Aufschwung im Chemieanlagenbau

Höhere Nachfrage nach Chemieanlagen dank steigender Rohölpreise, Modernisierungen und Serviceaufträge im Kundenfokus

  • Verbesserte Rahmenbedingungen beflügeln Branche, Modernisierungen und Serviceaufträge im KundenfokusVerbesserte Rahmenbedingungen beflügeln Branche, Modernisierungen und Serviceaufträge im Kundenfokus
  • Verbesserte Rahmenbedingungen beflügeln Branche, Modernisierungen und Serviceaufträge im Kundenfokus
  • „Der globale Klimawandel und die daraus resultierenden politischen Konsequenzen treiben den Chemieanlagenbau um.“ Jürgen Nowicki, Sprecher, VDMA-AGAB

Der Gesamtauftragseingang der im VDMA organisierten Großanlagenbauer sank 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 6 %. Im Gegensatz dazu konnte der Chemieanlagenbau steigende Auftragseingänge verbuchen, was insbesondere auf Großaufträge aus dem Ausland zurückzuführen war: Die Bestellungen für verfahrenstechnische Chemieanlagen übertrafen mit 2,7 Mrd. EUR den Vorjahreswert (2016: 1,7 Mrd. EUR) um 55 %, wie der VDMA im Lagebericht 2017/2018 der Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau (AGAB) schreibt. Angesichts des volatilen Marktumfelds und des hohen Wettbewerbsdrucks hat sich die Branche damit gut behauptet und konnte erstmals seit 2013 wieder steigende Auftragseingänge verbuchen

Höhere Nachfrage dank steigender Rohölpreise

Der Preis für Rohöl ist in der zweiten Jahreshälfte 2017 um 35 % gestiegen und hat im Dezember mit 67 USD pro Fass ein Dreijahreshoch erreicht. 2018 hat sich dieser Trend fortgesetzt. Bis Ende Mai stieg der Rohölpreis um weitere 20 % auf rund 80 USD pro Fass. Hauptgrund für diesen Höhenflug ist die Ende 2016 beschlossene Drosselung der Produktion durch die OPEC und wesentliche Nicht-OPEC-Länder wie etwa Russland. Im laufenden Jahr könnte die angespannte politische Situation in einigen Erdöl-exportierenden Ländern (vor allem Iran und Venezuela) zu einer weiteren Angebotsverknappung und damit zu einer Fortsetzung des Preisanstiegs führen. Dem steht in Form der steigenden Produktion von Schieferöl in den USA jedoch ein langfristig Preis-dämpfender Effekt gegenüber.

Folgen der internationalen Klimapolitik

Die Verpflichtungen, die sich aus dem Pariser Klimaabkommen von 2015 ergeben, fordern die politischen Akteure und die Kunden des Chemieanlagenbaus zu aktivem Handeln auf. Initiativen zur Vermeidung, Sequestrierung und Nutzung von CO2 und zum Aufbau nachhaltig wirtschaftender Industrien werden daher von vielen Regierungen intensiv vorangetrieben. Das Übereinkommen von Paris bildet insofern auch die Basis für den Übergang in ein kohlenstoffärmeres Wirtschaftsmodell. Der VDMA-Chemieanlagenbau reagiert auf diese Vorgaben und nutzt die potenziellen Chancen, die sich etwa bei der Umrüstung bestehender Anlagen sowie bei der Entwicklung energieeffizienter Prozesse ergeben.

„Der globale Klimawandel und die daraus resultierenden politischen Konsequenzen treiben den Chemieanlagenbau um“, konstatiert auch Jürgen Nowicki, Sprecher der VDMA-Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau.

Vor diesem Hintergrund wird sich der Trend zum Bau integrierter Raffinerie- und Petrochemiekomplexe vermutlich fortsetzen. Die Betreiber solcher Anlagen können eine hohe Fertigungstiefe erzielen und auf diese Weise Verbesserungen bei der Ressourceneffizienz erreichen.

Russland bleibt wichtiger Markt

Nach zwei Jahren der Rezession hat sich die russische Wirtschaft wieder stabilisiert und ist 2017 um 1,7 % gewachsen. Dies ist nicht zuletzt den deutlich gestiegenen Preisen für Erdöl und andere Rohstoffe zu verdanken, von deren Export Russland stark abhängig ist. Die 2014 verhängten Wirtschaftssanktionen wurden 2017 nicht gelockert. Der EU-Rat verlängerte die Sanktionen vielmehr bis Ende Juli 2018. Dennoch bleibt Russland für den VDMA-Chemieanlagenbau ein wichtiger Markt. Die Bestellungen beliefen sich 2017 auf 765 Mio. EUR (2016: 707 Mio. EUR). Wesentlich zu diesem Wachstum hat ein Auftrag zum Bau einer Olefinanlage in Tatarstan beigetragen, der der Branche als Referenz für weitere Projekte in diesem osteuropäischen Wachstumsmarkt dienen kann.

China setzt verstärkt auf Nachhaltigkeit

China ist vor den USA und Deutschland der mit Abstand größte Produktionsstandort der chemischen Industrie weltweit. Allerdings werden Genehmigungen für neue Chemieanlagen mittlerweile restriktiver als in der Vergangenheit gehandhabt. Neben wirtschaftlichen Erwägungen spielen Nachhaltigkeitsaspekte eine immer wichtigere Rolle bei staatlichen Investitionsentscheidungen. Ineffiziente Produktionsstandorte werden geschlossen und umweltschonende, energieeffiziente Technologien gefördert. Dies eröffnet dem deutschen Chemieanlagenbau, der sich als globaler Technologie- und Effizienzführer sieht, vielfältige Perspektiven. Allerdings wird der Wettbewerb um neue Projekte in China äußerst intensiv geführt – nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass lokale Anbieter in Bezug auf ihre technischen und methodischen Fähigkeiten deutlich aufgeholt haben.

Die USA auf dem Weg zur Energiesupermacht

Die Wirtschaft der USA ist 2017 um 2,3 % (2016: 1,7 %) gewachsen, wozu Investitionen im Rohstoffsektor wesentlich beigetragen haben. Durch die zunehmende Ausbeutung unkonventioneller Öl- und Gasvorkommen konnten in den USA 2017 durchschnittlich etwa 9,3 Mio. Barrel Rohöl pro Tag produziert werden. Für 2018 wird eine Steigerung der Fördermenge auf 10,3 Mio. Barrel erwartet, womit der bisherige Rekord aus dem Jahr 1970 deutlich übertroffen würde. Für den im VDMA organisierten Chemieanlagenbau bieten sich vor diesem Hintergrund vielfältige Marktchancen, etwa beim Bau von Anlagen zur Aufbereitung und Weiterverarbeitung von Rohstoffen. Im vergangenen Jahr stiegen Bestellungen aus den Vereinigten Staaten um 23 % auf 225 Mio. EUR (2016: 183 Mio. EUR).

Mittlerer Osten: Saudi-Arabien und Iran im Fokus

Die OPEC und Partnerstaaten wie Russland haben sich darauf verständigt, ihre seit November 2016 bestehenden Förderkürzungen für Rohöl bis Ende 2018 aufrecht zu erhalten. Diese Deckelung soll den volatilen Ölpreis stabilisieren. Ungeachtet dessen treibt Saudi-Arabien die Stärkung seiner Wirtschaft im Zuge der „Saudi Vision 2030“ voran. Grundlegendes Ziel dieses Masterplans ist der Umbau und die Schaffung einer diversifizierten, von der Ölförderung weniger abhängigen Wirtschaftsstruktur. Die Veredlung von Rohstoffen, etwa in der chemischen Industrie, ist ein wichtiger Baustein in diesem Mosaik. Der lokale Markt für Chemieanlagen wird jedoch seit Jahren von Anbietern aus Asien dominiert. Die Projektgrößen im Rohstoffsektor sind enorm und damit auch die entsprechenden Risiken. Allerdings gibt es bei den Projektstrukturen derzeit Veränderungen und eine Aufteilung der Megaprojekte in kleinere Lose ist offenbar geplant. Auf deutsche Anbieter könnte sich diese Entwicklung positiv auswirken.

Nach der im Zuge des Atomabkommens vereinbarten Aussetzung der EU-Sanktionen gegen den Iran im Jahr 2015 hatten sich die Auftragseingänge des VDMA-Großanlagenbaus in den beiden Folgejahren auf einem Niveau von rund 300 Mio. EUR stabilisiert. Auf den Chemieanlagenbau entfielen davon etwa 20 %. Damit blieben die Ausfuhren zwar deutlich unter den Werten aus der Zeit vor den Sanktionen zurück, die Hoffnung auf zukünftige Großaufträge war aber wiedererwacht. Durch den im Mai 2018 vollzogenen Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen ist diese Perspektive jedoch verloren gegangen. Die Phase wachsender Erwartungen im Chemieanlagenbau scheint vorläufig beendet zu sein, vor allem auch, weil die Unternehmen ihre Geschäfte im wichtigen US-Markt nicht gefährden wollen.

Europa: Chancen bei Modernisierungsprojekten und Biokraftstoffen

Die Länder der EU wuchsen 2017 mit 2,2 % so stark wie seit 2007 nicht mehr. Für 2018 wird von der Weltbank ein weiteres Wachstum um 2,3 % prognostiziert. Diese guten Rahmenbedingungen sollten sich positiv auf die Auftragseingänge im Chemieanlagenbau auswirken. Trotz der Verlagerung von Produktionskapazitäten in Schwellenländer wird es weiterhin Neubauten sowie vermehrt Modernisierungs- und Erweiterungsprojekte geben. Allerdings wird das Investitionsklima durch politische Ungewissheiten wie etwa den Brexit belastet.

Anfang 2018 hat das Europäische Parlament beschlossen, dass ab dem Jahr 2030 mindestens 12 % der im Verkehr verbrauchten Energie aus erneuerbaren Quellen stammen soll. Der Anteil moderner Biokraftstoffe, erneuerbarer Kraftstoffe nicht-biologischen Ursprungs, fossiler Brennstoffe auf Abfallbasis und von Elektrizität aus erneuerbaren Quellen soll 2021 mindestens 1,5 % betragen und bis 2030 auf 10 % ansteigen. In diesem Segment können sich für den deutschen Anlagenbau gute Chancen bei der Vermarktung nachhaltiger Produktionstechnologien ergeben.

Chancen für den Chemieanlagenbau in einem anspruchsvollen Umfeld

Die in den letzten Jahren bestehenden Anforderungen an den Chemieanlagenbau bleiben weiterhin gültig: Die globalen Kunden verlangen innovative Produkte, die mit entsprechenden Dienstleistungspaketen verknüpft sind. Eine professionelle und mit digitalen Techniken verknüpfte Projektabwicklung in Kundennähe wird dabei vorausgesetzt. Hierzu werden hochqualifizierte Fachkräfte – z.B. Verfahrensingenieure, Projektmanager und Baustellenleiter – benötigt.

Bedingt durch den steigenden Ölpreis und die wieder anziehende Weltkonjunktur hat sich der Markt für Chemieanlagen belebt und die Chancen auf neue Aufträge sind gestiegen. Neben einzelnen Großprojekten stehen vor allem Modernisierungen und Serviceaufträge im Fokus der Kunden. Der VDMA-Chemieanlagenbau ist auf diese Entwicklungen gut vorbereitet und verfügt über herausragende Kompetenzen bei der Abwicklung der unterschiedlichen Projektarten. (mr)

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