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Otto-Bayer-Preis 2020 geht an Ruth Ley

18.02.2021 - Direktorin der Abteilung für Mikrobiomforschung am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen wird für herausragende Leistungen auf ihrem Gebiet geehrt.

Die Bayer Foundation hat Prof. Ruth Ley Ph.D. den mit 75.000 EUR dotierten Otto-Bayer-Preis verliehen. Die Forscherin des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie erhielt die Auszeichnung in einer virtuellen Feierstunde für ihre bahnbrechende Forschung zum Mikrobiom des Menschen – der Gesamtheit aller Mikroorganismen, die einen gesunden Menschen natürlicherweise besiedeln und die eine beachtliche Masse von ca. einem Kilogramm erreichen können. Als erste Wissenschaftlerin hat Ruth Ley die bedeutende Rolle der Gesamtheit der menschlichen Darmmikroben bei Fettleibigkeit charakterisiert und damit neue Wege in der biomedizinischen Forschung von Stoffwechselstörungen bis hin zu Neurologie und Krebsforschung erschlossen. Die 1970 geborene Forscherin aus Großbritannien, aufgewachsen in den USA, ist seit 2016 Direktorin der Abteilung für Mikrobiomforschung am Max-Planck-Institut (MPI) für Entwicklungsbiologie in Tübingen. Davor war sie außerordentliche Professorin an der Cornell University in der Abteilung für Molekularbiologie und Genetik.

In seiner Laudatio hob Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender von Bayer, die Bedeutung von Wissenschaft und Transparenz in der Forschung hervor: „In Rekordzeit – viel schneller als selbst die optimistischsten Beobachter zu hoffen wagten – konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedene Impfstoffe gegen Covid-19 entwickeln. Dieser Erfolg ist auch ein Beleg für den Wert der globalen Zusammenarbeit. Jetzt stehen wir an der Schwelle zu einem Impfprogramm von historischem Ausmaß. Es hat das Potenzial, das Vertrauen in die Wissenschaft zu stärken und umgekehrt, es braucht Vertrauen, um große Teile der Bevölkerung zu impfen. Wir als Wirtschaft müssen dem Bedürfnis nach Transparenz in der Forschung nachkommen und neue Standards setzen.“

Gleichzeitig betonte Baumann die Bedeutung der Bio-Revolution. „Schauen Sie sich den Klimawandel, den Verlust der Artenvielfalt oder den Hunger an – es gibt drängende globale Herausforderungen, denen wir uns gemeinsam stellen müssen. Wissenschaft und Innovation werden uns hier den Weg weisen. Fortschritte in der Biologie und in der künstlichen Intelligenz – das, was Experten die Bio-Revolution nennen – haben das Potenzial, unsere Volkswirtschaften zu verändern und zur Bewältigung globaler Herausforderungen beizutragen.“

Werner Baumann gratulierte der Preisträgerin Ruth Ley: „Die Forschung am Mikrobiom ist vielversprechend und kann unseren Umgang mit Ernährung und Krankheiten revolutionieren. Wir freuen uns sehr, dass wir heute eine Pionierin und herausragende Wissenschaftlerin in der Mikrobiomforschung auszeichnen können.“

Ruth Ley selbst sagte: „Eine der Missionen meiner Forschung ist es, herauszufinden, wie wir das Darmmikrobiom im Gleichgewicht halten und es für uns arbeiten lassen können. Ich freue mich, dass mein Forschungsgebiet jetzt als wissenschaftliches Mainstream-Thema anerkannt wird. Ich war mir nicht immer sicher, dass es von den medizinischen Wissenschaften akzeptiert werden würde. Die Auszeichnung rückt die Mikrobiom-Forschung ins Rampenlicht und ich denke, wir können erwarten, dass aus dieser Forschung wichtige neue Behandlungen resultieren werden.“

Early Excellence in Science Awards 2020

Neben dem Otto-Bayer-Preis verlieh die Bayer Foundation auch die Bayer Early Excellence in Science Awards (EESA). Liam Condon, Leiter der Division Crop Science, übergab die EESA-Auszeichnungen virtuell an die Preisträgerinnen und -träger.

In der Kategorie Biologie wurde Dr. Julia Mahamid (Europäisches Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg) ausgezeichnet. Ihre Kryo-Elektronenmikroskopie-Studien umspannen die Analyse von Zellkernperipherien und strukturellen Komponenten der Genexpression in Bakterien. Darüber hinaus hat sie auch die Präparation von Untersuchungsmaterial unter kryogenen Bedingungen für tomographische elektronenmikroskopische Analysen weiterentwickelt.

In der Kategorie Chemie darf sich Dr. Josep Cornellà (Max-Planck-Institut für Kohlenforschung Mülheim) über den Preis freuen. Er gewinnt für seine innovativen Forschungen zum Design und Einsatz katalytischer Strategien in der organischen Synthese. In seiner Forschung hat er methodisch neue katalytische Systeme auf der Basis von nicht toxischen, auf der Erde häufig vorkommenden und leicht zugänglichen Elementen verwendet und damit nicht vorhersehbare katalytische Verfahren entschlüsselt.

In der Kategorie Medizin wurde Dr. Nicolai Franzmeier (Ludwig-Maximilians-Universität München) für die Entwicklung neuer bildgebender Verfahren zur Untersuchung der Alzheimer-Krankheit ausgezeichnet. Ihm ist es gelungen, Schlüsselmechanismen der Ausbreitung der Tau Pathologie über Hirnnetzwerke zu identifizieren, was maßgeblich zur Krankheitsprogression beiträgt.

2020 neu hinzugekommen ist die Kategorie Datenwissenschaften in den Life Sciences: Dr. Marinka Zitnik (Harvard University) wird ausgezeichnet für ihre innovative Anwendung maschineller Lernansätze zur Analyse mehrdimensionaler biomedizinischer Daten. Für die Bewältigung der gewaltigen Datenmengen und ihrer Komplexität in Medizin und Lebenswissenschaften sind innovative Lösungsansätze, wie von der Datenwissenschaftlerin entwickelt, essenziell.

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