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Endress + Hauser: 2010 war das "Best Year Ever"

12.07.2011 -

Endress + Hauser blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2010 zurück: Mit etwa 8.600 Beschäftigten weltweit erzielte Endress + Hauser einen Umsatz von über 1,3 Milliarden Euro. In fast allen Kenngrößen wurden exzellente oder gar die besten Werte der Firmengeschichte erzielt, die das Jahr 2010 zum „Best year ever" für Endress + Hauser machen.

Ein kleiner Wermutstropfen: der starke Schweizer Franken im Vergleich zum Euro trübt das das Bild ein wenig - gemessen in Schweizer Franken liegt der Umsatz noch deutlich unter dem Vergleichswert des bisherigen Rekordjahres 2008. CHEManager befragte Michael Ziesemer, COO von Endress + Hauser und Mitglied des Executive Board, nach Hintergründen und der weiteren Entwicklung. Die Fragen stellte Dr. Volker Oestreich.

CHEManager: Welche Regionen und welche Branchen haben besonders zum Erfolg von Endress + Hauser im vergangenen Jahr beigetragen?

Michael Ziesemer: Die wirtschaftliche Erholung war weltweit von Jahresbeginn an spürbar. Nur wenige Märkte - darunter Griechenland, Irland und die skandinavischen Länder - hatten hieran keinen Anteil. Das stärkste Wachstum verzeichneten wir in Amerika, wo sich das Geschäft mit einem Plus von 38,2 Prozent noch kräftiger entwickelte als in Asien mit 28,5 Prozent. Als Folge der Krise haben die aufstrebenden Märkte übrigens schneller an Bedeutung gewonnen als erwartet. Aber auch in Deutschland wird wieder kräftig investiert: Deutschland gilt heute als das wettbewerbsfähigste Land der EU.

Besondere Impulse kamen für uns aus der Lebensmittelindustrie, unserer größten Branche. Dabei erholte sich der Anlagen- und Maschinenbau - zum Beispiel Hersteller von Abfüllanlagen - besonders rasant. Überdurchschnittlich beigetragen haben die Grundstoff¬industrie - hier profitierte etwa der Bergbau vom Hunger nach Rohstoffen - sowie die Pharmabranche. Chemische Industrie, Öl- und Gasbranche, Metallurgie, Kraftwerkstechnik sowie Wasser-/Abwasser¬auf¬be-reitung entwickelten sich gut. Einzig die Papier- und Zellstoffindustrie blieb im Minus.

Wie reagieren Sie vertrieblich auf den Aufschwung ...

Michael Ziesemer: Die finanzielle Unabhängigkeit erlaubt es Endress + Hauser, langfristige Ziele zu verfolgen und den eigenen Überzeugungen treu zu bleiben. Weil wir während der Krise kaum Stellen abgebaut haben, konnten wir mit Einsetzen der Erholung gleich voll loslegen. Endress + Hauser Polen weihte 2010 einen Neubau in Breslau (Wrocław) ein.

Das Sales Center China nahm ein Waren¬verteil¬zentrum in Shanghai in Betrieb. Die niederländische Vertriebsgesellschaft bezog kürzlich ein neues Gebäude in Naarden. Endress + Hauser Thailand wird den bestehenden Sitz in Bangkok erweitern; das Sales Center Malaysia will in ein eigenes Gebäude investieren.

Die Präsenz im Nahen Osten wurde durch ein eigenes Büro in Abu Dhabi gestärkt. In Saudi-Arabien will Endress + Hauser gemeinsam mit einem Partner noch 2011 eine eigene Niederlassung gründen. Sie sehen, dass die Zeichen auf weiteren globalen Ausbau in allen wichtigen Märkten gesetzt sind.

... und welche Risiken sehen Sie?

Michael Ziesemer: Wir sind 2011 bestens gestartet: Auftragseingang und Umsatz liegen derzeit zweistellig über den guten Zahlen des Vorjahrs. Allerdings rechnen wir für die zweite Jahreshälfte mit einer Abschwächung dieser Entwicklung. Es bestehen weiterhin wesentliche Unsicherheiten:

Die Finanzkrise ist noch immer nicht überwunden und die Überschuldung vieler Staaten - insbesondere auch in der Euro-Zone - stellt eine Hypothek für die Zukunft dar. Die politischen Unruhen in Nordafrika und Nahost, aber auch Erdbeben, Tsunami und Reaktorkatastrophe in Japan haben uns vor Augen geführt, dass ein Unternehmen jederzeit mit unerwarteten Ereignissen rechnen muss.

Nach den Ereignissen in Japan haben wir übrigens weniger Sorgen vor der wirtschaftlichen Entwicklung im Land, sondern viel mehr befürchten wir weltweit Produktionsausfälle, da Japan der wichtigste Lieferant von Elektronikbauteilen ist und die Versorgung hier ohnehin angespannt ist. Wir müssen und werden also wachsam und beweglich bleiben und weiterhin unsere Chancen nutzen, dürfen aber auch die Risiken nicht übersehen.

Welche besonderen technologischen Entwicklungen haben sich in der Prozessautomation am Markt bemerkbar gemacht und was erwarten Sie für die nahe Zukunft?

Michael Ziesemer: Die drahtlose Feldbuskommunikation hat inzwischen industrielle Bedeutung. Wie von uns erwartet, setzen unsere Kunden die WirelessHART-Technologie dort ein, wo sie gesteigerten Sinn macht, also zum Beispiel in weit auseinander liegenden Anlagenbereichen oder in mobilen Anwendungen.

Unseren bislang größten Auftrag auf diesem Gebiet haben wir vor kurzem aus Kolumbien erhalten: Dort installieren wir 700 WirelessHART-Transmitter in einem Förderfeld der Ölindustrie. Weitere Themen der Kommunikation betreffen die Geräteintegration, wo wir intensiv den Prozess unterstützen, mit FDI zu einer plattformübergreifenden Lösung zu kommen, oder die Web-Technologien, durch die ein erheblicher Kundennutzen geschaffen werden kann.

Ich denke da sowohl an mobile Anwendungen mit Apps für Service und Wartung als auch an die durchgängige Kommunikation vom Feld über das Plant-Asset-Management bis hin zum ERP, um zum Beispiel Bestellungen für Ersatzteile auszulösen, die vom Feldgerät selbst angetriggert werden.

Aber auch hier gibt es Risiken ...

Michael Ziesemer: Ja, Sie denken an das Thema Datensicherheit. Stuxnet hat die Automatisierungsbranche aufgeschreckt. Schutz vor Sabotage und vor Spionage ist ein wichtiges Thema. Alles was an neuen Technologien eingeführt werden soll, muss sicher sein vor Hackerangriffen. Dabei führt jedoch aus Kostengründen und auch aus Gründen der Bedienung kein Weg daran vorbei, bei Hard- und Software die gängigen Standards zu verwenden. Es trifft zu, dass hier weiterhin viel zu tun bleibt.

Die Biotechnologie als Grundlagentechnologie in den Life Sciences nimmt an Bedeutung zu. Welche neuen Prozess-Sensoren kann man auf diesem Feld von Endress + Hauser erwarten und wann werden sie verfügbar sein?

Michael Ziesemer: Was die eigentlichen Zielparameter betrifft, werden die Fermentationen heute „blind" gefahren. Von Zeit zu Zeit geht man mit einer Probe ins Labor - das war's dann im Wesentlichen. Das ist ein höchst suboptimaler Prozess. Der Kunde will nicht nur pH, Druck, Temperatur und Sauerstoff messen, sondern beispielsweise das Zielprotein oder die Zellaktivität.

Hier sind wir in der Messtechnik noch weit entfernt von der industriellen Reife. Aber der Fortschritt schreitet schnell voran. Wir haben eigene Entwickler, die sich intensiv um das Thema Biotechnologie kümmern, und kooperieren eng mit der Forschung. 

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