Industrie arbeitet an Konzepten gegen den Klimawandel

Die globale Erderwärmung begrenzen - das ist das Ziel des Welt-Klimagipfels in Paris. Dazu müssen die Industrieländer den Ausstoß der schädlichen Treibhausgase - vor allem Kohlendioxid (CO2) - deutlich reduzieren. Soweit die Theorie. In der Praxis gefordert sind die Industriekonzerne, die mit ihren CO2-Emissionen die Umwelt verschmutzen. Vor allem in Deutschland wächst der Druck auf das verarbeitende Gewerbe, denn der Sektor hat hier eine größere Bedeutung für die Wirtschaft als bei den westeuropäischen Nachbarstaaten oder den USA. Aber das bietet auch Chancen: Die Anreize, die Treibhausgase durch Innovationen zu reduzieren, sind besonders hoch - und die Möglichkeiten, auf diesem Gebiet zum Technologieführer zu avancieren, ebenfalls.

Große Konzerne wie ThyssenKrupp oder Covestro wollen neue Technologien zur Verminderung des CO2-Ausstoß entwickeln, kleinere Unternehmen ebenfalls. Die Firma Brain Biotech arbeitet etwa an genetisch veränderten Mikroben, die CO2 aus Abgasen in das chemische Rohmaterial Bernsteinsäure umwandeln sollen. ThyssenKrupp arbeitet an Möglichkeiten, den eigenen CO2-Ausstoß zu mindern. Der Stahlkonzern holte Firmen wie Eon, AkzoNobel, Linde oder Evonik für das Projekt "Carbon2Chem" ins Boot. Ziel ist es, CO2-Abgase der Stahlwerke in Chemieprodukte umzuwandeln, wie in Ammoniak für Stickstoffdünger oder in das Vorprodukt Methanol. Bislang werden die Abgase in einem relativ ineffizienten Prozess verbrannt, um die restliche Energie herauszuholen. Das Projekt könnte großen Einfluss auf die Branche und die Emissionen nehmen. Denn Eisen- und Stahlkonzerne sind für 6,7% des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich.

Rohstoffe wiederverwenden
"Basis-Chemikalien werden heutzutage überwiegend aus Erdgas und Erdöl gewonnen", erklärt Thyssens Technologie-Chef Reinhold Achatz. "Genau das kann nach erfolgreicher Umsetzung von Carbon2Chem durch Hüttengas ersetzt werden. Wir verwenden die Rohstoffe, die bereits einmal in der Stahlproduktion verwendet wurden, ein weiteres Mal." Doch Achatz warnt vor den geplanten härteren Auflagen bei den Verschmutzungsrechten für Chemiefirmen und Stahlwerke.

Sie könnten die Pläne zum Scheitern bringen. "Die Politik muss uns eine Chance geben, im Jahr 2030 überhaupt noch eine Stahlproduktion zu haben, damit wir das Projekt umsetzen können."

In Brüssel werden derzeit Pläne für den Emissionshandel nach dem Jahr 2020 beraten. Die EU-Kommission will den Handel mit Verschmutzungsrechten für den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids verschärfen. So soll die Zahl der ausgegebenen Zertifikate gekürzt werden, wodurch ihr Preis steigen dürfte. Zugleich will sie Vorgaben machen, nach denen nur noch die besten Produzenten die Rechte komplett umsonst bekommen.

Eile tut bei der Reduzierung der Treibhausgase angesichts der aktuellen Zahlen auf jeden Fall Not. Das Jahr 2015 wird nach Einschätzung der UN wohl das bislang wärmste Jahr der Geschichte werden. Aber bereits 2016 könnte diesen Rekord erneut brechen. Auch französische Großkonzerne - darunter der Ölkonzern Total, der Versorger EDF, der Telekom-Konzern Orange und die Bank Societe Generale rüsten sich: In den nächsten fünf Jahren wollen sie mindestens 45 Mrd. EUR in erneuerbare Energien und CO2-arme Technologien investieren.

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