Chemiekonjunktur – das Wachstum in den BRIC-Staaten lässt nach

  • Rund 35% der Chemie- und Pharmaproduktion entfallen heute auf Brasilien, Russland, Indien und China. In jüngster Zeit lässt die Wachstumsdynamik in den BRIC-Staaten nach. © Jim Barber - Fotolia.comRund 35% der Chemie- und Pharmaproduktion entfallen heute auf Brasilien, Russland, Indien und China. In jüngster Zeit lässt die Wachstumsdynamik in den BRIC-Staaten nach. © Jim Barber - Fotolia.com
  • Rund 35% der Chemie- und Pharmaproduktion entfallen heute auf Brasilien, Russland, Indien und China. In jüngster Zeit lässt die Wachstumsdynamik in den BRIC-Staaten nach. © Jim Barber - Fotolia.com
  • Dr. Henrik Meincke, Chefvolkswirt, VCI: „Rund 35% der Chemie- und Pharmaproduktion entfallen auf die BRIC-Staaten.“
  • Tab. 1
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Dank ihres Rohstoffreichtums, großer Binnenmärkte und eines dynamischen Aufholprozesses konnten Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC) in den vergangenen Jahren ihren Anteil an der Weltwirtschaft deutlich steigern. Ihr Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt stieg innerhalb der letzten zehn Jahre von 8% auf rd. 20%. Insbesondere China glänzte mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten (Grafik 1).

Auch auf dem globalen Chemiemarkt wuchs die Bedeutung. Rund 35% der Chemie- und Pharmaproduktion entfallen heute auf diese vier Länder. In jüngster Zeit hat die Dynamik jedoch nachgelassen.


Brasiliens Wirtschaft schwächelte im vergangenen Jahr deutlich. Die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas blieb hinter ihrem Potential zurück. Russland ist es bislang nicht gelungen sein ölfinanziertes Wachstumsmodell auf solide Beine zu stellen. Indiens Wirtschaft leidet unter dem Abwertungsdruck der Rupie und droht in die Rezession abzugleiten. Nur China wächst weiterhin dynamisch. Doch auch dort hat sich das Wachstum abgeschwächt.

Die nachlassende Dynamik der BRIC-Staaten bekamen auch die deutschen Chemieunternehmen zu spüren. Während in den Vorjahren die Exporte in die BRIC-Länder noch mit zweistelligen Wachstumsraten aufwarten konnten, wuchs dort im ersten Halbjahr 2013 die Nachfrage nach Chemikalien „made in Germany" nur noch moderat (Grafik 2)

Chinas Chemie wächst dynamisch

Die chinesische Wirtschaft wächst auch weiterhin überdurchschnittlich und bleibt die Wachstumslokomotive der Weltwirtschaft. Das Land steht jedoch vor einer Umstrukturierung seiner Wirtschaft. Zukünftig möchte die Regierung in Peking die Investitionen zurückfahren, dafür aber den Binnenkonsum stärken. Auch das Wachstumsziel für 2013 wurde gesenkt. Die Industrie- und Chemieproduktion bleibt nach wie vor auf Wachstumskurs.

Allerdings hat sich die Dynamik abgeschwächt und die Zuwächse fallen geringer aus als in den letzten Jahren (Grafik 3). Zum einen belastet die Wachstumsschwäche der Industrienationen den chinesischen Exportsektor. Zum anderen kommt aber auch die Inlandsnachfrage nicht in Schwung. Positiv wirkte sich zuletzt die Bereitschaft der chinesischen Führung aus, einer zu starken Wachstumsabschwächung entgegenzutreten.

Die Chemieproduktion wird im Gesamtjahr 2013 mit rd. 10% auch weiterhin überdurchschnittlich wachsen.

Indiens Chemie im Sog der Wirtschaftskrise

Indiens Wirtschaft droht die Rezession. Das Bruttoinnlandprodukt (BIP) sank im zweiten Quartal um 0,5%. Das Wachstum der Industrieproduktion kam nahezu zum Erliegen. Nachdem in den vergangenen Monaten ausländische Investoren verstärkt Kapital aus Indien abgezogen hatten, geriet die Rupie unter starken Abwertungsdruck und verlor massiv an Wert. Dies ließ Importe teurer werden und beflügelte die Inflation. Das Leistungsbilanzdefizit Indiens stieg nochmals erheblich.

Vor diesem Hintergrund wird Indien seine Industrieproduktion auch im weiteren Jahresverlauf nicht ausdehnen können. Für die Chemieindustrie sehen die Wachstumsaussichten kaum besser aus. Im Vergleich zum schwachen Vorjahr konnte die Chemieproduktion im bisherigen Jahresverlauf zwar ein Plus von rd. 7% verbuchen (Grafik 4). Dieses Wachstum wird sich jedoch in der zweiten Jahreshälfte verlangsamen. Dass die indische Chemie überhaupt wächst, verdankt sie alleine dem konjunkturunabhängigen Pharmageschäft.

Russlands Wirtschaft enttäuscht

Im August dieses Jahres senkte das russische Wirtschaftsministerium die Wachstumsprognose für 2013 zum zweiten Mal. Das russische BIP dürfte in diesem Jahr lediglich um 1,7% zulegen. Wachstumsstütze der russischen Wirtschaft blieb der private Konsum. Demgegenüber blieb die Investitionstätigkeit gering. Bei weiterhin hohen Zinsen und bescheidenen Wachstumsaussichten für die kommenden Monate ist auch nicht damit zu rechnen, dass die Investitionen im weiteren Jahresverlauf anziehen werden. Hierunter leidet die Industrie. Ihre Produktion wird in diesem Jahr leicht zurückgehen (-0,5%).

Nach einem schwachen Wachstum der Chemieproduktion im vergangenen Jahr zeigt sich die Produktion in der ersten Jahreshälfte wieder leicht erholt (Grafik 5). Im ersten Halbjahr 2013 legte die russische Chemieproduktion um 3,3% gegenüber dem Vorjahr zu. Dank heimischer Rohstoffe dürfte sich dieser Trend in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen.

Ungelöste Strukturprobleme in Brasilien

Brasiliens Wirtschaft leidet, wie viele Schwellenländer, unter Strukturproblemen. Seit zwei Jahren versucht die Regierung das Wachstum anzukurbeln, bislang jedoch mit nur mäßigem Erfolg. Die steigende Inflation belastet die Kaufkraft der Konsumenten. Eine drohende Zinserhöhung der Zentralbank würde aber die Investitionsbereitschaft senken. Die Wachstumsaussichten des Landes bleiben für dieses Jahr moderat. Dennoch nimmt die brasilianische Konjunktur nach einem schwachen Jahr 2012 langsam wieder Fahrt auf. Die Wirtschaft wuchs in der ersten Jahreshälfte um 2,5%.

Die Industrie verzeichnete ein Plus von knapp 3%. Zweifel sind angebracht: Die Chemieproduktion legte im ersten Halbjahr kaum zu (Grafik 6). Im Gesamtjahr 2013 ist zwar noch ein moderates Plus von 1,5% erreichbar. Für ein rohstoff- und bevölkerungsreiches Schwellenland ist dieses Wachstum aber enttäuschend. 

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