Fusion von Linde mit Praxair in Gefahr

US-FTC stellt höhere Bedingungen, die die festgelegte Obergrenze für Veräußerungen überschreiten könnten

  • Nicht nur Linde und Praxair zittern, ob ihre geplante Fusion noch gelingt, auch für Mitbewerber Messer, der Geschäfte in Milliardenhöhe von Linde erwerben will, entwickelt sich der Deal zur Hängepartie. (Foto: Linde)Nicht nur Linde und Praxair zittern, ob ihre geplante Fusion noch gelingt, auch für Mitbewerber Messer, der Geschäfte in Milliardenhöhe von Linde erwerben will, entwickelt sich der Deal zur Hängepartie. (Foto: Linde)

Ein Scheitern, der im Juni 2017 avisierten Fusion des Gasekonzerns Linde mit Praxair ist nicht mehr auszuschließen. Das ließ Linde vor wenigen Tagen verlauten. Es scheint, dass die amerikanische Kartellaufsicht FTC für Verkaufsaktivitäten auf dem amerikanischen Gasemarkt die Auflagen erhöht hat. Laut Linde bestehe nun "eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass eine Obergrenze für Veräußerungszusagen, die nach dem Business Combination Agreement von jedem Vertragspartner zu akzeptieren sind, überschritten" werde.

In einer ad-hoc-Pressemitteilung erläuterte Linde die Situation wie folgt: In Gesprächen mit verschiedenen Wettbewerbsbehörden haben sich weitere Hinweise darauf ergeben, dass eine fusionskontrollrechtliche Freigabe des Zusammenschlusses zwischen Linde und Praxair mit höheren Anforderungen verbunden sein könnte, als bisher erwartet. Linde wurde (am 4. August 2018) darüber informiert, dass die US-amerikanische Federal Trade Commission (FTC) Erwartungen im Hinblick auf zusätzliche Veräußerungszusagen und die betreffenden Erwerber geäußert hat, die für eine fusionskontrollrechtliche Freigabe als erforderlich angesehen werden. Linde und Praxair analysieren diese Erwartungen, um deren Reichweite einzuschätzen und zu bewerten, inwieweit sie sich schnell genug umsetzen ließen, um eine rechtzeitige Freigabe des Zusammenschlusses zu erreichen. Die Gespräche mit der FTC über die erforderlichen Veräußerungszusagen werden mit dem Ziel fortgesetzt, ein für die Beteiligten akzeptables Ergebnis zu erreichen.

Die Börse reagierte auf das drohende Scheitern des Zusammenschlusses zum größten Industriegaseanbieter der Welt mit deutlichen Kursverlusten. Linde-Aktien verloren am Tag nach Bekanntwerden der FTC-pläne rund 10%, die von Praxair 5%.

Die Überprüfung der zusätzlichen Auflagen durch Linde und Praxair wird auch zur Hängepartie für Messer. Der Bad Sodener Industriegaseanbieter will im Rahmen der Fusion der beiden großen Wettbewerber Gaseaktivitäten von Linde in Nord- und Südamerika mit einem Umsatzvolumen von 1,7 Mrd. USD (1,4 Mrd. EUR) übernehmen. Der Kaufpreis läge bei 3,3 Mrd. USD (2,8 Mrd.

EUR). Diese Transaktion steht aber unter dem Vorbehalt eines erfolgreichen Abschlusses der geplanten Fusion zwischen Linde und Praxair.

Wie das Handelsblatt am 7. August meldete, sucht Linde nun nach Wegen, die Fusion mit Praxair noch zu retten und prüft auch, ob man sich von weiteren Unternehmensteilen in Nordamerika trennen könnte, um die Wettbewerbshüter milde zu stimmen. Für Messer könnte das bedeuten, dass man sogar noch weitere Geschäftsteile zum Kauf angeboten bekommt - allerdings steht derzeitdas Risiko im Raum, dass der komplette Deal scheitern könnte und man am Ende mit leeren Händen da steht.

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