Ölpreisentwicklung und Rohstoffbasis der Chemieindustrie

(CHEManager 3-4/2016)     Ölpreis auf Talfahrt     Die Ölpreise haben Anfang seit Jahresbeginn weiter nachgegeben (vgl. Titelbeitrag). Anfang Februar kostete ein Barrel (159 l) Öl der Sorte Brent rund 33 USD. Die US-Sorte WTI war sogar nochmals 3 USD günstiger zu haben. Von 2011 bis ins zweite Halbjahr 2014 lag der Ölpreis zum Teil deutlich über 100 USD. Vor einem Jahr fiel er zum ersten Mal seit zehn Jahren unter 50 USD. Die derzeitige Talfahrt könnte weitergehen. Denn neben dem Überangebot an Rohöl belastet auch die Sorge über die künftige Ölnachfrage die Ölpreise. Die Investmentbank Goldman Sachs glaubt sogar, dass der Ölpreis auf 20 USD pro Fass und damit auf das Niveau der 1990er Jahre fallen könnte.

Entwicklung der Cracker-Margen     Die Chemieindustrie profitiert vom niedrigen Ölpreis, da der Preis für Naphtha, ihrem wichtigsten Rohstoff, dem Ölpreis folgt. Chemikalienproduzenten müssen sinkende Rohstoffpreise aber genau wie die Crac­ker-Betreiber an ihre Kunden weitergeben. Die wellenförmige Entwicklung der Cracker-Margen (Grafik 2) veranschaulicht diesen Prozess. Während sich die Erdölverarbeiter in den Jahren hoher Ölpreise (2011-2014) mit niedrigen Margen zufrieden geben mussten, konnten sie ihre Gewinnspannen mit dem ab dem 3. Quartal 2014 fallenden Ölpreis steigern. Die Margen gingen anschließend aufgrund der sinkenden Verkaufspreise für Cracker-Produkte wieder zurück.

Fossile vs. nachwachsende Rohstoffe     Wichtigste Rohstoffe für die Chemieindustrie sind Erdölprodukte (Naphtha) und Erdgas. Nachwachsende Rohstoffe, wie Fette, Stärke, Cellulose und Zucker, werden heute bereits erfolgreich eingesetzt. Sie werden als Ergänzung zur chemischen Synthese verwendet, wenn Vorteile hinsichtlich der Nachhaltigkeit, der Wirtschaftlichkeit oder der Technologie bestehen.

Der Anteil der nachwachsenden Rohstoffe hat sich zwar in den vergangenen Jahren auf etwa 13 % erhöht, ein Trend hin zu einer umfassenden Rohstoffwende ist aber nicht zu erkennen. Auch die derzeit hohe Verfügbarkeit von billigem Erdöl und Erdgas wird den Einsatz nachwachsender Rohstoffe nicht forcieren.

Chemieanteil  am Rohstoffverbrauch     Die Verarbeitung von aus den fossilen Rohstoffen Napht­ha, Erdgas und Kohle gewonnenen organischen Basischemikalien bietet der chemischen Industrie eine nahezu unerschöpfliche Vielfalt an Synthesemöglichkeiten für unzählige Substanzen. Dafür nutzt die Chemiebranche lediglich rund 14 % des in Deutschland verbrauchten Erdöls. Mehr als die Hälfte des Erdöls wird für die Kraftstoffherstellung verwendet, der Rest energetisch. Vom Verbrauch aller fossilen Rohstoffe (Erdgas, Erdöl, Kohle) entfallen in Deutschland nur ca. 4 % auf die Chemie; 2013 waren dies rund 17,3 Mio. t. Der Anteil der energetischen Nutzung beträgt hier über 80 %, auf Kraftstoffe entfallen 15 %.

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