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Industrieservice: Die Anforderungen an Technische Dienstleister steigen

Interview mit Dr. Joachim Kreysing, Executive Vice President der BIS Group.

11.10.2011 -

Bilfinger Berger Industrial Services (BIS) bietet seinen Kunden aus der Prozessindustrie komplexe Dienstleistungen für den gesamten Lebenszyklus einer Anlage. Das als eigenständiger Teilkonzern innerhalb der Bilfinger Berger-Gruppe geführte Unternehmen erwirtschaftete 2010 mit rund 28.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 2,9 Mrd. €. Und die Weichen stehen weiterhin auf Wachstum. Durch Fokussierung auf Kernmärkte der Prozessindustrie wie Chemie/Petrochemie, Pharma- und Nahrungsmittelindustrie, Raffinerien oder Kraftwerke gewährleistet BIS die von Kunden geforderte hohe Branchenkompetenz. CHEManager befragte Dr. Joachim Kreysing, Executive Vice President der BIS Group, zu den aktuellen und künftigen Herausforderungen für Technische Dienstleister.

CHEManager: Herr Dr. Kreysing, einen beträchtlichen Teil ihres Umsatzes erzielt die BIS Group mit Unternehmen der Chemischen Industrie. Welche Anforderungen stellt die Chemiebranche an Instandhalter?

Dr. Joacheim Kreysing: Die Chemische Industrie ist eine Schlüsselindustrie der deutschen Wirtschaft und für uns eine der wichtigsten Branchen. Mehr als 80 BIS Gesellschaften erbringen Leistungen für Firmen dieses Industriezweigs. Da deren wirtschaftlicher Erfolg in starkem Maß von der Effizienz der Anlageninstandhaltung abhängt, ist die oberste Prämisse, Anlagenverfügbarkeit, Instandhaltungszeiten und Kosten in ein optimales Verhältnis zu bringen. Darüber hinaus sind im Markt für Turnaround-Dienstleitungen Generalkontraktoren gefragt, die neben der Abwicklung die Planung und Gesamtkoordination abdecken.

Die Chemieindustrie ist einem harten globalen Wettbewerb ausgesetzt. Inwiefern wirkt sich das auf Sie als Dienstleister aus?

Dr. Joacheim Kreysing: Die Erwartungen seitens unserer Auftraggeber sind sehr hoch. Gefragt sind zunehmend Dienstleister, die auch strategische Partner sind. Da die Anlagen meist kundenspezifisch sind, gilt es, gemeinsam mit dem Auftraggeber individuelle Lösungen zu entwickeln, die über das reine Abarbeiten von notwendigen Standardleistungen hinausgehen und auch Beratungsleistungen und die Umsetzung neuer Prozesse umfassen. Dazu gehört z.B. auch, dass eine Roadmap definiert wird, wie etwa das gesamte Servicekonzept eines Unternehmens entwickelt werden soll.

Wie sieht bei solch unterschiedlichen Anforderungen die konkrete Zusammenarbeit mit den Kunden aus?

Dr. Joacheim Kreysing: Je nach den Anforderungen und Zielen der Kunden bieten wir unterschiedliche Modelle der Zusammenarbeit an. Die Vertragsformen reichen von Einzel- und Rahmenverträgen über Main Contracts bis hin zu Full Service-Instandhaltung und Generalunternehmerverträgen. Der Umfang an Aufgaben, die durch die BIS Group abgedeckt werden, nimmt bei den genannten Formen der Zusammenarbeit kontinuierlich zu. Das gilt auch für den Grad, in dem wir in strategische Fragestellungen eingebunden sind und die Verantwortung für die Instandhaltung oder auch die Abwicklung von Projekten übernehmen.
Für alle Formen der Zusammenarbeit gilt, dass die Vereinbarungen individuell getroffen werden und an den Bedarf des Kunden angepasst sind. Bei Kunden, mit denen wir im Rahmen von Full Service-Verträgen zusammenarbeiten, übernehmen wir die volle Verantwortung für den Bereich der Instandhaltung. Bei dieser Form der Kooperation arbeiten wir mit langfristigen Verträgen, die mindestens eine Laufzeit von fünf Jahren haben. Für den Kunden bedeutet das Sicherheit, für uns ist es Motivation, das Serviceniveau hoch zu halten, die Anlagenverfügbarkeit zu steigern und damit zur Produktivität des Kunden beizutragen. Das geht so weit, das wir gemeinsam mit dem Kunden neue Vertragskonzepte entwickeln, die z.B. Boni für die Vermeidung ungeplanter Reparaturen und Stillstandzeiten enthalten.

Gelten für Turnarounds ähnliche Anforderungen?

Dr. Joacheim Kreysing: Auch im Bereich von Turnarounds stellen die Kunden immer mehr die Anforderung, die langfristige Planung ebenso zu übernehmen wie die Gesamtkoordination in der Phase der Abwicklung und die anschließende Auswertung der gewonnenen Erfahrungen, damit diese beim nächsten Turnarounds genutzt werden können. Das sind sehr anspruchsvolle Projekte, denn der Kunde erwartet davon Planungssicherheit bei den Kosten sowie insbesondere auch Termintreue, und das bei hohen Standards bei Arbeitssicherheit und Qualitätssicherung. Wir sind bei großen Turnarounds international sehr gut aufgestellt, weil wir nicht nur die Erfahrung haben, sondern in der Unternehmensgruppe auch über die erforderlichen Kapazitäten verfügen.

Neben den technischen Dienstleistungen bietet die BIS Group ihren Kunden weitere Services wie z.B. das Programm BICEPS an. Was muss man sich darunter vorstellen?

Dr. Joacheim Kreysing: In der Chemischen Industrie ist es unverzichtbar, dass die Mitarbeiterdaten zu Vorsorgeuntersuchungen und Schulungen immer auf dem neusten Stand sind und kontinuierlich überwacht werden. Das Bilfinger Berger Industrial Services Certification E-Management Program oder kurz BICEPS ist ein computergestütztes Tool, mit dem Unternehmen diese Daten pflegen und kontrollieren können.
Für jedes Gewerk werden Mitarbeiterprofile angelegt. Das webbasierte Tool verwaltet und überwacht Fälligkeiten, Vorsorgetermine und Schulungen. Außerdem können Sicherheitspässe in verschiedenen Formaten gedruckt werden. Für die Verantwortlichen für Arbeitssicherheit und Qualitätssicherung - wir sprechen hier in der Industrie von HSEQ für Health, Safety, Environment, Quality - bedeutet das eine enorme Erleichterung und Vereinfachung.

Nicht nur große Chemiekonzerne, sondern auch KMUs agieren inzwischen global. Welche Rolle spielt da das internationale BIS-Netzwerk?

Dr. Joacheim Kreysing: Bei international agierenden Kunden sind Dienstleister gefragt, die ebenfalls international ausgerichtet sind. Das Netzwerk der BIS-Gesellschaften ist daher für uns sehr wertvoll. Unsere internationalen Kunden wollen häufig Modelle der Zusammenarbeit, die wir in einem Land mit ihnen umsetzen, auch an anderen Standorten einführen. Durch die BIS-Gesellschaften in diesen Ländern verfügen wir vom Start weg über länderspezifisches Know-how, das exakt auf den Bedarf zugeschnitten ist. Davon profitieren die Kunden in hohem Maß - nicht zuletzt deshalb, weil die neuen Projekte mit kürzeren Vorlaufzeiten angestoßen und umgesetzt werden können.
Weitere Aspekte sind Flexibilität und Servicebereitschaft. Bei großen Turnarounds können wir z.B. BIS-Mitarbeiter von benachbarten Standorten hinzuziehen und so die erforderlichen Ressourcen zur Verfügung stellen.
Im Zuge der internationalen Anforderungen unserer Kunden sind auch unsere zentralen Einheiten sehr gefragt. Sie setzen regelmäßig Beratungsprojekte im In- und Ausland um und führen Instandhaltungsanalysen durch. Daraus resultieren konkrete Vorschläge zur Strategie und Umsetzung in der Instandhaltung.

Was sehen Sie als die wesentlichen künftigen Herausforderungen an?

Dr. Joacheim Kreysing: Flexibilität, Internationalität und Know-how, das immer auf dem neuesten Stand ist, sind die Grundvoraussetzungen für den zukünftigen Erfolg. Was die Kunden-Lieferanten-Beziehung angeht, so wird sich die Entwicklung weg von der klassischen Verbindung hin zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit, bei der die Kunden auch strategischen Input und die Übernahme von Verantwortung durch den Dienstleister einfordern, weiter fortsetzen.
Speziell im Turnaround-Geschäft erwarten wir, dass sich das lokale Stillstandsmanagement zunehmend zu einer anlagenübergreifenden Organisation entwickelt. Das heißt, dass Fachkräfte künftig anlagenübergreifend eingesetzt werden. Gefragt sind Generalkontraktoren, die den Zyklus von der Planung bis zum formalen Abschluss des Projekts steuern. Zudem wollen international agierende Kunden einen strategischen Servicepartner, der ebenfalls international ausgerichtet ist. Wir stellen uns als Unternehmen auf diese Trends durch die Weiterentwicklung der Services und den Ausbau unserer internationalen Ausrichtung ein. 

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Gneisenaustr. 15
80992 München

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