Aufschwung made in Germany

Aufschwung made in Germany - IV. Amcham Business Barometer beurteilt Standort Deutschland. Das Amcham Business Barometer dokumentiert die Zufriedenheit von US-Unternehmen mit dem Standort Deutschland. Bereits zum vierten Mal in Folge wurden US-Investoren befragt, wie sie den Wirtschaftsstandort im europäischen Wettbewerb bewerten.

Schwerpunktthema der Umfrage unter 180 Unternehmen war diesmal der Standortfaktor „Mitarbeiter". Erstmals 2003 erhoben, zeigt die Studie frühzeitig Trends und Jahresvergleiche auf.

Die US-amerikanischen Unternehmen in Deutschland sehen den Standort im deutlichen Aufschwung. Dies zeigt der Jahresvergleich des IV. Amcham Business Barometer, das die Boston Consulting Group (BCG) und die Amerikanische Handelskammer in Deutschland (Amcham Germany) bei den führenden US-Investoren durchgeführt haben.

Zu den wichtigsten Standortfaktoren gehört dabei die Mitarbeiterqualifikation. Mehr als die Hälfte der im Rahmen des IV. Amcham Business Barometers befragten US-Unternehmen (53 %) geben an, dass sich die Attraktivität Deutschlands im Vergleich zum Vorjahr weiter verbessert hat.

Als Standort für Unternehmenszentralen liegt Deutschland im europäischen Vergleich an der Spitze. Dies schlägt sich auch bei den Umsatzerwartungen nieder:

80% der US-Investoren erwarten in diesem Jahr trotz Mehrwertsteuererhöhung Umsatzzuwächse, 57 % wollen ihre Investitionen auch 2007 erhöhen. „Deutschland hat in den letzten Jahren für US-Investoren kontinuierlich an Attraktivität gewonnen", sagt Fred B. Irwin, Präsident der American Chamber of Commerce in Germany (Amcham Germany), „72% konnten ihren Umsatz 2006 steigern."

Fast jedes zweite US-Unternehmen hat 2006 neue Jobs geschaffen. Deutschland ist mit 130 Mrd. € Investitionen ein Schwerpunkt der US-Investitionen in Europa.

Die Zahl der Unternehmen, die ihre Investitionen in Deutschland erhöht haben, ist von 2005 auf 2006 von 32 auf 56 % gestiegen. Es ist zu erwarten, dass die Zahl der direkten Arbeitsplätze - derzeit über 800.000 - bei den US-Unternehmen in Deutschland weiter wächst, denn bereits 2006 haben sich Umsatzsteigerungen erstmals positiv auf dem Arbeitsmarkt ausgewirkt.

Waren zu Beginn des Jahres 2006 nur 31% der US-Unternehmen davon ausgegangen, dass sie neue Mitarbeiter einstellen würden, hatten am Jahresende deutlich mehr, nämlich 45 %, tatsächlich neue Stellen geschaffen.

Noch positiver sind die Einstellungsziele für 2007: Weitaus mehr US-Unternehmen wollen Mitarbeiter einstellen (40%) als Personal reduzieren (24 %).

„Die Pessimismusspirale ist gestoppt. Stattdessen verstärken das reale Wachstum und das neu gewonnene Vertrauen in den Standort einander gegenseitig", sagt BCG-Geschäftsführer Martin Koehler.

 


Sorgenkind Gesetzgebung

Eine Ursache für die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ist auch eine Trendwende bei Verlagerungen. Osteuropa ist im europäischen Vergleich für US-Unternehmen zwar der mit Abstand attraktivste Investitionsstandort, aber „neue F&E-Zentren in Rumänien oder der Fabrikausbau in Tschechien gehen nicht automatisch zulasten Deutschlands", berichtet Koehler aus Gesprächen mit US-Investoren.

Gerade in der Produktion hat sich der Trend bei Abbau und Verlagerung verlangsamt. 2006 planten noch 24 % einen Abbau der Produktion in Deutschland, 2007 sind es nur noch 16 %. Jeder fünfte US-Investor will seine Produktionskapazitäten sogar ausbauen.

„Wir sehen in Einzelfällen auch eine Rückverlagerung von komplexen Produktions- und Verwaltungsaufgaben nach Deutschland", betont Koehler. Bei weniger komplexen Prozessen, aber auch vermehrt bei Forschung & Entwicklung steht der Standort jedoch im harten internationalen Wettbewerb.

„Die deutsche Arbeitsgesetzgebung ist das Sorgenkind der US-Investoren", unterstreicht Amcham-Präsident Irwin.

„Fast jeder dritte fordert einen flexibleren Arbeitsmarkt, um besser auf kurzfristige Nachfragespitzen reagieren zu können." Niedrigere Personalkosten sind dagegen nur für 27 % und damit im Vergleich zum Vorjahr für weniger US-Unternehmen ein drängendes Thema bei der Standortverbesserung.

Hochqualifizierte Mitarbeiter sind Deutschlands größte Stärke, das ergab die Umfrage zum diesjährigen Schwerpunktthema „Mitarbeiter".

Die befragten US-Unternehmen geben der Studien- und Berufsausbildung „made in Germany" ausnahmslos sehr gute bis gute Noten - insbesondere den Ingenieurwissenschaften.

„Deutsche Ingenieure sind weltweit spitze und werden deshalb sehr geschätzt", sagt Koehler.

„Wenn es aber darum geht, gute Ideen zu finanzieren und zu vermarkten, vermissen US-Investoren oft den Praxisbezug und betriebswirtschaftliches Know-how." Mit der guten Ausbildung kann Deutschland als Standort aber nur bedingt punkten: „Beim ‚Hightech-Manufacturing' ist Deutschland dank der exzellenten Facharbeiterausbildung zwar nach wie vor der führende Produktionsstandort", sagt Otmar Debald, Vizepräsident der Amcham Germany.

„Werden die Produktionsprozesse und Technologien einfacher, dann zählen vor allem Lohnkosten, und diese sind in Osteuropa oder bei der Produktion elektronischer Kleinteile in China niedriger."

 


Fehlender Mut zum Risiko?

Neben dem Kostenfaktor zählen auch die „Soft Skills", und hier tut sich in Deutschland - neben dem quantitativen Mangel an verfügbaren Ingenieuren oder IT-Fachkräften - eine weitere, qualitative Lücke auf: Wichtiger als die „typisch deutschen" Tugenden Zuverlässigkeit und Genauigkeit sind den US-Unternehmen Engagement und Eigeninitiative, Teamfähigkeit sowie Verantwortungsbereitschaft.

Bei diesen Eigenschaften geben US-Investoren ihren deutschen Mitarbeitern nur mittelmäßige Noten.

Auf der Führungsebene sind Manager mit Mut zum Risiko (73% der Nennungen), der Fähigkeit zu interdisziplinärem Denken (59 %) und Verantwortungsbereitschaft (41%) gefragt - Eigenschaften, die aus US-Sicht nicht zu den deutschen Stärken zählen; so erhalten Deutsche in punkto Risikobereitschaft nur ein „Befriedigend".

Darüber hinaus fehlt deutschen Managern ein ausgeprägtes (Selbst-)Vermarktungstalent. „US-Manager betonen stärker ihre Erfolge. Wir brauchen die deutsche Sorgfalt, aber insgesamt sollten deutsche Führungskräfte lernen, sich noch besser zu verkaufen", sagt Irwin.

 


Kontakt:

Patricia Limburg
American Chamber of Commerce in
Germany e.V., Frankfurt/Main
Tel.: 069/929104-41
Fax: 069/929104-11
plimburg@amcham.de

 

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