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Schweizer Spezialitäten

Die alpenländische Chemieindustrie setzt auf Innovationen und Besonderheiten

20.05.2016 -

Anlässlich der internationalen Fachmesse für Fein- und Spezialchemie, Chemspec Europe, die Anfang Juni in Basel stattfindet, beleuchtet CHEManager auf den nächsten Seiten die Schweizer Chemie- und Life Sciences-Industrie und die Entwicklung der Industrieparks in der Alpenrepublik.

Die schweizerische chemisch-pharmazeutische Industrie ist praktisch ausschließlich im Bereich der Spezialitätenchemie tätig. Der Anteil der Spezialitäten am Gesamtproduktportfolio der schweizerischen Industrie beträgt heute weit über 90%, was im internationalen Vergleich bemerkenswert ist. Dementsprechend ist sie eine außerordentlich vielseitige Industrie, stellt sie doch über 30.000 Produkte her. Der Weltjahresbedarf für einzelne dieser Spezialitäten liegt oft bei wenigen Tonnen oder sogar wesentlich darunter. Ausgehend von den Anwendungsbereichen lassen sich in folgende Produktgruppen unterscheiden: Pharmazeutika und Diagnostika, Feinchemikalien, Vitamine, Aromen und Duftstoffe, Pflanzenschutzmittel, Spezialitätenchemikalien für industriell-technische Zwecke, und last but not least: Pigmente, Farben und Lacke.

Spezialitätenstrategie als Schlüssel zum Erfolg

Mit ihren hochwertigen Produkten haben die schweizerischen Firmen weltweite Präsenz und oft sogar Marktführerschaft errungen. Forschung und Entwicklung sowie deren Umsetzung in neue Produkte, Verfahren und Organisationsformen sind der Lebensnerv der Industrie. Ausgehend von wissenschaftlichen Erkenntnissen versuchen die Unternehmen, neue Produkte und Verfahren zu entwickeln, welche bisherige und künftige Kundenbedürfnisse befriedigen mögen. Die wichtigste Zutat für den innovativen Prozess ist das in einer Unternehmung verfügbare wissenschaftliche und technologische Wissen und Können ihrer Mitarbeiter, meint der Wirtschaftsverband. Ihre Arbeit sei entscheidend für den Erfolg eines Forschungs- oder Entwicklungsprojektes. Darüber hinaus müsse das Unternehmen auch die nötige Forschungsinfrastruktur bereitstellen und mit einem zeitgemäßen Führungsstil eine offene, kreative Atmosphäre schaffen. Trotzdem sei der wissenschaftliche Erfolg weder planbar noch garantiert. Das Risiko des Scheiterns ließe sich durch gutes Forschungsmanagement zwar verringern, dennoch blieben Investitionen in die Forschung im Vergleich zu Sachinvestitionen mit hohem Risiko behaftet.

International ausgerichtete Branche

Die Schweizer Chemie-Industrie ist eine international ausgerichtete Branche. Besonders deutlich zeigt dies die geografische Gliederung der Verkäufe. Amerika ist mit 43% der größte Absatzmarkt, gefolgt von Europa mit 33%, der Rest der Umsätze fällt vorwiegend auf Asien; der schweizerische Heimmarkt ist mit nur 2% sehr klein. Die weltweite Vermarktung ist ein wesentlicher Bestandteil der Spezialitätenstrategie, die auf der Herstellung und dem Verkauf innovativer Produkte mit hoher Wertschöpfung beruht. Die schweizerischen Firmen sind seit Jahrzehnten auf den Weltmärkten präsent, und zwar nicht nur die großen multinationalen Unternehmen, sondern auch viele KMU, die eine erfolgreiche Nischenstrategie verfolgen.

Die Chemieindustrie ist - gemessen an ihrem Anteil an den Gesamtexporten - die wichtigste Exportindustrie der Schweiz. Auch gemessen an ihrem Exportüberschuss (2014: 42,4 Mrd. CHF) ist sie vor der Uhrenindustrie (18,5 Mrd. CHF) und der Maschinen- und Metallindustrie (1,9 Mrd. CHF) die wichtigste Branche. Die Exporte der chemisch-pharmazeutischen Industrie sind unter dem Aspekt der konzerninternen internationalen Verflechtung zu sehen. Mehr als 75% aller Exporte sind Lieferungen an Tochtergesellschaften. Ein Teil davon sind Zwischenprodukte, die von den konzerneigenen ausländischen Gesellschaften zu Fertigprodukten weiterverarbeitet werden. Dieses zweistufige Produktionsverfahren ermöglicht es den Firmen, "Economies of Scale" bei der Wirkstofferzeugung auszunützen und die Produkte optimal auf die lokalen Gegebenheiten und Vorschriften anzupassen. Die Chemie- und Pharmabranche ist die am dynamischsten wachsende Exportindustrie der Schweiz. Der Anteil am Export hat seit 1980 kontinuierlich zugenommen. 2014 belief er sich auf mehr als 40% aller Exporte. Das Produktionswachstum verzeichnete für den Zeitraum 1995 - 2011 ein durchschnittliches Jahreswachstum von 12,4%, während die Gesamtindustrie nur 2,8% jährlich zulegen konnte.

Wichtiger industrieller Arbeitgeber

Mit rund 70.000 Arbeitnehmern ist die Chemie Industrie einer der größten industriellen Arbeitgeber in den Kantonen. Die Branche beschäftigt dabei überdurchschnittlich viel qualifiziertes Personal. 62% der Erwerbstätigen werden gemäß der offiziellen Statistik einer höheren Qualifikationskategorie zugeordnet, während dies im Durchschnitt der gesamten Industrie nur 42% des Personals erreichen. Der Personalbestand wächst überdurchschnittlich in den großen ausländischen Märkten. Die Zunahme der im Ausland beschäftigten Personen stellt eine Voraussetzung dar, um die Arbeitsplätze in der Schweiz sichern zu können. Dank der Wertschöpfung auf den Weltmärkten werden die bestehenden Arbeitsplätze erhalten und neue geschaffen. (op)
 

Scienceindustries

Die Schweizer Chemie-, Pharma- und Biotechindustrie wird vom Wirtschaftsverband Scienceindustries repräsentiert. Als sich der zuvor als Schweizerische Gesellschaft für Chemische Industrie (SGCI) bekannte Verband vor einigen Jahren in Scienceindustries umbenannte, geschah dies aus gutem Grund. Der neue Name solle die hohe Innovationsfähigkeit der größten Schweizer Exportindustrie und deren Einsatz für einen weltweit führenden Produktions-, Forschungs- und Unternehmensstandort in den Bereichen Chemie, Pharma und Biotech widerspiegeln. Der Interessenverband stehe für über 250 innovative Industrieunternehmen, die ein Zeichen für Forschung und Entwicklung (F&E) setzen, meint Verbandspräsident Christoph Mäder. „Wir unterstreichen damit unseren Anspruch, einen wesentlichen Beitrag zur Lebensqualität und dem Wohlstand der Schweiz zu leisten.“ Die Branche investiere pro Jahr über 7,1 Mrd. CHF in F&E, was fast 42% der privaten Schweizer Forschungsausgaben entspricht.

Kontakt

Scienceindustries - Wirtschaftsverband Chemie Pharma Life Sciences

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