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Im Profil: Dr. Hans J. Wernicke

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Süd-Chemie und Vorsitzende der Dechema im Interview

14.02.2011 -

Die berufliche Seite

Wer oder was hat Sie geprägt?
Ich bin ungefähr so alt wie die Bundesrepublik: 60 Jahre Frieden, eine stabile Demokratie, Wohlstand und alle Freiheiten und Chancen, seine Ziele zu erreichen.

Was lieben Sie an Ihrem Beruf?
Erst war es der Chemiebaukasten, jetzt ist es die Erkenntnis, dass der Chemie eine Schlüsselrolle für die Bewältigung der Zukunftsthemen der Menschheit zukommt.

Was war Ihr größter Erfolg?
Dass die Bilanz von Erfolgen und Misserfolgen bisher positiv ausgegangen ist.

Was war Ihr größter Misserfolg?
Siehe oben.

Was vermissen Sie in Ihrem Beruf?
ich vermisse, dass die erwähnte Schlüsselrolle der Chemie zur Bewältigung der Zukunftsthemen gesellschaftlich noch zu wenig (an)erkannt ist. Immerhin konnten wir das Image der Chemie in den letzten Jahren deutlich verbessern.

Worauf würden Sie gerne verzichten?
Auf manchen pseudowissenschaftlichen Populisten oder Weltverbesserer, der nicht mit Fakten umgehen kann oder dies nicht will.

An welchen Prinzipien orientieren Sie sich?
Die Regeln des Zusammenlebens in Beruf und Gesellschaft zu respektieren. Gegenüber Prinzipienreitern bin ich allerdings allergisch.

Welche Trends fördern Sie? und was erhoffen Sie von der ­Zukunft?
Trends sind meistens endlich und können sich umkehren, aber unumkehrbare Zukunftsfragen erfordern Anpacken, Übernahme von Verantwortung und Konsequenz. Ein Beispiel ist unsere zukünftige Energieversorgung.

Welche Trends möchten Sie aufhalten und was befürchten Sie in der Zukunft?
Die Konflikte um endliche Ressourcen werden sich verschärfen; die Weltgesellschaft muss einen für alle Länder tragfähigen Weg finden und gemeinsam Lösungen für einen zukunftsfähigen und nachhaltigen Umgang mit diesen Ressourcen erarbeiten.

Was sind Ihre nächsten Pläne?
Ich arbeite in einem hervorragenden Unternehmen und engagiere mich in einer hervorragenden Institution wie der Dechema - beide gilt es voranzubringen.

Die private Seite

Wie würden Ihre Familie/Ihre Freunde Sie charakterisieren?
Alles zwischen rastlos und besonnen, meistens guter Dinge.

Was treibt Sie an?
Das Wohlergehen meiner phantastischen Familie, Freundschaften, emotionale Berührtheit und ein Wille mit gelegentlichen Anzeichen von Sturheit.

Was gibt Ihnen Kunst/Kultur?
Kunst kann entspannend, anrührend aber auch fordernd bis provokativ sein, sie erzeugt Dialog und verbindet Menschen. Kultur, als geistige Kultur verstanden, führt zu Freiheit, Verantwortung, Würde, Vielfalt und Vernunft. Im (leider viel zu seltenen) Musizieren finde ich Entspannung, Ruhe und Freude.

Ihr Verhältnis zum Reisen?
Zwiespältig, denn um im Reisen Entspannung und persönliche Bereicherung zu finden, brauchen Sie Zeit (die ich derzeit leider nicht habe).

Womit beschäftigen Sie sich in Ihrer Freizeit?
Sie ist knapp und will gut genutzt werden. Zum Glück liebt auch meine Frau den Segelsport.

Was lesen Sie gerade? Ihr Buchtip:
„Die Sprache des Windes" von Scott Huler.
Zwei Tipps: „Die Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann und „Fünf Deutschland und ein Leben" von Fritz Stern.

Ihre Lieblingsmusik?
Je nach Gelegenheit und Stimmung: Bach, Sibelius, Dixie, Bon Jovi u.v.a.m.
Einmal ein Hornkonzert von Mozart mitzuspielen: vielleicht schaffe ich es noch.

Was wären Sie auch gern ­geworden?
Ich bin eigentlich so ganz zufrieden, aber Neugier lässt mich immer wieder über den Tellerrand schauen.

Was schätzen Sie an Ihren Freunden?
Dass Sie auch bei Sturm und Gegenwind an Bord bleiben.

Was möchten Sie in Ihrem ­Ruhestand machen?
Herr des eigenen Terminkalenders werden. Es gibt in unserer Gesellschaft unendlich viele Möglichkeiten, sich sinnvoll zu engagieren.

Lebenslauf

Geboren am 9. Juni 1949 in Walsrode/Hannover
Seit 1973 verheiratet mit Christine Wernicke
Zwei Kinder
Hobbies: Segeln, Golf, Musik (F-Horn)

Ausbildung
Chemiestudium an der Universität Kiel
1973 - 1976 Promotion über Eigenschaften von Edelmetalllegierungen am Inst. für Physikalische Chemie der Universität Kiel (Stipendiat des Verbands der Chemischen Industrie)

Berufsweg
1976 - 1984 Linde AG, München, Verfahrensentwicklung, Projekt-Akquisition und -Leitung im Bereich Petrochemie- und Raffinerieanlagen
1985 - heute Süd-Chemie AG, München
1985 - 1992 Geschäfts- und Strategieentwicklung, Bereich Katalysatoren
1992 - 1996 Leitung eines globalen Geschäftsbereichs im Bereich Katalysatoren
seit 1997 Mitglied des Vorstands der Süd-Chemie AG
seit 2007 Stellvertretender Vorstands­vorsitzender
Auslandsaufenthalte: vier Jahre in Südafrika, zwei Jahre in den USA

Weitere Aktivitäten
Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (DECHEMA)
Mitglied des Kuratoriums des Fonds der Chemischen Industrie
Mitglied des Handelspolitischen Ausschusses des Verbands der Chemischen Industrie
Vorsitzender des Arbeitskreises Forschung der bayerischen Chemieverbände
Gründungsvorstand der ­Deutschen Gesellschaft für ­Katalyse (GeCatS)
Mitglied des Hochschulrats der Universität Bayreuth
Mentor bei der Bayerischen ­Eliteakademie

Kontakt

Süd Chemie

Ostenrieder Str. 15
85368 Moosburg
Deutschland

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