19.07.2017
ThemenStrategie

Digitale Chemie und Pharma

Wie Ihnen Digitalisierung helfen kann, Ihr Unternehmen fit für die Zukunft machen

  • Ömer Atiker, Geschäftsführer Click Effect Internet Marketing und Autor des Wiley Fachbuches "In einem Jahr Digital"Ömer Atiker, Geschäftsführer Click Effect Internet Marketing und Autor des Wiley Fachbuches "In einem Jahr Digital"
  • Ömer Atiker, Geschäftsführer Click Effect Internet Marketing und Autor des Wiley Fachbuches "In einem Jahr Digital"
  • (c) Andrea Danti/Shutterstock

Computer haben wir seit Jahrzehnten im Unternehmen und auch das Smartphone ist bereits zehn Jahre alt. Und doch sprechen alle über Digitalisierung. Doch was genau ist damit eigentlich gemeint? Und wie wird sich unsere Arbeit in Zukunft dadurch ändern? Lesen Sie selbst, wie breit der Einfluss der Digitalisierung wirklich ist und wie Sie Ihr Unternehmen fit für die digitale Zukunft machen.

Digital ist im Grunde alles, was einen Chip hat, von der Kaffeemaschine bis zum Rechenzentrum. Das ist ziemlich viel, deswegen ist es sinnvoll, diese Themen in zehn Bereiche zu bündeln. Über Input erfassen Maschinen ihre Umwelt und was wir von ihnen wollen. Früher gab es nur Tatstatur und Maus, heute Touchscreen, Kamera, Spracheingabe und unzählige Sensoren. Bei Output kannten wir erst Textmasken, dann graphische Oberflächen – heute kombinieren wir Video, 3D-Welten, Virtual und Augmented Reality und Sprachausgabe. Entsprechend gibt es auch die Bereiche Roboter (bis hin zu selbstfahrenden Autos), Cloud, Daten (inkl. Big Data), die Künstliche Intelligenz (KI), die Vernetzung, die Integration von Systemen und die Substitution (wenn physische Produkte komplett verschwinden und durch Digitales ersetzt werden).

Als Unternehmen ist es Ihre Aufgabe, Wert für den Kunden zu schaffen. Die Digitalisierung hilft Ihnen, diesen Wert deutlich zu steigern. Eine bestellte Menge eines Grundstoffs zügig und in passender Qualität zu liefern ist gut. Die Produktion des Kunden mit Ihrem System zu koppeln, so dass das Produkt genau zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle ankommt: Das ist mehr wert. Das Produkt an sich bleibt dasselbe, aber „just in time“ erhöht den Wert für den Kunden.Und so sollten Sie Digitalisierung denken: als Möglichkeit, immer mehr Probleme des Kunden für ihn zu lösen.

Beispiel Produktion

Das Schlagwort dazu ist in Deutschland Industrie 4.0. Sie haben die Smart Factory, bei der Maschinen und Prozesse digital gesteuert werden und sich einzelne Bereiche autonom miteinander abstimmen.

Und Sie verbinden Systeme über die ganze Lieferkette, so dass die Bestellung eines Endproduktes in anderen Firmen direkt die Produktion von Grundstoffen auslöst.

Da Sensoren immer billiger werden, können Sie Ihre Anlagen und die Qualität der Produkte immer detaillierter überwachen und alle Prozesse auch gleich dokumentieren. Das wird entscheidend bei der Serialisierung, wenn Sie bei einer Wagenladung Medikamente jede einzelne Tablette bis zu ihrer Entstehung zurückverfolgen können müssen.

Kluges Messen Ihrer Anlage erlaubt auch Predictive Maintenance – Sie berechnen, wann eine Wartung sinnvoll und notwendig sein wird, damit sparen Sie Kosten und vermeiden Downtime. Und wenn mal etwas nicht funktioniert, können Techniker vor Ort per Datenbrille, Datenhandschuh und Sprachsteuerung sehr viel schneller zum Kern des Problems vordringen. (Und Sie sparen einen enormen Aufwand, wenn Ihre Experten bei schwierigen Fällen einfach virtuell vor Ort sind.)

Sie sehen, wie die Trends Input, Output, Integration und Vernetzung die Produktion sehr viel effizienter und flexibler machen.

Beispiel Forschung & Entwicklung

Die Zukunft gehört eindeutig der Zusammenarbeit. Schon Möglichkeiten wie ein soziales Intranet und Telekonferenzen erlauben es uns, besser in verteilten Teams zusammenzuarbeiten. Es wird aber auch leichter, mit externen Parteien zusammenzuarbeiten – in der Forschung, unter Einbeziehung von großen Gruppen (Crowd) oder mit Co-Creation in enger Zusammenarbeit mit Ihren Kunden.

Computer helfen bei der Entwicklung von Produkten, wenn verschiedene Faltungen von Molekülen auf ihre Wirksamkeit überprüft oder große Datenmengen auf neue Zusammenhänge hin untersucht werden. Wissensbasierte Systeme helfen dabei, erfolgversprechende Ansätze frühzeitig zu erkennen.

Erstaunlich ist, dass sich auch Internetfirmen für diese Themen interessieren. Niemand hätte früher erwartet, dass Google eines Tages eine Kontaktlinse testet, die den Blutzucker messen kann. Google geht es dabei um die Daten – aber für den Patienten bedeutet diese Koppelung mit einer Insulinpumpe (und weiteren Big Data-Leistungen im Hintergrund), dass sein Blutzucker ungleich besser eingestellt sein wird. Und das, ohne sich überhaupt darum kümmern zu müssen! Ganz nebenbei kann eine so fein steuernde Pumpe auch relativ preiswertes kurzwirksames Insulin verwenden, weil die Regelung jede Abweichung schnell wieder auffängt.

Ach ja, die Teststäbchen für Blut und Urin sind dann natürlich auch nicht mehr nötig. Und es gibt sogar Geräte, die mit einer Analyse Ihres Atems über ein Dutzend Krankheiten diagnostizieren. Das ist dann der Punkt, an dem digitale Produkte einen ganz konkreten Einfluss auf Ihr Geschäft haben, weil sie manches komplett ersetzen.

Beispiel Regulierung

Gerade in der Pharmabranche sind die Anforderungen der Behörden enorm, die Kosten für Regulatory Affairs und verwandte Dienste steigen. Weltweit gibt es lokal unterschiedlichste Anforderungen, die sich auch noch stetig ändern – ein Feld für hochbezahlte Spezialisten.

Neue KI-Systeme sind in der Lage, große Mengen Text zu lesen und zu analysieren. Im ersten Schritt könnten sie Mitarbeiter auf Änderungen hinweisen, später auch die notwendigen Maßnahmen planen. Auf der Output-Seite stehen Berge von Papier mit Studien, Nachweisen, Dokumentation. Intelligente Sprachverarbeitung erlaubt es, individuelle Texte für die verschiedenen Verfahren rechtssicher durch Maschinen schreiben zu lassen. (So etwas wird die Arbeit von Juristen, Ärzten und Gutachtern, aber auch Journalisten erheblich verändern. Für Sport- und Wirtschaftsnachrichten funktioniert das bereits erstaunlich gut.)

So legen Sie los

Sie sehen, es gibt eine riesige Bandbreite. Und dabei haben wir noch gar nicht über Roboter in der Logistik gesprochen, über neue Abrechnungs- und Geschäftsmodelle oder digitales Marketing.

Das wichtigste ist aber, sich um den Wert zu kümmern – und den bestimmt immer der Kunde. Lernen Sie Ihren Kunden so gut kennen, dass sie neue, überraschende Lösungen für seine vielen Fragen und Probleme finden. Methoden wie das Design Thinking helfen Ihnen, Kunden wirklich zu verstehen. Digitalisierung bietet Ihnen dann die Möglichkeit, kluge, individuelle Lösungen zu entwickeln.

Übrigens sollten Sie dazu nicht unbedingt die IT fragen, die hat so schon genug zu tun. Sondern erst mal sehen, welche Ihrer Mitarbeiter Interesse und nützliche Fähigkeiten haben. Oft gibt es hier ungehobene Schätze an Kompetenz. Und Sie werden lernen müssen, mehr Dinge auszuprobieren, Hierarchien und das Organigramm nicht als heilig zu betrachten. Nur mit Flexibilität und etwas Mut kommen Sie zu den neuen, wirklich guten Lösungen, die Ihre Zukunft sichern.

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