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Merck plant Milliardenübernahme von AZ Electronic Materials

05.12.2013 -

Merck will AZ Electronic Materials (AZ) übernehmen. Der Darmstädter Pharma-, Chemie- und Life Science-Konzern hat mit dem AZ-Aufsichtsrat die Abgabe eines Übernahmeangebots in bar für das gesamte Aktienkapital von AZ vereinbart. Das Übernahmeangebot bewertet AZ mit insgesamt rund 1,9 Mrd. € und soll vollständig aus Barmitteln finanziert werden.

Ziel ist, das Materialien- und Spezialchemiegeschäft von Merck durch den Zusammenschluss mit einem der weltweit führenden Premiumanbieter von High-Tech-Materialien für die Elektronikindustrie weiter auszubauen. Der erfolgreiche Abschluss der Transaktion steht u.a. unter dem Vorbehalt kartellrechtlicher Freigaben sowie dem Erreichen einer Mindestannahmeschwelle von 95% des Aktienkapitals.

AZ gehörte früher zur Hoechst AG und wurde 1997 mit der Aufspaltung des Konzerns an Clariant veräußert. 2004 übernahm die Carlyle Group das Unternehmen und verselbstständigte es. 2007 stieg der Finanzinvestor Vestar Capital Partners bei AZ ein. Der Name AZ entstammt der photochemischen Komponente DiAZo, die 1943 zum ersten Mal entwickelt wurde und ca. 1950 in der Herstellung von photoempfindlichen Druckplatten Einsatz fand.

„Mit diesem strategischen Schritt stärken wir das Portfolio von Merck, indem wir unser Flüssigkristallgeschäft um ein weiteres hochprofitables Premiumgeschäft ergänzen", sagte Dr. Karl-Ludwig Kley, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Merck. „Der Zusammenschluss ermöglicht uns, zusätzliche Wachstumsfelder in der Elektronikindustrie zu erschließen, damit wir über Displays hinaus noch stärker von der steigenden Nachfrage nach elektronischen Geräten profitieren können. Außerdem markiert die geplante Übernahme einen weiteren Meilenstein im Transformationsprozess von Merck hin zum hochspezialisierten Technologiekonzern, der Patienten und Kunden maßgeschneiderte Lösungen liefert."

John Whybrow, Chairman von AZ, kommentierte das Angebot: „AZ wird seit Jahren anerkannt als einer der führenden Anbieter von innovativen, hochreinen Materialien für den Hightech-Elektronikmarkt. Da Materialien für die Märkte, die wir bedienen, immer wichtiger werden, sind starke Forschungs- und Entwicklungskapazitäten und eine breite Basis nötig, um Größenvorteile zu nutzen und neue Märkte zu erschließen. Die sich nun bietende strategische Gelegenheit für AZ, sich mit Merck zusammenzuschließen, ist bestechend. AZ hat starke Marktpositionen und eine sehr fokussierte Produktentwicklung: In der Kombination mit Merck werden diese beiden Attribute langfristige Wachstumschancen verstärken."

Mit seinen qualitativ hochwertigen, hoch-reinen Spezialchemikalien für die Elektronikbranche erwirtschaftete AZ im Jahr 2012 einen Umsatz von 794 Mio. US-$ (584 Mio. €) und ein operatives Ergebnis (EBITDA) von 262 Mio. US-$ (193 Mio. €). Rund 70 % des Umsatzes entfielen auf den Geschäftsbereich IC-Materialien, der Prozesschemikalien zur Herstellung von integrierten Schaltkreisen (IC) anbietet, die z.B. in Tablet Computern, Smartphones, MP3-Spielern oder Spielekonsolen eingesetzt werden. Die EBITDA-Marge im Geschäftsbereich IC-Materialien belief sich im vergangenen Jahr auf rund 41 %.

Auf den zweiten Geschäftsbereich Optronics entfielen im vergangenen Jahr rund 30 % der Umsätze. Zu seinem Portfolio gehören lichtempfindliche Lacke, die sogenannten Photolacke, für die Herstellung von Flachbildschirmen sowie auf Siliziumchemie basierende Produkte für die Optoelektronik. Die EBITDA-Marge im Geschäftsbereich Optoelektronik lag 2012 bei rund 29 %. AZ beschäftigte Ende 2012 rund 1.100 Mitarbeiter, fast 60 % davon in Asien.

Merck geht davon aus, dass die Zusammenarbeit zweier erstklassiger Forschungs- und Entwicklungsteams zu neuen innovativen Lösungen für Kunden in der Elektronikindustrie führen wird. Die Zusammenführung unterschiedlicher Kompetenzen soll künftig dazu beitragen, die Nachfrage nach Materialien mit komplexeren Funktionalitäten noch besser bedienen zu können. Außerdem erwartet Merck durch die Zusammenlegung von Gruppen- und administrativen Funktionen jährliche Synergien von 25 Mio. € ab 2016. Die Integrationskosten werden auf rund 50 Mio. € geschätzt, verteilt auf die Jahre 2014 bis 2016. Die Transaktion wird unmittelbar einen positiven Beitrag zum EPS pre (Gewinn je Aktie vor Einmaleffekten und Abschreibungen im Rahmen der Kaufpreisallokation) leisten, basierend auf 2012 Pro-forma-Zahlen.