Handelskonflikt zwischen EU und USA trübt Erwartungen von US-Unternehmen

Die wirtschaftlichen Erwartungen der US-Unternehmen in Deutschland haben sich nach Einführung von Zöllen zwischen den USA und der EU eingetrübt. Die meisten halten die derzeitige US-Handelspolitik nicht für zielführend. Weniger US-Unternehmen erwarten einen Anstieg des Umsatzes, der Mitarbeiterzahl und der Investitionen in Deutschland nach Einführung der Zölle. Die Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks ist verunsichert und agiert vorsichtiger. Das geht aus einer heute veröffentlichten Umfrage der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland (American Chamber of Commerce in Germany, kurz „AmCham Germany") vor.

Ebenfalls wurde heute das TOP 50-Ranking der umsatzstärksten US-Firmen in Deutschland veröffentlicht. Das Ranking bezieht sich auf das Geschäftsjahr 2017 und somit auf den Zeitraum vor der Einführung der Zölle. Es zeigt: Der Umsatz unter den größten amerikanischen Unternehmen stieg im Durchschnitt um 3,4% (3,2% im Jahr 2016). Die Zahl der Mitarbeiter der 30 größten US-Arbeitgeber in Deutschland beträgt mehr als 300.000.

Deutschland ist weiterhin ein attraktiver Standort für US-Unternehmen und bekommt insgesamt die Note 2,2. Allerdings geht aufgrund der eingeführten Zölle nur noch die Hälfte der US-Unternehmen davon aus, dass ihre Umsätze in Deutschland weiter steigen werden – verglichen mit mehr als zwei Drittel vor dem Handelskonflikt. Darüber hinaus gehen nur noch 28% und nicht mehr 38% der Unternehmen von einer Zunahme der Belegschaft in Deutschland aus. Eine Erhöhung der Investitionen beabsichtigen 18% der US-Unternehmen in Deutschland – vor den Zöllen waren dies knapp 30%.

In der Umfrage fordern drei von vier US-Unternehmen von der Europäischen Union, ein umfassendes Freihandelsabkommen mit den USA zu schließen und mehr als zwei Drittel plädieren dafür, alle Zölle aufzuheben. Dagegen favorisiert nur eine Minderheit der US-Unternehmen Lösungen über die Welthandelsorganisation WTO (37%), eine Zuwendung seitens der EU hin zu anderen Märkten (31%) oder Gegenmaßnahmen (14%). Fast alle Befragten (93%) glauben nicht daran, dass die Wirtschaftspolitik von US-Präsident Trump erfolgreich sein wird.

AmCham Germany Präsident, Frank Sportolari, erklärt dazu: „Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und Deutschland sind eng und belastbar.

Die Unternehmen brauchen vor allem eins: Verlässlichkeit, Transparenz und einen Fahrplan zur Beilegung des Handelskonfliktes zwischen der EU und den USA."

In den USA gibt es rund 3.700 deutsche Tochterunternehmen, die für mehr als 674.000 US-Arbeitsplätze stehen. Deutsche Unternehmen sind die viertgrößte Gruppe ausländischer Investoren in den USA.

„Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und Deutschland haben sich weiter sehr positiv entwickelt", sagt Frank Riemensperger, Executive Vice President von AmCham Germany und Vorsitzender der Geschäftsführung von Accenture Deutschland. „Die US-Unternehmen haben von der guten gesamtwirtschaftlichen Lage Deutschlands profitiert. Gewachsen sind vor allem die Dienstleistungs- und Technologieanbieter. Auch für die deutsche Wirtschaft in den USA war 2017 ein sehr erfolgreiches Jahr. Auf deutscher Seite dominieren dabei die Automobilindustrie und ihre Zulieferer sowie der Maschinen- und Anlagenbau. Nimmt man Güteraustausch und Dienstleistungen zusammen, ist die Handelsbilanz zwischen den USA und Deutschland wesentlich ausgeglichener als oft dargestellt."

Die 50 größten Umsätze im Jahr 2017: Ford, Amazon, ExxonMobil
Mit einem Umsatz von 22,71 Mrd. EUR in Deutschland im Jahr 2017 liegt der Automobilhersteller Ford erneut an der Spitze. Der Online-Händler Amazon belegt mit 15,6 Mrd. EUR Umsatz den zweiten Platz, während die ExxonMobil Central Europe Holding (Esso) mit einem Umsatz von 8,7 Mrd. EUR (inklusive Mineralölsteuer) den dritten Platz beansprucht. Philip Morris rangiert mit 6,6 Mrd. EUR Umsatz (einschließlich Tabaksteuer) auf dem vierten Platz. IBM komplettiert die Top 5 mit 6,3 Mrd. EUR (Schätzung). Die TOP 50 US-Unternehmen in Deutschland sind 2017 am stärksten in den Bereichen Automotive, ICT und Dienstleistung tätig und erzielen einen Gesamtumsatz von rund 171 Mrd. EUR.

Die 30 größten US-Arbeitgeber 2017: McDonald’s, Ford, Manpower
Das Ranking der größten US-Arbeitgeber in Deutschland wird von McDonald's Deutschland mit 60.000 Mitarbeitern (Schätzung, inklusive Franchise) im Jahr 2017 angeführt. Auf Platz zwei bis sechs sind die Ford-Werke (24.000), ManpowerGroup Deutschland (23.954), United Parcel Service Deutschland (19.000) und Amazon Deutschland (14.500).

Über das TOP 50-Ranking
Das TOP 50-Ranking der AmCham Germany listet jährlich die größten US-Unternehmen in Deutschland bzw. Tochterunternehmen amerikanischer Muttergesellschaften mit mehr als 50% amerikanischem Kapital in Deutschland, gemessen am Umsatz im Vorjahr. Das Ordnungskriterium für die Umsätze sind Netto-Umsätze, d.h. Umsätze ohne jegliche Mehrwertsteuer. Eine Ausnahme stellen die Mineralöl- und Tabaksteuer dar. Die Angaben stammen entweder direkt von den Unternehmen oder basieren auf fundierten Schätzungen von AmCham Germany und Accenture. An der Online-Umfrage zur Handelspolitik haben sich 35 US-Unternehmen beteiligt – darunter 18 der TOP 50 umsatzstärksten US-Unternehmen in Deutschland. Die Teilnehmer repräsentieren einen Gesamtumsatz von ca. 55,8 Mrd. EUR und etwa 128.500 Mitarbeiter. Die Umfrage fand im August 2018 statt.

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