Schweizer Exportindustrien Chemie, Pharma, Life Sciences stehen vor Herausforderungen

Scienceindustries fordert mehr Pragmatismus und weniger Ideologie

  • Die Mitgliedsunternehmen von Scienceindustries steuern jährlich fast 40% zum Gesamtaufwand für Forschung und Entwicklung in der Schweiz bei. (C) NovartisDie Mitgliedsunternehmen von Scienceindustries steuern jährlich fast 40% zum Gesamtaufwand für Forschung und Entwicklung in der Schweiz bei. (C) Novartis
  • Die Mitgliedsunternehmen von Scienceindustries steuern jährlich fast 40% zum Gesamtaufwand für Forschung und Entwicklung in der Schweiz bei. (C) Novartis
  • Matthias Leuenberger, Präsident, Scienceindustries

Die Industriezweige Chemie, Pharma, Life Sciences in der Schweiz – organisiert im Wirtschaftsverband Scienceindustries – erarbeiten mit ihren gut 70.000 Mitarbeitenden 45% der Gesamtexporte und sind damit unangefochten die größte Exportindustrie der Schweiz. Die Mitglieder von Scienceindustries erwirtschaften 98% ihres Umsatzes im internationalen Wettbewerb. Ungefähr die Hälfte ihrer Exporte gehen in die EU. Als kleine Nation ist die Schweiz deshalb auf gute wirtschaftliche Beziehungen mit der EU und Ländern aus der ganzen Welt angewiesen.

Die Schweiz ist eine Exportnation ersten Ranges. Allein die Industrien Chemie, Pharma, Life Sciences exportierten 2018 für rund 104 Mrd. CHF Produkte in die ganze Welt. Dieser Leistungsausweis ist nicht selbstverständlich, sondern hart erarbeitet. Als Wirtschaft stellen wir allerdings fest, dass diese unternehmerische Leistung von Politik und Gesellschaft immer mehr als "selbstverständlich" angesehen wird. Und dies ausgerechnet in einem politischen Umfeld, in dem die Anzahl der ungelösten globalen wie regionalen Fragen zu- und nicht etwa abnehmen.

So machen es die anhaltenden Unsicherheiten und Spannungen im internationalen Handel, wie etwa diejenigen zwischen den USA, China und der EU, der ungelöste Brexit sowie die anhaltende Blockierung der Welthandelsorganisation WTO, für die Mitgliedsunternehmen von Scienceindustries immer schwieriger, den Zugang zu den globalen Märkten zu erhalten.

Wesentlicher Erfolgsfaktor: bilaterale Verträge mit der EU

Insgesamt regeln inzwischen über 120 bilaterale Verträge die Beziehungen der Schweiz mit der EU. Dabei umfassen die Bilateralen I die fünf Marktöffnungsabkommen, wodurch der ungehinderte Marktzugang überhaupt erst möglich ist. Für die forschungsintensiven, exportorientierten Schweizer Unternehmen sind diese bestehenden Verträge daher ein wichtiger Standortfaktor.

Die Verträge mit der EU verflechten auch eng Deutschland und die Schweiz wirtschaftlich miteinander. So ist Deutschland vor den USA mit Abstand der größte Handelspartner der Schweiz.

Auch die wirtschaftliche Bedeutung der Schweiz für den deutschen Außenhandel ist wesentlich, so nimmt die Schweiz in der Rangliste der bedeutendsten deutschen Handelspartner den 9. Platz bei den Exporten und den 8. Platz bei den Importen ein. Außerhalb des europäischen Binnenmarkts wird die Schweiz nur von den USA und China übertroffen.

Bezogen auf die chemisch-pharmazeutische Industrie der Schweiz ist Deutschland das zweitwichtigste Abnehmerland. So wurden 2018 Güter von 16.6 Mrd. CHF in unser Nachbarland exportiert. Ein Viertel der Importe für unsere Industrie stammt aus Deutschland. So profitiert auch unser nördlicher Nachbar erheblich von den bilateralen Verträgen mit der Schweiz. Daher sollte es auch im Interesse Deutschlands sein, sich innerhalb der EU vermehrt für den Erhalt des bilateralen Wegs mit der Schweiz einzusetzen. Scienceindustries unterstützt folgerichtig ihrerseits den Vorschlag des Bundesrates für ein institutionelles Rahmenabkommen mit der EU, welches eine effizientere Anwendung der Verträge im Marktzugangsbereich gewährleisten soll.

Schutz des geistigen Eigentums essenziell

Neben den gesicherten Beziehungen zur EU ist ein Ausbau der Zusammenarbeit mit anderen Weltregionen durch Freihandelsabkommen - insbesondere mit den USA und Mercosur - essenziell für den zukünftigen Erfolg der chemisch-pharmazeutischen Industrie in der Schweiz. Zwingend für die forschungsorientierte Industrie ist dabei die explizite Anerkennung resp. Anwendung der internationalen Schutzstandards TRIPS beim Schutz des geistigen Eigentums. Ein qualitativ gutes Abkommen geht aber einem schnellen Abschluss vor.

Die Industrien Chemie, Pharma, Life Sciences begrüßen die Verhandlungen des Schweizer Staatssekretariats für Wirtschaft SECO im Rahmen der EFTA Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit dem gemeinsamen Markt Südamerikas, den Mercosur-Staaten sehr. Dem Vernehmen nach sind die Verhandlungen im Rahmen der EFTA zum Abschluss eines Freihandelsabkommens mit den Mercosur-Staaten bereits weit fortgeschritten. Aber auch hier muss für die Schweiz eine explizite Anerkennung der internationalen Schutzstandards TRIPS garantiert sein.

Forschung und Innovation: Lösungen für aktuelle Herausforderungen

Die Mitgliedsunternehmen von Scienceindustries steuern jährlich fast 40% zum Gesamtaufwand für Forschung und Entwicklung in der Schweiz bei. Im vergangenen Jahr waren dies über 6 Mrd. CHF. Wir stellen in Diskussionen in der Schweiz und in ganz Europa in breiten Gesellschaftskreisen allerdings eine bröckelnde Akzeptanz von wissenschaftlichen Erkenntnissen fest. Die anhaltenden Auseinandersetzungen über neue Technologien und allgemein über Fortschritt, sollten nicht nur die realen und vermeintlichen Gefahren und Risiken, sondern auch den Nutzen und die Chancen dieser neuen Technologien berücksichtigen. Eine allgemeine Null-Risiko-Haltung ist der Tod jeglichen Fortschritts.

Einschränkungen oder gar Verbote sind für eine offene Gesellschaft der falsche Weg. So kann beispielsweise im Bereich der Pflanzenschutzmittel die Forschung einen wichtigen Beitrag für einen nachhaltigeren Umgang mit der Umwelt beisteuern. Durch Forschungsinvestitionen fördern unsere Mitgliedunternehmen im Agrarbereich die Entwicklung nachhaltiger und schonender Wirkstoffe für den Pflanzenschutz. Die Landwirte können viel niedrigere Dosen anwenden und trotzdem die gleiche Schutzwirkung erzielen – die neuen Wirkstoffe sind nicht nur effizienter, sondern auch deutlich sicherer für Mensch und Umwelt.

Umgang von Gesellschaft und Wirtschaft mit der Umwelt

Die Klimadebatte hat in den letzten Monaten in der Schweiz, wie in vielen europäischen Ländern, an Bedeutung gewonnen. Allerdings ist nachhaltiges Wirtschaften für unsere globale Industrie seit langem eine Selbstverständlichkeit. Die chemisch-pharmazeutische Industrie verpflichtet sich bereits seit 1985 freiwillig mit der globalen Initiative "Responsible Care" zum sicheren Umgang mit ihren Produkten über deren gesamten Lebenszyklus. In der Schweiz setzt sich Scienceindustries aktiv für die Einhaltung dieser weltweiten Responsible Care-Grundsätze ein.

Folgerichtig unterstützt Scienceindustries das Abkommen über die Verknüpfung des schweizerischen Emissionshandelssystems EHS mit demjenigen der EU. Die effektiven CO2-Emissionen der am EHS teilnehmenden Unternehmen konnte gegenüber 2013 um 933.856 t CO2 (-16.9%) reduziert werden. Das Schweizer Zielvereinbarung-Modell zur Befreiung der CO2-Abgabe hat sich ebenfalls als Erfolgsmodell bewiesen: Dadurch konnte die Chemie- und Pharmabranche gegenüber 2008 ca. 350.000 t CO2-Äquivalente pro Jahr einsparen, das entspricht fast einem Fünftel der gesamten Leistung des Zielvereinbarungssystems.

Diese Reduktionen stellen denn auch einen bedeutenden Beitrag zur Erreichung des Emissionsverminderungsziels der Schweiz bis 2020 dar. Deshalb sollen die Zielvereinbarungen in Zukunft auch allen Unternehmen außerhalb des Emissionshandelssystems offenstehen. Scienceindustries setzt sich für die Flexibilisierung der Ziele im Inland wie im Ausland ein; denn für Industrieunternehmen bleiben Reduktionsmaßnahmen und die entsprechenden Investitionen im eigenen Betrieb auch bei einer vollen Anrechnung von Auslandmaßnahmen attraktiver.

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