Strategie & Management

Cloud Computing für Unternehmen

13.06.2012 -

IT-Anbieter sehen im Cloud Computing neue Chancen für Unternehmen. Das Rechnen in der Wolke verspricht sinkende Kosten bei höherer Flexibilität. Was ist dran an diesem Versprechen?

Die IT-Marktanalysten überschlagen sich förmlich mit Studien zum Cloud Computing. Fast ohne Ausnahme versprechen sie der IT-Branche goldene Zeiten. Die jüngste Marktanalyse der Experton-Group taxiert den Umsatz mit Cloud Computing in Deutschland für dieses Jahr auf 5,3 Mrd. € - ein Plus von 47 % gegenüber 2011. Und der Branchenverband Bitkom prognostiziert auch für die Jahre danach zweistellige Wachstumsraten.

Soweit die Marktprognosen. Andere Studien spiegeln ein anderes Bild wider. Zwar nutzen laut einer repräsentativen Befragung des Beratungsunternehmens KPMG und des Bitkom gut ein Viertel aller Firmen in Deutschland Cloud Computing und der weitaus überwiegende Teil hat positive Erfahrungen gemacht. Doch andererseits hält sich eine gute Portion Skepsis. Drei von vier Unternehmen erwarten laut einer Umfrage von PWC für ihr Unternehmen keinen Vorteil durch Cloud Computing. Fast alle fürchten die Risiken von Datensicherheit und -schutz sowie Compliance und die Hälfte sieht Probleme bei der Systemintegration.

IT-Ressourcen nach Bedarf
Was verspricht Cloud Computing eigentlich und wie sieht es mit den Risiken aus? Bei der Beantwortung dieser Fragen herrscht nach wie vor Unklarheit, da die Diskussion noch immer verschiedene Aspekte des Cloud Computings vermischt. Im Grunde erleben IT-Nutzer derzeit ein Paradigmenwechsel, vergleichbar mit der Entwicklung der Stromversorgung. Noch im 19. Jahrhundert produzierte jedes größere Unternehmen die benötigte Energie selbst. Mit dem Aufkommen zentraler Energieproduzenten und dem Aufbau von Stromnetzen gaben die Unternehmen die Eigenproduktion von Strom weitgehend auf.

Ähnliches vollzieht sich derzeit in der IT - wenn auch nicht so radikal. Unternehmen können Rechen- und Speicherkapazität sowie Software über Datennetze nutzen, statt sie selbst aufzubauen und zu pflegen. Dies hat Vorteile: Notwendige Investitionen in Hard- und Software sinken, da Firmen IT-Ressourcen aus zentralen Rechenzentren nach Bedarf beziehen und nach Verbrauch bezahlen. Steigt der Bedarf, lassen sich kurzfristig und für begrenzte Zeit Kapazitäten beliebig skalierbar dazubuchen und anschließend wieder abmanagen. Auch wenn ein Initial-Aufwand zum Aufbau eines Cloud-Services notwendig ist, wandeln sich somit Fixkosten in variable Kosten, die sich dem Geschäftsverlauf anpassen. In anderen Bereichen ist der Einkauf von Ressourcen nach Bedarf längst üblich, z.B. bei Rohstoffen, Vorprodukten oder Dienstleistungen. Dies bringt Agilität in das eigene Wirtschaften, was insbesondere durch die zunehmende Volatilität der Märkte ein Merkmal ist, mit dem sich Unternehmen im Wettbewerb abheben können.

Cloud verspricht Einsparungen
Das Cloud Computing verspricht aber nicht nur die Variabilisierung von Kosten, sondern es ergeben sich auch Einsparpotentiale, wie eine aktuelle Studie von Deutsche Bank Research ermittelt hat: Je nach Branche sollen Unternehmen zwischen drei und 21 % gegenüber herkömmlichen IT-Strukturen sparen können. Dies ist möglich, da Cloud-Anbieter Skaleneffekte erzielen und ihre eigene Infrastruktur stärker auslasten. Damit sinken die Stückkosten für Hard- und Software.

Auch für den Betrieb der IT ergeben sich Vorteile. Die Komplexität der IT-Landschaften ist in den vergangenen Jahren so weit fortgeschritten, dass Wartung und Service der bestehenden Systeme einen Großteil der IT-Budgets verschlingen. Beziehen Unternehmen zumindest Standardsysteme aus der Cloud, schaffen sie sich wieder Luft, in neue Technologien zu investieren. Von der rasanten Entwicklung der IT-Systeme wiederum profitieren die Nutzer automatisch, denn spezialisierte IT-Dienstleister passen ihre Systeme in kürzeren Abständen an, als es ein Unternehmen selbst leisten könnte.

Grundsätzlich gibt es verschiedene Servicemodelle und Ausprägungen des Cloud Computings. So beziehen Anwender mit „Infrastructure as a Service" nur Rechenleistung und Speicher über das Netz. Hier liegen die Skaleneffekte höher als bei „Software as a Service", denn auch im Cloud Computing ist der Service und die Weiterentwicklung rund um Geschäftsanwendungen weitaus personalintensiver als im reinen Serverbetrieb. Eine weitere Spielart des Cloud Computings ist „Landscape as a Service", bei dem der Cloud-Anbieter ganze Systemlandschaften wie SAP über das Netz bereitstellt.

Wer solche Cloud-Services nutzen will, muss auch zwischen der Public, Private und Hybrid Cloud unterscheiden. Genau in diesem Punkt bestehen bezüglich Datensicherheit, Datenschutz und Compliance wesentliche Unterschiede. Nutzer von Public Cloud-Services haben nur begrenzten Einfluss darauf, wo der Anbieter Daten verarbeitet und Software betreibt. Oftmals sind Daten auf mehrere Rechenzentren auf verschiedenen Kontinenten verteilt. Cloud-Anbieter sind dann kaum in der Lage, den genauen Speicherort zu benennen. Trotzdem kann es sein, dass sich die Public Cloud auch für Unternehmen in bestimmtem Rahmen eignet: wenn Daten z.B. geschäftsunkritisch sind oder auch reine Rechenpower gefragt ist. Hier profitiert der Nutzer dann noch mehr von den Skaleneffekten als in der Private Cloud.

Datenschutz in der Private Cloud
Die Private Cloud dagegen erfüllt hohe Ansprüche an Sicherheit, Datenschutz, Compliance und Verfügbarkeit. Hier können Unternehmen detaillierte Verträge mit dem Cloud-Betreiber abschließen. In ihnen sollten sie z.B. festlegen, in welchen Rechenzentren die Betreiber ihre Daten verarbeiten und archivieren dürfen. So unterscheidet sich die Datenschutzgesetzgebung in den Ländern teilweise erheblich. Betreiber von deutschen Rechenzentren müssen sehr hohen technischen und prozessualen Aufwand in die IT-Sicherheit stecken. T-Systems z.B. betreibt Cloud Computing-Rechenzentren u.a. in München und Frankfurt und sichert sie jeweils mit Zwillingsrechenzentren ab, in denen alle Systeme und Daten in Echtzeit gespiegelt sind.

Zugriffsrechte definieren, wer auf welche Daten zugreifen darf. Dies geht so weit, dass sensible Daten nicht einmal der verantwortliche Administrator einsehen kann. Zudem lassen sich mit einem Private Cloud-Anbieter Service Level vereinbaren, die die Verfügbarkeit der Dienste unter Vertragsstrafe garantieren. Solche Service Level Agreements kann der Cloud-Nutzer über Online-Reports kontrollieren. Die weit überwiegende Zahl der Cloud-Nutzer setzt derzeit auf sog. Private Clouds. Dagegen nutzen laut Bitkom nur 6 % der Unternehmen eine Public Cloud.

Und wie kommen Unternehmen in die Cloud? Dazu sollten sie zunächst ihre aktuelle IT-Landschaft genau analysieren und die Bereiche definieren, die sich für erste Schritte in die Cloud besonders eignen. Dazu gehören z.B. reine, hoch standardisierte Infrastrukturleistungen. Hier lassen sich die Möglichkeiten des Cloud Computings ohne Risiken testen. Letztendlich bedeutet Cloud Computing, sich ein Stück weit von einer proprietären IT-Landschaft zu verabschieden und stattdessen auf Standardisierung und industrialisierte Prozesse zu setzen. Dies fällt vielen Unternehmen noch schwer, denn in den zurückliegenden Jahrzehnten ist die IT auf Individualität getrimmt worden. Dies gilt selbst für Standardprozesse, wie sie ERP-Systeme abbilden.

Unternehmen heben sich heute nicht mehr durch ihre IT im Markt ab. Stattdessen zählen schnelles Time-to-market, schlanke und agile Prozesse sowie Innovationsfähigkeit. Bruno Wallraf, Partner bei KPMG, ist daher überzeugt: „Cloud Computing dürfte sich schon bald weiter etablieren, zumal die Bandbreiten und das entsprechende Angebot an Dienstleistungen stark wachsen. Sicherheitsaspekte sollten Unternehmen dabei immer im Auge behalten - wobei professionelle Cloud Computing-Angebote oft sicherer sind als manche unternehmenseigene IT-Netze." Die meisten Kunden von T-Systems beziehen inzwischen ihre SAP-Services aus der Cloud. Dazu gehören auch Konzerne wie Shell, Philips oder MAN.  

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