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CHEMonitor 2/2007 - Deutsche Chemieindustrie setzt auf Innovationen

01.06.2012 -

CHEMonitor 2007: Deutsche Chemieindustrie setzt auf Innovationen

Mehr als zwei Drittel (68 %) der deutschen Chemieentscheider wollen im Jahr 2007 mehr für Innovation und Forschung & Entwicklung (F&E) ausgeben als noch im Vorjahr, dies ergab die aktuelle Befragung des CHEMonitor-Panels vom Mai 2007. Danach planen 29 % ihre Investitionen konstant zu lassen und nur 3 % wollen ihre Ausgaben reduzieren.

Die Auswertung des aktuellen CHEMonitor zeigt weiter, dass knapp die Hälfte der deutschen Chemieunternehmen im Jahr 2006 bis zu 5 % ihrer Umsätze in Innovation bzw. F&E investierten. 17 % haben zwischen 6-10 % und 6 % der Befragten sogar 11-15 % für Innovationen ausgegeben (Grafik 1).

Klares Bekenntnis zum Standort Deutschland

Die Umfrage ergab, dass 78 % der Chemieunternehmen noch ihren F&E-Schwerpunkt in Deutschland haben. Und ein noch größerer Anteil, 84 % der befragten Chemieentscheider, wollen auch in dieser Region in den nächsten 12 Monaten ihre Forschungskapazitäten erhöhen (Grafik 3). Um der Globalisierung der Absatzmärkte und den individuellen Produktanforderungen der internationalen Kundenbasis gerecht zu werden, kombiniert eine Mehrzahl der Befragten eine zentrale Forschungseinheit, die auf Produktinnovationen fokussiert ist, mit einem weltweiten Netz an anwendungstechnischen Laboren, die auf Beratungen und auf Umsetzung von individuellen Kundenwünsche spezialisiert sind. Diese Kombination geht mit einer Umstrukturierung der Ausgaben für Innovation und F&E einher. Die Unternehmen konzentrieren sich zunehmend auf ihre Kernkompetenzen und ihre Forschung wird anwendungsorientierter. Grundlagenforschung findet mehr und mehr in öffentlichen Forschungseinrichtungen statt.

„Die F&E-Bereiche stehen neben der Ausrichtung auf individuelle Kundenwünsche zunehmend vor einer massiven Flexibilisierung ihrer Organisationsstruktur“, prognostiziert Dr. Juan Rigall, geschäftsführender Partner bei Droege & Comp. mit Blick auf die Befragungsergebnisse. „Dabei muss die Organisation der Innovationsbereiche den geänderten Rahmenbedingungen einer globalen Arbeitsteilung und höheren Anforderungen an Produktivität und Kosteneffizienz Rechnung tragen.“

Der oben beschriebenen Fokussierung der eigenen Innovationsarbeit folgend, werden auch die drei wichtigsten Innovationsgebiete in anwendungstechnischen Bereichen wahrgenommen. So sehen zwei Drittel der Befragten die Entwicklung neuer Anwendungen für bereits bestehende Produkte und 50 % die Bereitstellung neuer Produkte aus bereits bestehenden Materialien, so genannte Hybridtechnologien, sowie die Bereitstellung neuer Materialien bzw. Werkstoffe im Innovationsfokus (Grafik 4).

Deutsche Chemieindustrie überdurchschnittlich innovativ

Gut die Hälfte der Befragungsteilnehmer sieht die Innovationsfähigkeit der deutschen Chemieindustrie als überdurchschnittlich im Vergleich zum Ausland an. Lediglich 5 % der Chemieentscheider bewerten die Innovationskraft als unterdurchschnittlich. Der Einfluss der Innovationen der Chemieindustrie auf andere Branchen wird von einer breiten Mehrheit (62 %) als hoch eingeschätzt; 30 % bewerten ihn sogar als sehr hoch (Grafik 5). Nach Angaben des Verband der Chemischen Industrie gehen fast 80 % des Gesamtabsatzes der deutschen Chemieindustrie als Vorprodukte an Unternehmen anderer Branchen. Neue Produkte oder Verfahren aus der Chemie senken nach Abschätzungen des Instituts für europäische Wirtschaftsforschung die Kosten der deutschen Industrie jährlich um insgesamt 11,6 Mrd. E.

Innovationsfokus auf Umweltschutz und Energie

Die chemische Industrie gehört zu den energieintensiven Industriezweigen und hat damit ein ureigenes Interesse daran, mit Energie so sparsam wie möglich umzugehen. Der internationale Wettbewerb hat zudem dazu geführt, dass die deutsche Chemieindustrie mit die energieeffizientesten Anlagen betreibt. Die aktuelle Befragung zeigt, dass dieser technologische Entwicklungsvorsprung konsequent genutzt und auch in die Innovationsstrategie integriert wird: Fast 40 % der Chemieentscheider haben ihre Forschungsstrategie u.a. darauf ausgerichtet, Lösungen für Energieknappheit bzw. eine höhere Energieeffizienz zu finden (Grafik 6).

Die Bereitstellung von Energie verursacht einen Großteil der heutigen Treibhausgas- Emissionen. Im Zeitraum 1990-2005 ist der weltweite CO2-Ausstoß um 27 % gestiegen. Deutschland hat diesen Zeitraum hingegen genutzt, um seine Treibhausgas-Emissionen um 19 % zu senken. Bis 2012 wird die deutsche chemische Industrie ihren Ausstoß an CO2 und Lachgas N2O um weitere 45 % reduzieren. Dementsprechend haben 35 % der Befragten bei ihrer Innovationsstrategie einen Fokus auf Umwelt- und Klimaschutz gesetzt.

Unternehmen belohnen Ideen der Mitarbeiter

Bei der Suche nach Innovationen spielt bei der großen Mehrheit der befragten Entscheider (74 %) das betriebliche Vorschlagswesen eine dominierende Rolle (Grafik 7). 48 % der Chemieunternehmen kombinieren dieses System auch mit einem materiellen Anreizsystem. Auf den Plätzen drei und vier liegen Zeitungsartikel zum Thema Innovation und immaterielle Anreize mit jeweils ca. 30 %. Das Unternehmen Bayer sieht in den Verbesserungsvorschlägen einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil und hat im Geschäftsbereich Industry Services den „Bayer-Ideen- Pool“ implementiert. Dort werden Mitarbeitervorschläge erfasst, bearbeitet und für Auszahlung einer angemessenen Prämie gesorgt. Im Jahr 2006 wurden insgesamt durch rund 9.000 gute Ideen über 6 Mio. E eingespart und Prämien von 2,1 Mio. E an die Mitarbeiter ausgeschüttet.

Externe Innovationsquellen spielten bei den befragten Chemiemanagern dagegen eine untergeordnete Rolle (Grafik 8). Nur 6 % der Befragten nutzen zu einem sehr hohen Anteil mit über 50 % ihres Innovationsbudgets auswärtige Quellen, wie Dienstleister oder Netzwerke. Greifen die Chemieunternehmen auf externe Quellen zurück: Dann spielen Kundenbeziehungen, Kooperationen mit Universitäten sowie außeruniversitären Einrichtungen und Unternehmenskooperationen mit Abstand die wichtigsten Rollen.

Chemieindustrie will Mitarbeiterzahl erhöhen

Die Zahl der Chemieentscheider, die in den nächsten 12 Monaten ihre Mitarbeiterzahl erhöhen will, ist seit der letzten CHEMonitor-Befragung vom Dezember 2006 von 28 % auf 39 % gestiegen. Der Expansionskurs der deutschen Chemiewirtschaft schafft vermehrt Platz für Neueinstellungen. Dieses Ergebnis des CHEMonitors bestätigt den gesamtwirtschaftlichen Trend, der sich auch bei der letzten Befragung des Handelsblatt Business-Monitors ergab: Hier hatten sich zu Beginn des Monats Mai 41 % der interviewten Führungskräfte zu Neueinstellungen bekannt, wobei der Trend maßgeblich durch die Dienstleistungs- und die Baubranche verursacht worden war.

Bei Betrachtung der regionalen Verteilung der Personaleinstellungen zeigt sich, dass Deutschland daran in einem überproportionalen Maß partizipiert. So wollen 31 % der Befragten die Mitarbeiterzahl nur in Deutschland und 16 % gleichgewichtig im In- und Ausland erhöhen (Grafik 9). Dabei plant vor allem der deutsche Mittelstand, sein Personal aufzustocken. Die großen Konzerne jedoch verbessern kontinuierlich ihre Kostenbasis, auch im Personalbereich, so dass von dieser Seite her eher keine Impulse für mehr Beschäftigung zu erwarten sind.

Administration im Fokus der Kostensenkung

Trotz Wachstumsperiode rückt das Thema Kostensenkung wieder verstärkt in den Fokus der Chemieentscheider. So hat sich die Zahl der Unternehmen, die in den nächsten 12 Monaten ihren Schwerpunkt auf Kostensenkung legen, seit der letzten CHEMonitor-Befragung von 7 % auf 13 % erhöht. Auch der Fokus der Kostenreduktionen hat sich verändert. Waren in der letzten Befragung noch Rohstoffe das Hauptthema der Optimierungen, so sind es jetzt die administrativen Overhead- Bereiche mit 47 % (Grafik 10). Rohstoffe und Personal sind auf den Plätzen zwei und drei mit 43 % bzw. 37 %, wobei Mehrfachnennungen möglich waren.

Der Wachstumspfad der deutschen chemischen Industrie setzt sich fort. Die Zeichen für das Jahr 2007 stehen – bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Effizienz – klar auf Expansion. Eine forcierte Innovationsleistung wird dabei eine entscheidende Rolle spielen. „Die wesentliche Herausforderung liegt dabei angesichts der sehr guten Geschäftsverläufe in der Motivation und Mobilisierung der Mitarbeiter, um notwendige Veränderungen hin zu mehr Produktivität und Innovativität aktiv und schnell anzugehen“, resümiert Droege- Berater Rigall die Studienergebnisse.