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Stefan Pistorius, Endress + Hauser im Interview: Vom Messgerät zum Generalunternehmer

28.03.2011 -

Endress + Hauser hat sich vom Spezialisten für Füllstandmessung hin zum Anbieter von Komplettlösungen für die industrielle Messtechnik und Automatisierung entwickelte. CHEManager befragte Stefan Pistorius, Bereichsleiter Marketing bei der Endress + Hauser Messtechnik  in Weil am Rhein, über Historie, Ziele, Produkte und die bevorstehende Hannover Messe.

CHEManager: Endress+Hauser entwickelt sich vom Spezialisten für Füllstandmessung zum Anbieter von Komplettlösungen für die industrielle Messtechnik und Automatisierung. Was sind die bisherigen und zukünftigen Meilensteine auf diesem Weg?

Stefan Pistorius: Endress+Hauser wurde 1953 gegründet. In den vergangenen 58 Jahren ist in der Tat sehr viel passiert. Die wichtigsten bisherigen Meilensteine waren

  • die Vervollständigung des Portfolios der Prozessmesstechnik von Füllstand über Durchfluss, Druck, Analyse, Temperatur bis hin zu lösungsrelevanten Systemkomponenten,
  • der Aufbau von Automatisierungs- und Lösungs-Know-how mit Engineeringressourcen an acht Standorten, allein im deutschsprachigen Raum,
  • und die Entwicklung durchgängiger Konzepte zur Betreuung von Prozessanlagen über den gesamten Lebenszyklus inklusive passender Software-Tools.

Beispielhaft für die neuen Themenfelder Dienstleistungen und Automatisierung stehen hier das breite Angebot an Kalibrierdienstleistungen oder die Realisierung von großen Automatisierungsprojekten sowohl als GU, MAV oder MIV.

Wir sind hier auf einem sehr guten Weg und wir werden unsere Anstrengungen in diese Themenfelder verstärken und zukünftig weitere Lösungen für die Prozessautomatisierung anbieten. Natürlich vergessen wir dabei nicht die Prozessmesstechnik, unsere Kernkompetenz, die wir mit hoher Priorität weiter entwickeln. Im Mittelpunkt aller Weiterentwicklungen stehen durchgängige Konzepte und nachhaltiger Kundennutzen.

Welche Bedeutung hat denn in diesem Zusammenhang die Kooperation mit Rockwell in Zeiten immer stärker genormter Schnittstellen?

Stefan Pistorius: Sie sprechen die technische Seite unserer Kooperation an. Natürlich ist Endress+Hauser seit vielen Jahren ein Befürworter von offenen Schnittstellen und setzt diese auch konsequent in den Produkten ein. Damit ist für unsere Kunden der Datenaustausch zu allen gängigen Produkten und Systemen der Prozessautomatisierung gewährleistet.

In der Kooperation mit Rockwell besteht die Möglichkeit, neue Applikationen für vorhandene Standards im Sinne unserer Kunden zu erschließen. So fragen uns immer mehr Kunden nach der Anbindung von Prozess-Feldinstrumentierung an Steuerungssysteme über Ethernet-Technologie, wofür das Mitwirken von System- als auch Instrumentierungs-Anbietern erforderlich ist. Gemeinsam mit Rockwell haben wir diese Möglichkeit geschaffen: Sie können Endress+Hauser-Durchflussmessgeräte über Ethernet/IP direkt an Rockwell-Steuerungssysteme anbinden. Da Ethernet/IP eine Standard-Schnittstelle ist, können andere Anbieter diese Anbindung zukünftig natürlich auch unterstützen.

Ein weiterer Aspekt in der Kooperation ist die Qualität und das Maß an Komfort, die dem Kunden für die Integration der Schnittstellen geboten wird. Heutzutage ist es kein Problem, ein Feldgerät von Endress+Hauser über Software verschiedenster Hersteller zu konfigurieren oder in einer Asset-Management-Applikation zu betreiben. Hierzu kommen Standards wie DTM-Gerätetreiber zum Einsatz. Gemeinsam mit Rockwell sind wir hier mit den "Add-on-Profiles" (AoP) noch einen Schritt weiter gegangen. So stehen unseren Kunden Funktionsbausteine und Faceplates zur Verfügung, die eine einfachste Integration unserer Feldgeräte in Rockwell-Steuerungen und Visualisierungen ermöglichen.

Dies spart Zeit beim Engineering, Inbetriebnahme und Test. Darüber hinaus stehen ohne Zusatzaufwand Diagnoseinformationen zur Verfügung, die eine präventive Wartung ermöglichen. Und dies alles wie gesagt, auf Basis genormter Schnittstellen. Das ist direkter Kundennutzen.

Apropos Kundennutzen: eine ganz besondere Art von „Schnittstelle" zwischen Anwendern und Lieferanten wir durch Prolist beziehungsweise die NE 100 definiert. Wir Prolist begeistert aufgegriffen oder ist es eher zum Erfolg verdammt?

Stefan Pistorius: Die Erfahrung zeigt, jede gute Idee braucht ihre Zeit, bis sie sich im Markt durchsetzt. Zuerst muss der Bekanntheitsgrad wachsen und natürlich müssen auch die Systemvoraussetzungen flächendeckend geschaffen sein. Hier sind bei weitem noch nicht alle Hausaufgaben erledigt.
Ich bin sicher: Prolist wird erfolgreich werden. Der Nutzen von Prolist, also der NE100 des standardisierten, merkmalbasierten Datenaustauschs für die Planung und Instandhaltung, liegt auf der Hand: Alle wichtigen Gerätedaten kommen direkt vom Hersteller, die Datenübernahme geschieht per Knopfdruck, es gibt eindeutige Definitionen und eine normierte Begriffswelt, und die Daten lassen sich einfach weiterverwenden.
Der Aufwand zur Einführung muss jedoch unternehmensspezifisch und differenzierter betrachtet werden. Die Einführung und damit das Nutzen dieser Vorteile sind stark davon abhängig, ob das vorhandene CAE-System diese Daten handeln kann. Bisher unterstützt vor allem die Firma Rösberg mit dem System Prodok ein NE100-fähiges CAE-System. Es gibt jedoch positive Signale der anderen großen CAE-Systemanbieter, ihre Systeme in naher Zukunft NE100-fähig zu haben.

Das Interesse auf der Kundenseite ist prinzipiell hoch. Es gibt mittlerweile viele namhafte Nutzer, und immer mehr mittelständische Planer und Anlagenbauer, die in der Einführung der NE100 stehen. Der Sog wird aber noch deutlich wachsen, wenn alle CAE-Systeme NE100 fähig sind.
Aber auch seitens der Lieferanten gibt es noch Hausaufgaben zu erledigen, um ihrerseits den erforderlichen Automatisierungsgrad und damit auch die potenziellen Nutzen auszuschöpfen.

NE100 ist eindeutig für den elektronischen Datenaustausch konzipiert und nicht für manuelles Handling. Weitere Unterstützung bekommt Prolist durch ein Förderprojekt des Bundesministeriums für Wirtschaft "Einführung des Prolist -Merkmallexikons bei Klein- und Mittelständischen Unternehmen (KMUs) in der Prozessindustrie".

Endress+Hauser ist mitbeteiligt an der Entwicklung der Sensor Roadmap von NAMUR und GMA, in der neue Anforderungen an die Prozess-Sensorik definiert werden wie zum Beispiel die Erfassung von Zwischen- und Trendinformationen von Produkteigenschaften. Wie ist der Entwicklungsstand bei diesen sehr ehrgeizigen Projekten?

Stefan Pistorius: Auch hier kann ich von guten Fortschritten berichten. Die Produktpalette für die Erfassung von Dichte, Konzentration und weiteren analytischen Stoffdaten wächst; einige Produkte wurden zwischenzeitlich im Markt eingeführt.

Lassen Sie mich, neben erheblichen Fortschritten in der Infrarotspektrokopie, vor allem beispielhaft auf zwei Produktlinien eingehen: Unser Liquiphant ist seit Jahrzehnten weltbekannt. Mit dem Liquiphant-Dichte hat die Familie ein neues wichtiges Mitglied zur Erfassung von Produkteigenschaften hinzubekommen. Die neue Dichtemesslinie kann in allen flüssigen Medien eingesetzt werden zur intelligenten Medienerkennung, zur Berechnung der Normdichte, und zur Berechnung der Konzentration.

Als zweites Beispiel für die Erfassung von Informationen von Produkteigenschaften verweise ich auf die Messumformer für die optische Prozessanalytik. Die Produktpalette umfasst die optische Dichtmessung, UV-Photometrie, Trübung und nicht zuletzt Farbmessung.
Diese Messumformer werden zum Beispiel mit der Absorptionssonde OUSBT66 für die Bestimmung und Verfolgung des Zellwachstums bzw. der Erkennung von Kristallisationszeitpunkten in Fermentern eingesetzt. Das Messprinzip ist die photometrische Bestimmung der Trübung im nahen Infrarotbereich (NIR). Die zwischen zwei Fenstern gemessene Absorption ist ein Maß für die Zelldichte oder eben ein Anzeichen für den Beginn der Kristallisation.

Herr Pistorius, was ist Ihr persönliches Highlight auf dem Endress+Hauser-Stand auf der bevorstehenden Hannover Messe?

Stefan Pistorius: Auf dem Endress+Hauser Hauptstand gibt es viele interessante Highlights zu unseren Produkten und Dienstleistungen. Dazu zählt mit Sicherheit das erste einheitliche Zweileiter-Konzept für Durchfluss und Füllstand, das u. a. über eine einheitliche Gerätebedienung für Feldgeräte verfügt. Das Konzept bietet extreme Einfachheit durch Einheitlichkeit und setzt damit neue Maßstäbe hinsichtlich Sicherheit und Effizienz in der Feldinstrumentierung.

Auf diesem neuen Zweileiter-Gerätekonzept basiert die Weltneuheit in der Durchfluss-Messtechnik. Der Promass E2-wire ist das erste Coriolis-Messsystem, das alle heutigen Anforderungen der chemischen Industrie vollumfänglich erfüllt und zudem in der von den Anwendern favorisierten Zweileiter-Technik aufgebaut ist. Bisher waren Coriolis-Massedurchfluss-Messgeräte ausschließlich in Vierleiter-Technik, also mit getrennten Versorgungs- und Signalleitungen, verfügbar.
Innerhalb des neuen Geräte-Konzeptes werden im Bereich Füllstandmesstechnik neue Modellvarianten vom Typ geführtes Radar „Levelflex" vorgestellt.

Besonders herausragend - der weltweit erste Multiparameter-Transmitter zur Trennschichtmessung. Die neue Füllstandsonde Levelflex FMP55 kombiniert das geführte Radarverfahren mit dem kapazitiven Messprinzip. Damit vereint dieses Messgerät, ohne zusätzliche Einstellung des Betreibers, alle Vorteile der beiden bisherigen Trennschicht-Messsysteme. Das Ergebnis ist eine nie dagewesene Zuverlässigkeit der Messung auch bei Emulsionsbildung. Die zukunftsweisenden Algorithmen sorgen für hohe Zuverlässigkeit der Messgeräte und ermöglichen neue Lösungen in unterschiedlichen Verfahren.

Ein weiteres Highlight auf unserem Messestand bildet das Thema Energieeffizienz: Wir zeigen den Besuchern live, wie die Energieeffizienz in Anlagen erhöht werden kann durch Erfassung, Überwachung und Analyse der Energieströme. 

Lesen Sie auch einen Beitrag zum Thema:
Pt100-Thermometereinsätze für die Prozessmesstechnik
 

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