20.09.2018
ThemenStrategie

Spaß an der Forschung

Jugend forscht- Bundessieger Stephen Schulz ist heute Doktorand an der Technischen Universität Dresden

  • Stephen Schulz, Technische Universität DresdenStephen Schulz, Technische Universität Dresden

Stephen Schulz war 2005 Jugend forscht-Bundessieger im Fachgebiet Chemie. Doch seine Jungforscher-Karriere begann bereits zwei Jahre zuvor. Insgesamt räumt er bei Jugend forscht auf Landes- und Bundesebene mehrere Preise ab und gewinnt sogar einen der begehrten Grand Awards bei der Intel ISEF, dem weltweit teilnehmerstärksten Wettbewerb für Nachwuchswissenschaftler in den USA. Trotz der üppigen Preisgelder, die ihm ein Studium an einer Elite-Uni im Ausland ermöglicht hätten, hält Stephen Schulz an seinen ursprünglichen Plänen fest und beginnt ein Chemiestudium an der Universität Münster. Heute forscht der Diplomchemiker in der Arbeitsgruppe von Jan J. Weigand an der TU Dresden im Bereich anorganische Molekülchemie.

CHEManager: Herr Schulz, was hat Sie als Schüler bewogen, bei Jugend forscht mitzumachen, wer hat Sie unterstützt?

Stephen Schulz: Mein Interesse für die Chemie ist aus dem im Alter von 10 Jahren erwachsenen Interesse für technische „Basteleien“ entstanden, das durch meinen Vater und Großvater angeregt wurde. Etwa 5 Jahre später wurde der Wunsch nach einem eigenen „Labor“ im Schuppen des Schrebergartens meiner Großeltern so groß, dass dem schließlich nachgegeben wurde. Ein Anruf bei einer Laborgerätefirma in Münster wurde von meinem späteren Jugend forscht-Betreuer Klaus-Günther Häusler entsetzt mit den Worten „was will ein 15-Jähriger denn mit einem Röhrenofen?“ beantwortet.

Das hat Sie aber nicht abgeschreckt…

S. Schulz: Nein, im Gegenteil, die wissenschaftliche Betreuung aus Münster führte 2002 zu dem Vorschlag, mit meiner Forschung über Pflanzenfarbstoffe doch einmal bei Jugend forscht mitzumachen. Allerdings war ich damals mit meinem „Forschungsstand“ noch nicht zufrieden und nahm erst ein Jahr später am Regionalwettbewerb Jugend forscht in Marl teil, wo ich den 1. und 2. Preis in der Sparte Chemie gewann. Im gleichen Jahr folgte der Landeswettbewerb in Leverkusen mit einem 1. Preis und schließlich der Bundeswettbewerb in Ludwigshafen mit einem 2.

Preis. Dieser unerwartete Erfolg motivierte mich, vor allem, weil aus meinen „Spielereien“ tatsächlich gute Ergebnisse herausgekommen waren.

Wie ging es weiter?

S. Schulz: Nach einer Laborbesichtigung während des Bundewettbewerbs bei der BASF interessierte mich in den nächsten Jahren besonders die Elektrochemie. Es folgten weitere Jugend forscht-Teilnahmen zu weiterentwickelten Fragestellungen und schließlich 2005 der Bundessieg im Fach Chemie für die elektrochemische Synthese von metallorganischen Verbindungen in selberzeugten, mikrofluidischen Lab-on-a-Chip-Anordnungen. Im gleichen Jahr erhielt ich auch den 1. Preis im internationalen Wissenschaftswettbewerb Intel ISEF in Arizona.

Haben Sie die Auszeichnung dazu motiviert, eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen?

S. Schulz: Definitiv! Durch Jugend forscht habe ich gelernt, sich für ein Problem zu begeistern, und dass die meisten Wege zur Problemlösung in den Naturwissenschaften steinig und mit Rückschlägen verbunden sind. Aber genau diese Steine auf dem Weg zu einer Problemlösung sind oft das Ziel und liefern wertvollere Erkenntnisse als der direkte Weg. Für diese Lehre aus meiner Jugend forscht-Zeit bin ich am meisten dankbar, da es nicht um den stumpfen Aufbau von Frustrationstoleranz ging, sondern eine problembejahende, wissenschaftspositive Einstellung vermittelt wurde.

Womit beschäftigen Sie sich heute?

S. Schulz: In meiner Forschung an der TU Dresden beschäftige ich mich zum einen mit der ressourcenschonenden Herstellung von phosphororganischen Verbindungen aus weißem Phosphor mit Hilfe von elektrochemischer Synthese, zum anderen steht die Kopplung von Spektroskopie mit elektrochemischer Analytik im Fokus meiner Forschung. Der Grund dafür, dass ich nun als Doktorand wieder damit begonnen habe, elektrochemische Fragestellungen in den Vordergrund zu rücken, liegt mit Sicherheit in meiner Jugend-forscht Vergangenheit.

Können Sie anderen Jugendlichen empfehlen, einen Teil ihrer Freizeit in ein Forschungsprojekt zu investieren?

S. Schulz: Ja, aber viel wichtiger, als Zeit in ein Forschungsprojekt zu investieren, ist es, den Spaß, den Forschung macht, zu erfahren. Dann ist es meist gar nicht mehr die Frage, ob man dafür seine Freizeit investieren will.

Welche Tipps würden Sie angehenden Jungforschern geben?

S. Schulz: Der wichtigste Aspekt bei einem Jugend forscht-Projekt ist, von den schon bekannten Lösungen abzuweichen und seine eigenen Lösungswege zu finden. Diese Art der Selbstständigkeit würde ich mir auch im Studium wesentlich mehr wünschen. In der Ausbildung begegne ich oft Studierenden, die nur die schnelle Standardlösung ausführen wollen. Der Mut zur eigenen Lösung fehlt häufig oder ein solcher Weg wird als zu komplex empfunden. Wer aber schon einmal gelernt hat, wie erfüllend es ist, ein Problem in der Forschung auf eigenem Weg gelöst zu haben, wird auch später, wenn es an die realen Probleme geht, mit einer anderen Motivation Problemlöser sein. (mr)

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