Chemie & Life Sciences

Wachstumsmarkt Nutraceuticals mit großem Potenzial

Interview mit Anne-Christin Arnold, Business Development Manager Nutraceuticals bei der Biesterfeld Spezialchemie

09.11.2021 - Bei der Neuaufstellung des Bereichs Nutrition folgt Biesterfeld aktuellen Trends

Biesterfeld Spezialchemie ist ein international agierender Distributor für Produkte und Lösungen in den Segmenten der Spezialitätenchemie und Lebensmittelindustrie. Das Unternehmen bietet ein breites Produktportfolio für die Lebensmittelherstellung an. Dazu gehören Rohstoffe und Zusatzstoffe für würzige Lebensmittel und Convenience-Produkte genauso wie für Molkereiprodukte, Backwaren, Süßwaren und Getränke. Komplettiert wird das Angebot mit Zutaten für Nahrungsergänzungsmittel, funktionelle Nahrungsmittel und Sportlernahrung und genau dieser Bereich soll nun neu aufgestellt werden. CHEManager befragte dazu Anne-Christin Arnold, Business Development Manager Nutraceuticals, Biesterfeld Spezialchemie. Die Fragen stellte Birgit Megges.

CHEManager: Frau Arnold, sie sind als Business Development Managerin Nutraceuticals bei Biesterfeld eingestiegen. Wo ist dieser Bereich im Unternehmen angesiedelt und welche Ausrichtung verfolgen Sie?

Anne-Christin Arnold: Der Bereich Nutrition ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Gemeinsam mit namhaften Partnern bieten wir hier ein innovatives und breit gefächertes Spektrum an Lebensmittelzusatzstoffen und -zutaten für alle Anwendungsgebiete der Lebensmittelindustrie an. Nutraceuticals sind ein Wachstumsmarkt mit großem Potenzial, den wir nun strategisch näher in den Fokus rücken. Daher stellen wir uns im kommenden Jahr mit einem neuen Marktsegment Nutraceuticals zukunftsweisend neu auf. Wir bündeln unser Angebot an Nahrungsergänzungsrohstoffen wie zum Beispiel Vitaminen, Aminosäuren und Pflanzenextrakten, die wir vorwiegend aus Asien beziehen, mit Teilen aus unserem Nutrition Portfolio wie löslichen Ballaststoffen, Proteinen, Vitaminmischungen oder Aromen. Ergänzt wird die neue Portfoliozusammenstellung mit Produkten, die aus unserer Pharmaabteilung kommen. Dazu zählen Mineralstoffe, Hilfsstoffe und funktionelle Extrakte. Damit bieten wir unseren Kunden ein noch breiteres Angebot an innovativen Rohstoffen und Additiven aus einer Hand, gepaart mit unserer anwendungstechnischen Beratung.

 

 

„Nutraceuticals sind ein Wachstumsmarkt
mit großem Potenzial,
den wir nun strategisch näher in den Fokus rücken.“



Wie beurteilen Sie die Marktentwicklung in diesem Bereich?

A.-C. Arnold: Tatsächlich ist das Segment eines der dynamischsten am Markt: In den letzten Jahren verzeichnete das Segment Nutraceuticals in Europa ein Wachstum von knapp 10 % – im Corona-Jahr 2020 sogar noch deutlich höher. Das ist im Vergleich zum stagnierenden Lebensmittelmarkt überdurchschnittlich. Der Grund dafür sind der demografische Wandel und ein gestiegenes Gesundheitsbewusstsein: Wir werden immer älter, eine bessere Ernährung und Selbstmedikation liegen im Trend. Außerdem sind Nahrungsergänzungsmittel heute für jeden zu bekommen und jeder kann sie verwenden. Selbstverständlich hat auch die Pandemie diese Effekte zusätzlich verstärkt. Speziell die Nachfrage nach immununterstützenden Nahrungsergänzungsmitteln ist deutlich gestiegen. Bei Sports-Nutrition brach der Markt während des Lockdowns dagegen stark ein, erlebt nach Wiedereröffnung der Fitnessstudios und Sportstätten jedoch erneut einen regelrechten Boom!

Wo sehen Sie die größten Chancen für das Marktsegment Nutraceuticals?

A.-C. Arnold: Eine besonders interessante Entwicklung sehen wir bei sogenannten funktionellen Lebensmitteln. Das sind Lebensmittel, die über ihre Ernährungsfunktion hinaus eine gesundheitliche relevante Wirkung anstreben, wie zum Beispiel eine mit Pflanzensterinen angereicherte Margarine als Diätprodukt. Ein weiteres Thema ist der Ausgleich von Nährstoffdefiziten. Das ist beispielsweise für Veganer und Vegetarier wichtig – und diese Ernährungsformen sind in den letzten fünf Jahren um 41 % bzw. 23 % gewachsen. Ähnlich verhält es sich übrigens bei sogenannten „Meal Replacern“ beziehungsweise Formula Diäten: Viele Konsumenten versuchen ihre „Corona-Pfunde“ wieder loszuwerden und greifen neben Sports-Nutrition verstärkt auf die beliebten Abnehmdrinks zurück.

 

„Wir werden immer älter,
eine bessere Ernährung und Selbstmedikation liegen im Trend.“

 


Und nicht zuletzt sehen wir auch bei Cosmoceuticals beziehungsweise Nutriocosmetics großes Potenzial. Dabei handelt es sich um Nahrungsergänzungsmittel, die einen positiven Einfluss auf das Aussehen und das allgemeine Wohlbefinden haben. Hier ist das natürliche Vitamin C aus der Acerolakirsche ein interessanter Rohstoff. Es wird als wahres Superfood gehandelt, dem eine starke antioxidative Wirkung und eine Vielzahl von gesundheitlichen Vorteilen nachgesagt wird. Es unterstützt die Vitalität und das Immunsystem. Weiter beteiligt es sich an der Biosynthese von Kollagen und schützt die Zellen vor oxidativen Schäden.

Wie sehen die Rahmenbedingungen im Marktumfeld für Nahrungsergänzungsmittel aus?

A.-C. Arnold: Rechtlich gesehen gehören Nahrungsergänzungsmittel zu den Lebensmitteln. Im Gegensatz zu sogenannten Heilmitteln, also pharmazeutischen Produkten, dürfen bei Lebensmitteln keine heilenden Werbeversprechen ausgelobt werden. Hier ist insbesondere die sogenannte europäische Health-Claims-Verordnung der European Food Safety Authority, kurz EFSA, zu beachten. Seit 2006 in Kraft, schiebt sie nicht beweisbaren Aussagen zu gesundheitlichen Vorteilen als Werbeversprechen einen Riegel vor. Seit 2012 gibt es eine Liste mit erlaubten gesundheitsbezogenen Aussagen, die ständig aktualisiert wird. So darf zum Beispiel ein mit probiotischen Bakterien angereicherter Joghurt weder als „probiotisch“ noch als „Immunsystem-stärkend“ angepriesen werden.
Nichtsdestotrotz ist das Marktsegment viel dynamischer als zum Beispiel der Bereich Pharma, wo in der Regel aufwendige Langzeitstudien notwendig sind, bevor Produkte am Markt zugelassen werden. Im Marktsegment Nahrungsergänzungsmittel gibt es häufig innovative Produktneuheiten, die aufgrund ihrer Darreichungsform wie zum Beispiel Pillen, Pulver oder Kapseln, für den Verbraucher auch einen eher medizinischen Anschein erwecken.

Welchen Einfluss hat das Thema Biotechnologie auf Nutraceuticals?

A.-C. Arnold: Biotechnologie ist neben der Extraktion aus natürlichen Rohstoffen die wichtigste Technologie in der Herstellung von Nutraceuticals. Besonders Vitamine werden häufig durch biotechnische Fermentation hergestellt und nicht wie oft irrtümlich vermutet aus Pflanzen gewonnen. Tatsächlich ist auch der Begriff „natürlich“ für Vitamine und Mineralstoffe nicht rechtlich geschützt und entsprechende Produktionsprozesse sind gesetzlich nicht geregelt.
Ein gutes Beispiel für die gängige Praxis ist die Herstellung von natürlichem Beta-Carotin, also Provitamin A. Dieses wird üblicherweise in einem natürlichen Fermentationsverfahren aus Pilzen oder Algen gewonnen und nicht, wie vielleicht vom Konsumenten erwartet, aus Karotten.
Tatsächlich ist Fermentation aber eine sehr alte Methode für die Konservierung und Herstellung von Lebensmitteln wie unter anderem Wein, Bier oder Brot und liegt insbesondere aufgrund ihres Nachhaltigkeitsaspekts aktuell sehr im Trend.

Der Trend zur Nachhaltigkeit ist in keinem Bereich mehr wegzudenken. Wie gehen Sie im Bereich Nutraceuticals mit diesem Thema um?

A.-C. Arnold: Bei der herkömmlichen Lebensmittelproduktion steht oftmals die regionale Versorgung im Vordergrund, was sich bei Nahrungsergänzungsmitteln allerdings schlichtweg nicht realisieren lässt, denn die Rohstoffe sind nicht immer lokal verfügbar. Ein gutes Beispiel dafür sind Grünteeextrakte, die aus den Anbaugebieten in Indien oder China kommen.
Ein aktuell großes Thema in diesem Zusammenhang sind auch Fischöle. Fischöl ist eines der häufigsten Fischnebenprodukte, das aufgrund seines hohen Nährstoffgehalts und der gesunden Omega-3-Fettsäuren sehr beliebt ist und auch oft bei der Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt wird. Fischöle werden in der Regel aus dem sogenannten Beifang gewonnen. Leider wird nachhaltige Fischerei insbesondere bei Nebenprodukten nicht gelebt. Erfreulicherweise gibt es durch Mikroalgen aber immer mehr nicht-tierische Alternativen, die Fischbestände schont und auch für Veganer geeignet ist.
Im Rahmen unserer ganzheitlichen Kundenbetreuung beraten wir unsere Kunden auch zu innovativen Rohstoffalternativen. Durch unser internationales Netzwerk können wir gezielt auf Kundenwünsche eingehen und Rohstoffe beschaffen. So können wir zusammen mit unseren Kunden Produktkonzepte anhand aktueller Trends entwickeln. Dafür ist der enge Kundenkontakt natürlich zentral. Mitunter entwickeln wir auch gemeinsam mit unseren Herstellern maßgeschneiderte Produktlösungen für unsere Kunden.

 

ZUR PERSON
Anne-Christin Arnold, geboren 1987, schloss ihr Bachelorstudium an der Hochschule Mittweida 2014 ab. Anschließend arbeitete sie bei Miavit im Product Management und später Key Account, sowie bei der Ter Group als ­Sales Man­ager. Im Oktober 2021 stieg Arnold bei der Biesterfeld Gruppe ein, um als Business Development Manager den Bereich Nutraceuticals neu aufzustellen.

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