H&R weiht Elektrolyse-Wasserstoffanlage am Raffineriestandort Hamburg ein

Mit der Eröffnung einer regelflexiblen Elektrolyse-Wasserstoff-Anlage auf dem Raffinerieareal in Hamburg-Neuhof haben die H&R Ölwerke Schindler einen großen Schritt in Richtung ihres Konzepts Grüne Raffinerie gemacht. Mehr als 10 Mio. EUR hat die Tochtergesellschaft der Hansen & Rosenthal-(H&R)-Gruppe in die Errichtung der Anlage zur Herstellung von Wasserstoff aus Strom und Wasser investiert. Im Moment nutzt H&R den Wasserstoff innerhalb seiner Produktionsprozesse, um damit Spezialprodukte aus Mineralöl – etwa Paraffine, Weiß- oder Prozessöle, die für die Weiterverarbeitung in Käserinden, Lippenstiften, Druckfarben oder Autoreifen hergestellt werden - zu gewinnen.

„Tatsächlich ist für uns die Herstellung von Wasserstoff aus Wasser und Strom jedoch nur der erste Schritt unserer Langfristplanung“, erklärt Niels H. Hansen, Geschäftsführer von H&R. „Perspektivisch wollen wir unsere bestehenden Anlagen und Standorte weiterentwickeln. Unsere heute überwiegend fossilen Rohstoffe sollen zukünftig zunächst durch nachwachsende Quellen und auf lange Sicht durch synthetisierte Produkte, CO2-neutral erzeugt mit nachhaltiger Energie, ergänzt werden.“

Die weltgrößte regelflexible Elektrolyse-Wasserstoff-Anlage basiert auf der sog. PEM-Technologie (Protone Exchange Membrane). Das Herzstück der Anlage, ein von Siemens hergestellter Elektrolyseur mit einer elektrischen Leistung von 5 MW, wird jährlich mehrere hundert Tonnen Wasserstoff produzieren. Wasserstoff, der nicht wie üblich der Energiegewinnung dient, sondern in den Prozessen der Raffinerie als Ressource wertschöpfend eingesetzt werden soll.

Diese Optionen illustrieren das Potenzial dieser Technologie für den Klimaschutz – deutlich über den Markt der Spezialöle hinaus. „Regelflexibel“ bedeutet, dass die Elektrolyse-Wasserstoff-Anlage kurzfristige Mehrangebote aus der Stromproduktion, etwa durch Windenergieanlagen, zur Herstellung von Wasserstoff nutzen kann. Schon heute gehen 2 % des möglichen Stroms verloren, weil in Deutschland temporär mehr Strom produziert als verbraucht wird. In der Konsequenz werden Fotovoltaik- und Windkraftanlagen abgeschaltet. Im Norden Deutschlands geht sogar rund 15 % des Strompotenzials verloren.

Anlagen zur Herstellung von Wasserstoff können als Pufferspeicher genutzt werden und stabilisieren in Phasen hoher alternativer Stromerzeugung die Netze. Gleichzeitig wird der so gewonnene Wasserstoff in der Raffinerie als „Rohstoff“ für die Prozesse eingesetzt. „Sektorenkopplung heißt das Stichwort“, erklärt Hansen und betont noch einmal die Verknüpfung des Energiesektors Strom mit einer stofflichen Verwendbarkeit des Wasserstoffs im industriellen Maßstab. „Wir sehen uns in diesem Bereich als echten Innovationsführer.“

Derzeit setzt auch H&R noch auf den Basisrohstoff Mineralöl. „Viel zu schade zum Verbrennen“, sagt Detlev Wösten, Geschäftsführer von H&R und im Unternehmen verantwortlich für Raffinerietechnologien. Daher hat es H&R durch die kontinuierliche Weiterentwicklung ihrer Raffinerieprozesse, wie Destillation, Raffination und Entparaffinierung, geschafft, den Anteil der bei der Produktion anfallenden Reststoffe in den letzten Jahren auf knapp 25 % zu reduzieren. Reststoffe, die etwa als Heizöl verbrannt werden. Dazu hat maßgeblich die 2011 nach Investitionen von rund 45 Mio. EUR eröffnete Propan-Entasphaltierungs-Anlage beigetragen.

„Doch die Entwicklung bleibt nicht stehen“, unterstreicht Hansen. „Bis 2020 werden wir 90 % des Mineralöls für hochwertige Anwendungen verwerten.“

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