Personal & Karriere

Arbeitswelt im Wandel – konstruktiver Optimismus gefragt

Chemiesozialpartner begleiten Mitarbeiter auf dem Weg in die digitale Zukunft

10.03.2017 -

Digitalisierung, demografischer Wandel, Globalisierung, Wertewandel – die Arbeitswelt ändert sich fundamental. In der chemischen Industrie, einer Branche mit 180 Mrd. EUR Jahresumsatz und mehr als einer halben Million Beschäftigten, stellen wir uns diesen Herausforderungen. Denn nur, wer bereit ist, sich zu verändern, muss die Zukunft nicht fürchten. Wir können sie gestalten.

Deutschland ist weltweit einer der wichtigsten Chemie- und Pharmastandorte. Unser Anteil am Weltmarkt sinkt jedoch seit Jahren. Der Wettbewerb wird härter, Wertschöpfungsketten und Eigentümerstrukturen verändern sich. So ist unser Exportanteil heute viel höher als noch zur Jahrtausendwende: Über 60 % unseres Umsatzes erzielen wir mittlerweile im Ausland. Wir können erfolgreich bleiben, wenn wir innovativ und effizient sind, die Kosten im Griff behalten und über ausreichend Flexibilität verfügen. Geht es den Unternehmen gut, profitieren nicht nur unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, sondern Staat und Gesellschaft insgesamt.

Dabei wird unternehmerischer Erfolg heute immer stärker vom demografischen Wandel beeinflusst. In der deutschen Chemieindustrie arbeiten bereits mehr Beschäftigte über 58 Jahren als unter 25 Jahren. Nicht selten hört man, dass Unternehmen noch mehr produzieren und verkaufen könnten, wenn sie mehr qualifizierte Mitarbeiter finden würden. Auch für die Mitarbeiter selbst bringt die Zukunft Veränderungen: Wir alle müssen länger arbeiten, uns kontinuierlich weiterentwickeln und neue Kompetenzen erwerben. Im Wettstreit um die besten und klügsten Köpfe muss sich die Chemie als attraktiver Arbeitgeber positionieren. Unerlässlich sind dafür zukunftsfähige tarif- und sozialpolitische Rahmenbedingungen.

Arbeitgeber müssen auf den Wandel in der Gesellschaft reagieren

Als Arbeitgeber müssen wir uns deshalb fragen, wie wir auf den tiefgreifenden Wandel unserer Gesellschaft reagieren wollen. Die junge Generation ist heute unabhängiger, erwartet Anerkennung über das Gehalt hinaus und will sich stärker selbst verwirklichen. Prägten früher Karriereperspektiven und Dienstwagen das Bewerbungsgespräch, reden wir heute viel mehr über den Sinn der Arbeit und persönliche Freiheiten. Neue Familienstrukturen und Lebensformen lassen das Bedürfnis nach einer besseren Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben wachsen. All das verändert die Unternehmen und die Gestaltung der Arbeitswelt durch die Sozialpartner. Personal- und Tarifpolitik müssen diese Entwicklungen aufgreifen.

Das gilt natürlich auch für unseren Umgang mit der Digitalisierung, der maßgeblich über die Zukunft der deutschen Wirtschaft entscheidet. Die digitale Transformation bietet große Chancen für die Chemie. Zugleich fordert sie unsere Branche heraus. Auch die Arbeitsbedingungen werden sich deshalb weiter verändern. Moderne und flexible Arbeitsformen, zeitgemäße Arbeitszeitregeln sowie die begleitende Kompetenzentwicklung der Beschäftigten helfen uns, die Vorteile der technologischen Transformation zu nutzen.

Damit wir die digitale Arbeitswelt besser durchdringen, haben wir Verantwortliche aus Politik und Wirtschaft, aus Wissenschaft und Gesellschaft eingeladen, ihre Sicht der Dinge in dem gemeinsamen Buch „Chemie digital – Arbeitswelt 4.0“ einzubringen. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, EU-Kommissar Günther Oettinger, der IG BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis und weitere renommierte Meinungsbildner geben darin wertvolle Denkanstöße und entwickeln Konzepte für die Zukunft der Arbeit. Wie beurteilen sie Industrie und Arbeit 4.0? Worin liegen die Herausforderungen, worin die Chancen? Und wie lässt sich die Zukunft der Arbeit am besten gestalten? Das Ganze nicht Schwarz oder Weiß, denn einseitige Meinungen in einer ohnehin überhitzten Debatte helfen nicht weiter.

Die Chemie nutzt Chancen der Digitalisierung als Fast Follower

Es ist kein Zufall, dass gerade wir als Chemiearbeitgeber die Diskussion zu diesem Zeitpunkt vertiefen wollen. Keine Frage, die deutschen Chemieunternehmen sind auf den ersten Blick mit den hippen Start-ups aus dem Silicon Valley oder Berlin Mitte kaum zu vergleichen. Die drittgrößte Industriebranche im Land gilt vielen eher als konservativ. Zu Unrecht, denn Chemie und Pharma sind zentrale Innovationstreiber der deutschen Wirtschaft. In unserer Branche arbeiten Menschen, die neugierig und kreativ sind und die dazu beitragen, Lösungen für die drängenden Herausforderungen der Welt zu erarbeiten – in den Bereichen Gesundheit und Ernährung genauso wie für Themen wie Wohnen und Mobilität. Das geht in Zukunft nur digital, und damit wird auch die Chemie zunehmend digital – genauso wie die vielen Lebensbereiche, für die sie nachhaltige Produkte und Lösungen liefert. Als Fast Follower wollen wir von den Besten lernen und die Chancen der Digitalisierung bestmöglich für unsere Industrie nutzen.

Ein stabiles Fundament für Industrie 4.0 ist in der Prozessindustrie Chemie bereits gelegt. Unsere Produktion ist in hohem Maße automatisiert. Moderne Prozessleitsysteme tragen dazu bei, die Anlagen effizient zu betreiben. Viele neue Anlagen werden mittlerweile virtuell geplant. IT-Systeme steuern ganze Lieferketten und komplexe Stoff- und Güterströme. Jetzt kommt der nächste Schritt. Das Internet der Dinge hilft uns, noch produktiver und wettbewerbsfähiger zu werden. Wenn wir all das erfolgreich auf den Weg bringen wollen, müssen wir die Fragen unserer Stakeholder – allen voran unserer Beschäftigten – überzeugend beantworten.

Den digitalen Wandel können wir auch deshalb mit Zuversicht angehen, weil wir in der chemischen Industrie starke Arbeitnehmervertreter als Partner haben. Die Sozialpartner gestalten die Zukunft der Chemie gemeinsam. Das spiegelt sich nicht nur in einer langfristig orientierten Tarifpolitik, die die Beschäftigten angemessen am Unternehmenserfolg beteiligt und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit im Blick behält. Ich bin guter Dinge, dass uns der Schulterschluss auch beim Megathema Digitalisierung gelingen wird. Wir werden gemeinsam dafür Sorge tragen, unsere Mitarbeiter auf der Reise in die digitale Zukunft zu begleiten. Das ist der weitaus bessere Weg als eine zunehmende politische Regulierung von Arbeit. Diese geht häufig an den betrieblichen Bedürfnissen vorbei und belastet die Unternehmen im internationalen Wettbewerb.

Das Buch „Chemie digital – Arbeitswelt 4.0“ will aus der Debatte über die Digitalisierung eine Diskussion über ihre Chancen machen, ohne dabei die Risiken auszublenden. Zugleich ist dieses Buch ein Appell, mehr Freiheit und Mut zuzulassen, um neue Dinge auszuprobieren. So wird aus „disruptiv“ ein „konstruktiv“, und ein konstruktiver Optimismus beim Thema Digitalisierung ist genau das, was wir jetzt brauchen.

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