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CHEMonitor 2/2013 - Das Vertrauen der Chemiemanager in den Standort Deutschland steigt – trotz massiver Kritik an der Energiepolitik

07.11.2013 -

Rund 80% der Chemiemanager bewerten die Standortbedingungen in Deutschland als „gut" oder gar „sehr gut"; nur 3% beklagen schlechte Bedingungen. Das größte Risiko für die eigene Wettbewerbsfähigkeit sehen die Manager der Branche in steigenden Energiekosten. Dies ergab die aktuelle CHEMonitor-Befragung vom Oktober 2013.

Für das Trendbarometer von CHEManager und der Strategie- und Organisationsberatung Camelot Management Consultants werden regelmäßig Top-Entscheider der deutschen Chemieindustrie befragt. Im Vergleich zur Befragung vom Frühjahr 2013 stieg das Vertrauen der Chemiemanager in den Standort Deutschland nochmals an: Während aktuell 79% der Befragten die Standortbedingungen mit „gut" oder „sehr gut" bewerten (Grafik 1), lag dieser Anteil im Mai 2013 noch bei 70%.

Chemiebranche bleibt auf Kurs

Befragt nach ihrer Geschäftsprognose sagten 71% (Mai 2013: 65%) der befragten Manager eine Umsatzsteigerung für die kommenden 12 Monate voraus, nur 11% (Mai 2013: 15%) erwarten rückläufige Umsätze. Auch bzgl. der Unternehmensergebnisses zeigte sich ein positiver Trend: Während im Mai noch 56% mit einer Ergebnissteigerung rechneten, sind es aktuell 67%. Gleichzeitig stieg jedoch auch der Anteil derer, die einem deutlichen Ergebnisrückgang befürchten von 0 auf 3%.

„Auch wenn die Zufriedenheit am Standort Deutschland noch sehr hoch ist, haben viele Chemieunternehmen mit tiefen Einschnitten in ihrem Portfolio und den Strukturen begonnen. Die deutsche und europäische Chemieindustrie befindet sich im Umbau", beobachtet Dr. Josef Packowski, Managing Partner bei Camelot Management Consultants. Dies belegen nicht allein die steigenden M&A-Aktivitäten in den vergangenen Wochen, z.B. der Verkauf mehrerer Geschäftsbereiche durch Clariant, die Übernahme des Rheologie-Geschäfts von Rockwood durch Altana oder die Veräußerung der Unternehmen Allessa und Oxea an den strategischen Investor ICIG bzw. die Oman Oil Comp. (vgl. CHEManager 20/2013).

Darüber hinaus kündigten einige deutsche Chemiekonzerne einen Stellenabbau in den kommenden Monaten an, darunter Lanxess, Evonik und Merck. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Ergebnissen der aktuellen CHEMonitor-Umfrage wider: Zwar erwarten nach wie vor rund die Hälfte aller Chemiemanager konstante Beschäftigungszahlen für ihr Unternehmen, doch der Anteil derer, die einen Rückgang der Mitarbeiterzahlen in den kommenden 12 Monaten prognostizieren, stieg im Vergleich zur Befragung im Mai um 9 Prozentpunkte auf rund 30%.

Damoklesschwert Energiekosten

Besonders positiv bewerten die Entscheider der Branche den Standort Deutschland in Bezug auf die Qualität von Forschung und Entwicklung und die Qualifikation der Arbeitnehmer (vgl. Grafik 2) - jeweils rd. 90% der Befragten bewerten diese Faktoren mit „gut" oder „sehr gut". Unter massiver Kritik stehen dagegen die Energiekosten, die von etwa drei Vierteln der Chemiemanager mit „schlecht" oder „sehr schlecht" bewertet werden.

Und es ist keine Besserung in Sicht: 97% der Befragten (vgl. Grafik 3) erwarten einen Anstieg der Energiepreise in Deutschland in den kommenden fünf Jahren. Eine fatale Entwicklung für eine Branche, in deren Werken etwa 10% des gesamten deutschen Strombedarfs anfallen. Dementsprechend befürchten rund zwei Drittel (64%) der befragten Panel-Mitglieder, dass bei weiter steigenden Energiepreisen die Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens abnehmen werde. Bei Managern aus Konzernen mit mehr als 500 Mitarbeitern liegt dieser Anteil gar bei über 80%.

„Wir sehen in der Chemieindustrie noch erhebliche Verbesserungspotentiale, die nicht genutzt werden, z.B. neue Sourcing-Szenarien", sagt Dr. Sven Mandewirth, Partner bei Camelot Management Consultants. In der Tat hoffen rd. drei Viertel der befragten Chemiemanager den Energiepreiserhöhungen vor allem mit Energieeffizienzprogrammen oder der Optimierung ihrer Lieferverträge entgegenzuwirken (vgl. Grafik 4). Etwa ein Drittel plant darüber hinaus einschneidende Maßnahmen, wie die Verlagerung von Neuinvestitionen oder von Produktionskapazitäten an Standorte im Ausland. Ein etwa ebenso großer Anteil (30%) setzt auf mehr Autarkie in der Strombeschaffung und plant die Erhöhung des Anteils an Eigenstromerzeugung. Letzteres ist auch für viele mittelständische Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern eine Option. Denn die steigenden Strompreise in Deutschland entwickeln sich zunehmend zu einer Gefahr für kleine und mittlere Unternehmen.

EEG-Umlage belastet Mittelstand

Seit Mitte Oktober steht fest, die EEG-Umlage, die Stromverbraucher zur Finanzierung der erneuerbaren Energien bezahlen müssen, wird im Jahr 2014 um 1 ct/kWh auf 6,2 ct/ kWh ansteigen. Die Belastungen der chemischen Industrie aus dem EEG wachsen damit im Jahr 2014 auf über 1 Mrd. € - und das trotz der bestehenden Entlastungsregeln für energieintensive Chemiebetriebe. Davon betroffen sind vor allem Mittelständler, von denen nur wenige unter die sog. Härtefallregelung fallen: „Die erneute Erhöhung der Stromabgabe trifft mein Unternehmen voll. Durch den 1 ct mehr bei der EEG-Umlage wird unser Unternehmen mit 82.000 € oder 18% höheren EEG-Abgaben belastet. In Summe liegt die EEG-Belastung dann bei 530.000 €, das entspricht 38% unserer gesamten Unternehmensteuer des Vorjahres ", beziffert Rheinhold von Eben-Worlée, Geschäftsführer bei Worlée-Chemie, die Belastung für sein Unternehmen.

Gemeinsam mit 200 anderen Unternehmern mittelständischer Chemieunternehmen hat der Vorsitzende des VCI-Ausschusses Mittelständischer Unternehmen daher Anfang September ein Memorandum zur deutschen Energiepolitik unterzeichnet, indem die künftige Bundesregierung aufgerufen wird, zu handeln.

Eine Senkung der Energiepreise und eine Überarbeitung der Kriterien zur Befreiung von Industrieanlagen von der EEG-Umlage fordern auch etwa 90% der Teilnehmer der aktuellen CHEMonitor-Befragung, die am 3. Oktober endete (vgl. Grafik 5). Dagegen verlangt jedoch nur die Hälfte der befragten Chemiemanager eine vollständige Abschaffung der Umlage. Denn die Energiewende birgt trotz aller Herausforderung ein enormes Potential für die deutsche Chemieindustrie.

Chemiemanager sehen Energiewende als Herausforderung und Chance

Diese Ambivalenz zeigt sich auch bei der Meinung zum Ausstiegsplan der Bundesregierung aus der Atomenergie (Grafik 6). Zwar befürchtet die Hälfte der Entscheider aus der Chemiebranche, dass der vorgezogene Atomenergieausstieg die Versorgungssicherheit und damit die Wettbewerbsfähigkeit der der Industrie gefährde. Auf der anderen Seite sind 55% der Chemiemanager überzeugt, der Atomausstieg beschleunige die Entwicklung von neuen Konzepten und Lösungen zur Energieversorgung, die wiederum zu Wettbewerbsvorteilen der deutschen Industrie führen werden.

Demnach hat die Chemiebranche nicht nur als Großverbraucher, sondern auch als Anbieter von Lösungen für die künftige Energieversorgung ein hohes Eigeninteresse an dem Gelingen der Energiewende. „Es geht nicht darum, die Ziele der Energiewende an sich zu verwerfen", bestätigt VCI-Präsident Dr. Karl-Ludwig Kley Ende Oktober bei einer Unternehmertagung. Die Bundesregierung dürfe jedoch nicht weiter versuchen alle Ziele, wie den Atomausstieg, die CO2-Reduzierung und die Etablierung erneuerbarer Energien gleichzeitig durchsetzen zu wollen. 

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