News

Aus für Gaspipeline Nabucco - OMV schaut in die Röhre

27.06.2013 -

Das milliardenschwere Gaspipeline-Projekt Nabucco ist gescheitert. Das Gasförderkonsortium Shah Deniz wolle das Gas aus dem riesigen Vorkommen in Aserbaidschan nicht über die geplante Röhre Nabucco-West, sondern über das Konkurrenzprojekt TAP über Griechenland und Italien nach Europa pumpen, teilte der österreichische Energiekonzern OMV am Mittwoch mit. "Zunächst einmal ist das Projekt Nabucco für uns beendet", sagte OMV-Chef Gerhard Roiss auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Die Konkurrenzpipeline TAP soll nun ab 2019 10 Mrd. m3 Gas nach Europa pumpen - das ist etwa so viel wie der jährliche Gasbedarf Polens. Das würde den Kontinent unabhängiger von russischen Gaslieferungen machen.

Die Niederlage für Nabucco kam für viele überraschend. Lange Zeit wurde das anfangs von der EU unterstützte Prestige-Projekt als Gewinner gehandelt. In den vergangenen Monaten hatte die EU jedoch erklärt, keine besondere Präferenz für eine der beiden Röhren zu haben. Nun begrüßte sie die Entscheidung zugunsten von TAP. "Das bedeutet mehr Liquidität und Versorgungssicherheit", erklärte die EU-Kommission.

Bei den OMV-Aktionären kam die Entscheidung jedoch gut an - wohl weil sich der Konzern damit zunächst hohe Investitionen erspart: Die OMV-Aktie legte 2,1%.

Das Aus für Nabucco ist ein Rückschlag für die OMV, die die Pläne über Jahre vorantrieb und nun in die Röhre schaut. Grund für die Entscheidung seien höhere Gaspreise im rezessionsgeplagten Griechenland und Süditalien gewesen, sagte Roiss. IHS-Analyst Andrew Neff vermutet jedoch vor allem politische Motive hinter dem Zuschlag für TAP. Den in Aserbaidschan tätigen Gasförderfirmen - darunter BP, Statoil und die staatliche Socar - sei es wichtig gewesen, Russland nicht vor den Kopf zu stoßen: Das Land plant derzeit eine eigene Gaspipeline unter dem Namen South Stream, die über Osteuropa nach Österreich laufen soll - in unmittelbarer Konkurrenz zu Nabucco West. Die Entscheidung für TAP sei daher die "sicherere Variante" gewesen, sagte Neff.

Das Gas-Förderkonsortium schwieg sich am Mittwoch zu den Beweggründen aus - offiziell soll der Gewinner des jahrelangen Wettlaufs am Freitag bekanntgeben werden. TAP wollte sich nicht äußern.

Die OMV habe bislang rund 50 Mio. € in das Projekt investiert, sagte Roiss. Das Geld sei aber nicht verloren, denn die Planungen könnten für andere Pipeline-Projekte herangezogen werden. Daher sei auch keine Abschreibung nötig.

Der Bau von Nabucco West hätte laut Roiss zwischen 3,5 und 4 Mrd. € gekostet. Die Pipeline sollte in ihrer verkürzten Form von der türkisch-bulgarischen Grenze über den Balkan nach Österreich reichen. Ursprünglich sollte Nabucco durch die Türkei bis nach Aserbaidschan reichen. Das Vorhaben verschwand jedoch in der Schublade, nachdem die Gasförderfirmen angekündigt hatten, einen großen Teil der Reserven in die Türkei zu verkaufen, wo nun eine eigene Pipeline gebaut wird. Die an Nabucco beteiligten Firmen hatten ihren Pläne daraufhin auf "Nabucco West" eingedampft.

Neben den Österreichern waren die bulgarische BEH, die türkische Botas, die rumänische Transgaz sowie die ungarische MOL an dem milliardenschweren Projekt beteiligt. Auch die französische GDF Suez hatte Interesse angemeldet, während der Essener RWE-Konzern bereits ausgestiegen war. Am Konkurrenzprojekt TAP sind neben dem deutschen Energiekonzern E.ON die Schweizer Axpo und die norwegische Statoil beteiligt.

Eigene Pipeline?
Die OMV hatte gehofft, über Nabucco West ihr eigenes im Schwarzen Meer gefundenes Gas zum Verteilzentrum im österreichischen Baumgarten weiterleiten zu können. Nun muss sich der Konzern um einen neuen Transportweg kümmern. "Es ist natürlich leichter, eigenes Gas in bestehende Pipelines zu liefern, als eine eigene Pipeline bauen zu müssen", sagte Roiss. Ob die OMV diesen Schritt gehe, werde sich in etwa eineinhalb Jahren entscheiden, wenn die Firma wisse, wie viel Gas genau im Schwarzen Meer lagert. Der Konzern wolle auch mit den übrigen Nabucco-Partnern über den möglichen Bau der Pipeline verhandeln, sagte ein Sprecher.