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Achema 2009: Chemieanlagenbauer geben hoffnungsvolle Perspektive

15.11.2011 -

Achema 2009: Chemieanlagenbauer geben hoffnungsvolle Perspektive für die Branchenentwicklung. Auf einer Online-Pressekonferenz Mitte Februar hat die Dechema als Veranstalter der Achema, die vom 11.-15. Mai 2009 in Frankfurt stattfindet, die aktuelle Entwicklung der Veranstaltung und der Branche skizziert.
Für Dr.-Ing. Thomas Scheuring als Leiter der Achema ist der Ausstellungskongress „sehr gut auf Kurs”, d.h. nahe an der Messlatte der letzten Achema 2006 mit 3.880 Ausstellern. Als Trendsetter der Branche bzw. als wesentliche Treiber der Branchenentwicklung äußerten sich die beiden Chemieanlagenbauer Linde und Uhde. Dr. Aldo Belloni, Vorstandsmitglied bei Linde und Vorsitzender des Achema-Komittees, sieht die Geschäftsentwicklung im Anlagenbau in diesem Jahr „vorsichtig optimistisch“. Diese Einschätzung teilte auch Dipl.-Ing. Klaus Schneiders, Vorsitzender der Geschäftsführung der Uhde und Vorstandsmitglied der Dechema.

Zur Entwicklung des Anlagenbaus äußerte sich Belloni so: Das vergangene Jahr 2008 sei wirtschaftlich gesehen gut für die Anlagenbauer gewesen. Mit einem Auftragseingang von 3,2 Mrd. € lagen die im VDMA organisierten Großanlagenbauer 2008 nur knapp unter dem bisherigen Rekordstand von 2007 und erzielten damit den zweithöchsten Wert. A

llerdings habe sich der Auftragseingang seit dem Herbst abgeschwächt. Der Rückgang der Öl- und Gaspreise habe die Umsetzung vieler Projekte in den Erzeugerländern negativ beeinflusst. Damit meinte Belloni vor allem den Nahen und Mittleren Osten, ein traditionell sehr wichtiger Markt für große Prozessanlagen und für die deutschen Großanlagenbauer die wichtigste Region.

Vor allem Raffinerie-Anlagen, Anlagen zur Erzeugung von Düngemitteln oder Ethylen werden dorthin geliefert. Bereits Ende 2007 habe sich der Auftragseingang im Anlagenbau aus dieser Region abgeschwächt und dieser Trend habe sich Ende 2008 beschleunigt. Als Folgen des Preisrückgangs beim Öl seien die Investitionsbudgets fast aller Erzeugerländer gekürzt worden.

Die Anlagenbau-Kunden hofften daher auf weiter sinkende Investitionskosten oder forderten diese von den Anlagenbauern ein. Daher seien einige geplante Projekte auf die Warteposition gesetzt worden. Dies betreffe beispielsweise den Bau einiger Raffinerien in Saudi- Arabien mit Saudi Aramco. Zudem seien Geschäfte mit dem Iran, einem wichtigen Kunden für Großanlagen, nur unter starken Beschränkungen möglich. Alle diese Entwicklungen hätten zu einer abnehmenden Nachfrage im Chemieanlagenbau geführt.

Trotzdem aber seien diese Länder wegen des Reichtums ihrer Ressourcen und ihrer ambitiösen Industrialisierungspläne weiterhin interessante Partner für den Anlagenbau. Der gegenwärtige Rückgang der Bestellungen könne daher nicht als der Beginn einer dauerhaften Krise interpretiert werden, sondern vielmehr als eine temporäre Abkühlungsphase.

Die Aussichten für dieses Jahr sieht Belloni „vorsichtig optimistisch“. Mehrere Faktoren zeigten, dass sich die Lage bereits verbessere. Aufgrund der lebhaften Nachfrage aus dem Inland und der starken Kapitalbasis der Investoren können eine Reihe von größeren Projekten im Nahen und Mittleren Osten umgesetzt werden. Vor allem Projekte für Raffinerien und petrochemische Anlagen, deren Umsetzung wegen dramatisch gestiegener Kosten aufgeschoben worden waren, können nun wohl doch in einem Umfeld realisiert werden, das durch sinkende Material- und Personalkosten gekennzeichnet ist.

„Alles in allem“, so Belloni, „gibt es keinen Grund, warum wir nicht vorsichtig optimistisch sein sollten. Und weiter: „Wenn die Dinge gut laufen, können aus dem Nahen und Mittleren Osten erneut wachsende Auftragsmengen für Anlagen kommen. Allerdings kann sich auch die Golf-Region nicht komplett von einer global rezessiven wirtschaftlichen Lage abkoppeln. Langfristig schleppende Nachfrage aus Asien wird allerdings in der export-orientierten chemischen Industrie zur Zurückhaltung bei den Investitionen am Golf führen – mit entsprechenden Folgen für den Anlagenbau. Deshalb müssen wir darauf vertrauen, dass die wirtschaftlichen Programme von Ländern wie Indien und China – letzteres will allein 500 Mrd. Yüan in den petrochemischen Sektor investieren – oder Süd-Korea rasch spürbar werden.“

Stärken der deutschen Anlagenbauer

Klaus Schneiders bekräftigte die Aussagen von Belloni und ergänzte sie mit dem Blick aus der konkreten Sicht eines internationalen Anlagenbauers wie Uhde, der in der letzten Dekade den Auftragseingang verdreifachen konnte und im Geschäftsjahr 2007/2008 einen Rekord im Auftragseingang von 2,6 Mrd. € erzielen konnte.

Schneiders: „Unser Auftragsbestand liegt jetzt, mit Stand Ende September 2008, bei 3,7 Mrd. €.“ Aber auch Schneiders musste einräumen, dass sich die Lage, die bislang durch einen starken Markt gekennzeichnet war, seit Herbst 2008 geändert habe. Derzeit könne man aber keine Prognose über die langfristige Entwicklungen geben, weil es zur derzeitigen globalen Finanz- und Immobilienkrise keine Parallelen gebe. Den Herausforderungen der Zeit seien die deutschen Anlagenbauer aber durchaus gewachsen, betonte Schneiders: „Die fundamentalen Stärken der deutschen Anlagenbauer im Projekt- und Risikomanagement und in der Projektrealisierung, gekoppelt mit seiner Innovationsstärke, sind ein großer Vorteil, um diese Herausforderungen zu meistern.

Und gerade dabei dürfe man nicht vergessen, dass die Innovationsstärke eine Schlüsselrolle einnahm, um die führende Rolle im internationalen Wettbewerb zu verteidigen – und zwar schon vor der Krise.“ Als leuchtendes Beispiel für die Innovationskraft führte Schneiders ein Anlagenbauprojekt in Korea an, in dem zwei deutsche Unternehmen (Uhde und Evonik) ihre technologischen Stärken gemeinsam einsetzten und verwerteten. Diese Anlage zur Produktion von 100.000 t/a Propylenoxid aus Propylen und Wasserstoffperoxid wurde 2008 für einen Kunden in Korea gebaut. Diese Anlage sei „wesentlich kosteneffizienter und umweltfreundlicher als es bislang möglich war“.

Weiter sagte Schneiders: „Die deutschen Chemieanlagenbauer waren bislang schnell darin, innovative Lösungen für Prozesse anzubieten, um die Anforderungen nach wachsenden Kapazitäten für Großanlagen erfüllen zu können. Weltweit besetzten wir führende Positionen in den verschiedensten Marktsegmenten, beispielsweise für die Erzeugung von Wasserstoff, Sauerstoff, Ammoniak, Methanol, Chlor, PVC und Polyolefine.“

Die Achema ist sehr gut auf Kurs

Für Dr.-Ing. Thomas Scheuring, Leiter der Achema, ist der Ausstellungskongress “sehr gut auf Kurs”. „Bislang haben die gegenwärtigen wirtschaftlichen Turbulenzen keinen messbaren Effekt auf die Veranstaltung“, sagte Scheuring. Der derzeitige Buchungsstand sei genauso umfangreich wie beim letzten Mal in 2006. Die gebuchten Ausstellungsflächen lägen noch 1,5 % unter dem Endstand von 2006 mit 135.514 m2. Und es gebe nach wie vor ein starkes Interesse seitens der Aussteller; täglich kämen noch neue Buchungen dazu. Somit sehen die Erwartungen der Dechema zur Achema in Zahlen so aus:

  • 180.000 Besucher aus 100 Ländern
  • 140.000 m2 Ausstellungsfläche
  • 4.000 Aussteller aus 50 Ländern
  • 925 Vorträge auf der Achema-Konferenz

Während die Zahl der ausländischen Aussteller voraussichtlich um 2 % auf 46 % anwachse, sei die Entwicklung der Stärke der einzelnen Ausstellergruppen nahezu konstant. So seien beispielsweise Kompressoren, Pumpen, Armaturen und Fittings mit derzeit 944 Ausstellern erneut die stärkste Gruppe gefolgt von der Labor- und Analysentechnik mit derzeit 671 Ausstellern.

Bei all dieser Konstanz in den Ausstellergruppen sei die Achema wie schon immer das innovative Forum für die Prozessindustrien, so Scheuring. Derzeit spiele die Energieeffizienz eine treibende Rolle in der Innovation wie auch für Komponenten zur Mess- und Regeltechnik. Die Prozessintensivierung bleibe ein entscheidendes Thema. Zusätzlich seien neue Themen wie „Advanced Fluids“ und die Mikroreaktionstechnolgie hinzu gekommen, die jetzt in industrielle Anwendungen umgesetzt worden seien.

Das Konferenzprogramm der Achema besteht aus 925 Vorträgen mit Themen wie Weißer Biotechnologie, „Advanced Fluids“/ Ionische Flüssigkeiten, Mikroreaktionstechnik, Prozessintensivierung, Energiegewinnung und Energieversorgung. Die Themen der Konferenz, das zeige die Erfahrung, seien dann die wichtigen Themen für die nächste Achema, meinte Scheuring.

Gesonderte Ausstellungsflächen zeigen innovative Ansätze zur Nutzung von Ressourcen. Themen sind u. a. die Verarbeitung erneuerbarer Ressourcen, Biopolymere, Energiespeicherung und die Photovoltaik. Diese Themen seien aber nicht ausschließlich auf diese speziellen Ausstellungsflächen fokussiert, sondern auch im Gesamtspektrum der Aussteller zu finden, sagte Scheuring.

www.achema.de

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