Strategie & Management

Braunkohle-Wende ist machbar

Von der Verbrennung zur stofflichen Nutzung

04.03.2015 -

Braunkohle ist mengenmäßig der wichtigste deutsche Bodenschatz, der nahezu ausschließlich der Stromerzeugung dient. Im Zuge der Energiewende jedoch gewinnen erneuerbare Energieträger gegenüber fossilen zunehmend an Bedeutung. Wird Braunkohle weniger verstromt, steht sie als wertvoller Kohlenstoffträger ressourcen- und umweltschonenderen Nutzungsoptionen in der Chemieindustrie und Metallurgie zur Verfügung.

Szenarien der Bundesnetzagentur zeigen: Die Nettoleistung der Braunkohlekraftwerke dürfte sich in Deutschland bis 2035 etwa halbieren. Hauptgründe sind die Neuausrichtung der europäischen Energiepolitik und die Energiewende des Bundes, die auf die weitgehende Ersetzung fossiler Energieträger durch erneuerbare Energien setzen. Mit der schrittweisen Ablösung der Braunkohle aus der Verstromung ergeben sich neue Nutzungsperspektiven zur Herstellung von werthaltigen chemischen Basis- und Spezialchemikalien, Reduktionsmitteln und synthetischen Kraftstoffen. Mit dieser stofflichen Verwertung, die vor 60 Jahren mit ersten Anlagen für die großtechnische Synthesechemie auf Basis mitteldeutscher Braunkohle als Pionierleistung begann, könnte der noch gut 200-300 Jahre abbaubare Bodenschatz viel schadstoffärmer und umweltschonender eingesetzt werden.

Mittelfristige Standortentscheidungen erforderlich

Um die Potenziale dafür auszuloten und mittelfristig entsprechenden Ausbildungs- und Forschungsbedarf sowie Standortentscheidungen vorzubereiten, treffen sich im März Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft sowie Politik im sächsischen Freiberg. Diskutiert werden neue Wege zur Umgestaltung der Braunkohlenutzung, die in der „Hightech-Strategie 2020" der Bundesregierung als Brückentechnologie dargestellt wird. „Wir wollen Möglichkeiten aufzeigen, die Braunkohle höherwertiger als durch bloße Verbrennung in den Stoffkreislauf einzuführen", sagt Prof. Dr. Andreas Hornung vom Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT, der auf der Veranstaltung ein spezielles Verfahren zur Integration von Braunkohle in die organische chemische Industrie auf Grundlage der Ergebnisse der Nutzung von Biomasse im von UMSICHT entwickelten TCR-Verfahren vorstellen wird.

Als Erdöläquivalent nutzbar

Auch Guido van den Berg, Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen und Sprecher der SPD in der Enquetekommission zur Zukunft der chemischen Industrie in NRW, ist überzeugt: „Wenn wir einen Teil der ‚Kohle aus dem Feuer holen', ist das umweltpolitisch sinnvoll. Die stoffliche Nutzung von Braunkohle ist gerade in der Zeit der Energiewende eine intelligente Option, um die industrielle Rohstoffbasis der Chemie zu verbreitern." In NRW seien laut van den Berg in Großtagebauen heute noch rund drei Mrd. t Tonnen für mehrere Jahrzehnte zum Abbau genehmigt. Eine schadstoffärmere Nutzung der Braunkohle in Ergänzung zur heutigen Verwendung als thermischer Energieträger eröffne neue Perspektiven, da die bestehende Industrieinfrastruktur zur Förderung und Aufbereitung des Rohstoffs einen Wettbewerb zum Rohöl ermöglicht. In diese Kerbe schlägt auch Prof. Dr.-Ing. Mathias Seitz vom Bündnis „Innovative Braunkohle-Integration in Mitteldeutschland - ibi": „Die optimale stoffliche Nutzung von Braunkohle in einer Wertschöpfungskette ist ein volkswirtschaftliches Muss, denn die in ihr enthaltenen Kohlenwasserstoffe sind Erdöläquivalente und damit viel zu schade, um nur verbrannt zu werden.''

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