Anreize für Biotech-Investoren schaffen

Der chronische Kapitalmangel für Gründer kleiner Biotechnologie-Firmen muss aus Sicht des Branchenverbands BIO Deutschland auch mit besseren Anreizen für private Geldgeber bekämpft werden. «Es gibt in Deutschland relativ viele reiche Leute, die zum Beispiel 50 000 €  für die Förderung kleiner Unternehmen übrig hätten. Man muss diese  Mittel mobilisieren für Investitionen in Innovationen», sagte Geschäftsführerin Viola Bronsema am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa am Rande der Messe Biotechnica in Hannover.

Ähnlich wie im Fall von Film- oder Schiffsfonds müsse die Politik die steuerlichen Rahmenbedingungen für kleine und mittelständische Betriebe mit einer hohen Forschungsquote besserstellen, forderte Bronsema. «Die Interessenten müssen wissen: Wenn ich da etwas reinstecke, kann ich auch eine Vergünstigung für mein Engagement bekommen.» Anders als in den USA seien die Nettoinvestitionen bei Biotech-Firmen in Deutschland weiterhin recht niedrig - obwohl es keineswegs an Ideen und erstklassiger Grundlagenforschung fehle. «Das ist unser eigentliches Kapital, vor allem im Vergleich zu Wettbewerbern in Asien und anderen Schwellenländern», sagte Bronsema.

Im Kampf um weltweite Marktanteile in der Medizintechnik, Pharmazie, Bioinformatik, Agrarchemie dürften die europäischen Gründer nicht zurückfallen, mahnte auch der Vorstandsvorsitzende des Branchenverbands, Peter Heinrich: «Wir sind bei den eigentlichen Innovationen sehr weit vorn, beispielsweise in der Stammzelltechnik und vielen neuen medizinischen Therapien. Aber wir müssen andere Wege finden, um die Umsetzung von Geschäftsideen voranzutreiben.»

Bisher könnten Gründer Startinvestitionen «im oft hohen einstelligen Millionenbereich» nicht mit Gewinnen verrechnen oder steuerlich geltend machen, kritisierte Heinrich. Dies schrecke junge Talente ab. «Es ist ein starker Wettbewerbsnachteil. Dabei müssen wir auch denjenigen, die von den Hochschulen kommen, ein Umfeld bieten, das zeigt: Hier gibt es interessante Mittel und Möglichkeiten.»  Das gesamte Potenzial der Branche bleibt nach Einschätzung des Verbands trotz der schwierigen Finanzierungslage groß.

In diesem Jahr nehmen über 600 Aussteller an der Biotechnica teil - fast ein Viertel mehr als im Oktober 2010. Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) und der frühere Bundesforschungsminister Heinz Riesenhuber wollten die Messe am Abend eröffnen.

 

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