Chemie & Life Sciences

Innovative Bindemittel schützen historische Gebäude

Dank moderner Dispersionspulver trotzt Burg Prunn auch die nächsten Jahrzehnte der Feuchtigkeit

12.01.2018 -

Seit dem 11. Jahrhundert thront Burg Prunn über dem bayerischen Altmühltal. Doch ein Kalksteinfelsen, auf dem ein Teil der Anlage steht, wies aufgrund eindringender Feuchtigkeit Risse auf uns musste mit Injektionsmörtel saniert werden. Dispersionspulver von Wacker tragen jetzt dazu bei, dass die Burg weitere tausend Jahre der Feuchtigkeit trotzt.

Die Burg Prunn bei Riedenburg im Altmühltal ist eine wahre architektonische Meisterleistung. Die Anlage stammt vermutlich aus dem 11. Jahrhundert und ist damit eines der ältesten Objekte, die die Bayerische Schlösserverwaltung aufzubieten hat. Die Burg, die 1567 durch den Fund der Handschrift des Nibelungenlieds (Prunner Kodex) überregionale Berühmtheit erlangte, wurde direkt an der Kante eines steilen Kalksteinfelsens erbaut, der frei stehend, rund 100 m über dem Altmühltal, thront. Und das ohne moderne Bautechniken und Baustoffe. Bereits im 11. Jahrhundert kannte man Bindemittel. Neben reinem Kalk wurde auch das Milcheiweiß Kasein verwendet, um eine bessere Haftung von Putzen und Wandfarben auf verschiedenen Oberflächen zu erzielen. Doch auch diese natürlichen Produkte sind der Verwitterung ausgesetzt und so wurde die Burg über die Jahre hinweg immer wieder renoviert – zuletzt 2007. Über zwei Jahre lang haben damals Architekten und Handwerker unter der Regie von Denkmalschützern den Dachstuhl, das Mauerwerk, das Fundament sowie die Fassade repariert und hergerichtet – insgesamt kostete das Projekt rund 2,7 Mio. EUR. Selbstverständlich setzte man bei der Renovierung auf den aktuellsten Stand der Technik und bezog auch Forscher und Entwickler von Baustoffherstellern mit ein.

Stabilität Dank Dispersionspulvern

Einer davon war Wolfgang Hollweck, Leiter der Forschung und Entwicklung beim Trockenbaustoffhersteller Rygol Sakret in Painten, nur wenige Kilometer von der Burg entfernt. Er stand 2007 bei den Gesteins- und Fassadenrenovierungsarbeiten beratend zur Seite. Unter anderem war er damit beauftragt, herauszufinden, wie der Kalksteinfelsen, auf dem der Treppenturm im Nordteil der Anlage erbaut wurde, aufgefüllt werden kann. Denn der hatte bereits seit geraumer Zeit Risse, sodass Wasser in das Innere des Felsens eindringen konnte. Gefriert dieses, können Teile des Felsens abplatzen und die Häuser am Fuße des Berges gefährden. „Untersuchungen vor Ort und Probenentnahmen haben damals ergeben, dass ein gewisses Sicherheitsrisiko besteht. Zudem hätte der Treppenturm durch größere Abplatzungen auch an Stabilität verlieren können“, erinnert sich Hollweck an die Umstände.

Auf Basis dessen entschied man sich, den Felsen mit einem Injektionsmörtel zu verpressen. So nennt man im Fachjargon das Schließen von Fugen, Rissen und Hohlräumen, indem man Mörtel mithilfe von Bohr- oder Klebepackern injiziert. „Den Rygol Injektionsmörtel IM 009 formulierten wir auf Basis des semiflexiblen Dispersionspulvers Vinnapas 7220 E von Wacker, um eine größtmögliche Haftung garantieren zu können“, erklärt er. Denn der Mörtel musste zum einen schnell eine hohe Klebewirkung zwischen Fels und Mörtel, also eine große Haftscherfestigkeit, herstellen. Zum anderen sollte das Füllmaterial dauerhafter haften und auch klimatischen Veränderungen wie Frost und Tau oder Starkregen standhalten.

„Der Injektionsmörtel musste den Felsen so abdichten können, dass sicher kein Wasser eindringt“, erklärt Hollweck. „Wir haben langjährige Erfahrung mit den polymeren Bindemitteln von Wacker und kamen schnell zu dem Schluss, dass Vinnapas 7220 E in Kombination mit unserem Zement die ideale Zusammensetzung ergibt, um an so exponierter Stelle den Felsen vor Witterungseinflüssen zu schützen.“ Das Dispersionspulver, das auf Basis von Vinylestern, Ethylen und Acrylsäureester aufgebaut ist, zeichnet sich durch hervorragende Haftzugfestigkeit, besonders bei starken Wasserbelastungen aus. „Die Zugabe dieses Dispersionspulvers zum Injektionsmörtel bewirkt, dass sich beim Aushärten zwischen den spröden mineralischen Bestandteilen des Mörtels elastische Kunststoffbrücken ausbilden, die die Haftungseigenschaften auf den verschiedensten Untergründen entscheidend verbessern“, erklärt Hardy Herold, Anwendungstechniker im Baupolymerbereich bei Wacker.

Wasserabweisende Außenhaut

Der Trockenbaustoffhersteller Rygol Sakret war auch an den Fassadenarbeiten beteiligt. „Wir haben den Oberputz für die komplette Burg geliefert. Dabei haben wir uns für unsere historische Filzspachtel entschieden, die die bestehende Struktur und Optik der Burgfassade aufnimmt“, berichtet Hollweck. Und auch darin spielte eine Vinnapas-Type von Wacker auf Basis verschiedener Sondermonomere wie Vinyllaurat der Marke Versa 12 eine große Rolle.

Diese verbessert zum einen die Adhäsion und Biegezugfestigkeit des mineralischen Putzes am Untergrund. Das Dispersionspulver ermöglicht aber auch erst die Formulierung eines besonders flexiblen Putzes, der die Spannung zwischen unterschiedlichen Schichtdicken ausgleicht. Denn die verputzte Fassade wird unterbrochen durch einzelne hervorstehende Natursteine. Dadurch wird der Putz im Fugenbereich relativ dick aufgetragen, an anderen Stellen dagegen wird die Mindestschichtdichte von 15 mm durch den unebenen Untergrund nicht erreicht. Eine weitere Herausforderung war die unterschiedliche Beschaffenheit der Altputze, die aus verschiedenen Renovierungen der letzten Jahrzehnte stammten.

Das im Dispersionspulver enthaltene Vinyllaurat der Marke Versa 12 verleiht dem Putz in Kombination mit Ethylen ein hohes Maß an Elastizität und macht die Beschichtung dadurch besonders dehnfähig. Dies ist ideal, um diese Unebenheiten auszugleichen. „Gerade wenn wie im Fall der Burg Prunn ein hohes Maß an Dehnfähigkeit gefordert wird, zeigt sich die Qualität des Bindemittels“, ist Herold überzeugt. Vinnapas verbessert zudem die Verarbeitbarkeit der damit vergüteten Massen. Es verbessert die rheologischen Eigenschaften und macht es so maschinenapplizierbar – eine Eigenschaft, die gerade bei so großen Flächen wie bei der Burg Prunn unverzichtbar ist. Außerdem sorgt das Vinyllaurat im Dispersionspulver dafür, dass der Putz dauerhaft hydrophob ist, und schützt so das darunterliegende Mauerwerk vor eindringendem Wasser.

Alte Maßstäbe, neue Mittel

„Natürlich haben wir bei den Sanierungsarbeiten auf die modernsten Bautechnologien gesetzt, um die Burg bestmöglich mit den aktuell verfügbaren Mitteln zu erhalten“, bestätigt Hollweck. „Aber wir haben auch darauf geachtet, dass das historische Erscheinungsbild erhalten bleibt, indem wir in erster Linie regionale Rohstoffe verwendet haben.“ Heute, Jahrhunderte nach ihrer Erbauung, erstrahlt die Burg wieder im neuen Glanz. Und das, obwohl die Renovierungsarbeiten ebenfalls bereits zehn Jahre her sind. Ein Grund dafür liegt sicherlich auch in den neu eingebrachten Baumaterialien: Denn im Vergleich zu vielen historischen Bindemitteln haben Polymere den Vorteil, wasserabweisend zu sein. Dadurch kann keine Feuchtigkeit ins Mauerwerk eindringen und es schädigen. Heute schützen deshalb die beschriebenen innovativen polymeren Bindemittel die Burg Prunn nachhaltig und erhalten so die architektonische Meisterleistung für viele weitere Generationen. (bm)

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