagenbauprojekten, die ja stets maßgeschneiderte Unikate sind, erfordert viel Erfahrung. Das, gepaart mit der Nutzung von innovativen Methoden und modernen Werkzeugen, ist die optimale Kombination. Daher ersetzt bei Triplan zum Beispiel der Digital Native nicht den Engineering-Experten, sie ergänzen sich vielmehr.

Seit vielen Jahren nähern wir uns dem Thema Digitalisierung von zwei Seiten her, nämlich der Seite der Automatisierung der Herstellprozesse und der Seite des Digital Engineering. In beiden Bereichen ermöglichen wir Teams, neue Wege zu gehen und sich weiterzuentwickeln. Insgesamt schaffen wir damit eine Kultur mit hoher Kreativität und Freude.

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