Standorte & Services

Yncoris fühlt sich gut gerüstet für den globalen Wettbewerb

Interview mit Christoph Kappenhagen aus der Geschäftsleitung des Standortbetreibers

07.12.2022 - Der Industriedienstleister und Betreiber des Chemieparks Knapsack meint genügend Flexibilität zu besitzen, um Produkte und Portfolio dem Bedarf anzupassen. Das mittelständische Unternehmen sieht sich in der Lage Entscheidungsprozesse straff zu halten und schnell auf neue Anforderungen des Marktes reagieren zu können.

Christoph Kappenhagen, Mitglied der Geschäftsleitung von Yncoris, war rund 26 Jahre für 3M und Momentive in Führungspositionen tätig – zwei US-Konzerne, die deutlich globaler aufgestellt sind als der Industriedienstleister und Betreiber des Chemieparks Knapsack. Oliver Pruys sprach mit ihm über die Herausforderungen und Chancen eines mittelständischen Unternehmens und den Reiz, dessen Zukunft zu gestalten.

CHEManager: Herr Kappenhagen, Sie sind von einem Global Player zu einem mittelständischen Dienstleister gewechselt. War das die richtige Entscheidung für Ihre Karriere, kann ein solcher Job Freude machen angesichts von Energiekrise, Fachkräftemangel und hoher Inflation?

Christoph Kappenhagen: Er kann! Selbstverständlich stehen auch wir jeden Tag vor den von Ihnen genannten Herausforderungen, aber wir fühlen uns gut gerüstet. Ich habe die letzten 26 Jahre fast ausschließlich in Großunternehmen der produzierenden Industrie verbracht und schätze bei Yncoris, dass wir als mittelständisches Unternehmen deutlich mehr Flexibilität besitzen, um Produkte und Portfolio bei Bedarf anzupassen. Wir sind klein genug, um Entscheidungsprozesse straff zu halten und schnell auf neue Anforderungen des Marktes zu reagieren, aber gleichzeitig groß genug, um auch einmal etwas ausprobieren zu können. Ich denke hierbei beispielsweise an Lösungen, mit denen wir die Digitalisierung im Unternehmen, aber auch bei unseren Kunden vorantreiben wollen.

Welche Vorkehrungen haben Sie getroffen, um als Standortbetreiber auch in Zeiten von möglichem Gasmangel den produzierenden Unternehmen die dringend benötigte Energie zur Verfügung stellen zu können?

C. Kappenhagen: Zunächst einmal haben wir durch das Ersatzbrennstoffkraftwerk, EBKW, am Standort schon vor Jahren die technischen und vertraglichen Rahmenbedingungen geschaffen, um weitestgehend unabhängig von den Strommarktpreisen zu sein. Vor diesem Hintergrund erwarten unsere Kunden bei der Abnahme unserer Dienstleistungen und Sekundärenergien keine größeren Überraschungen. Gleichzeitig produzieren wir im EBKW neben Strom auch Dampf. Daher müssen wir – anders als an vielen anderen Chemiestandorten – Erdgas nicht zur Dampf­erzeugung einsetzen.  

Als weiteren Vorteil sehe ich, dass im Chemiepark Knapsack die meisten Unternehmen im Verbund zusammenarbeiten. Das betrifft nicht nur die Produktion an sich, sondern auch viele damit verbundene Themen, wie einen gemeinsamen Werkskrisenstab oder eine einheitliche Kommunikation in Richtung Behörden. Ein möglicher Gasmangel lässt sich in einem solchen vertrauensvollen Verbund deutlich einfacher managen. Dabei sehen wir unsere Aufgabe in der Koordinierung der Bedarfe und eventueller Reduzierungen. Wir haben am Standort bereits Krisen – denken wir nur an die Pandemie – gemeinsam gemeistert, verfügen über die nötigen Strukturen und sind überzeugt, dass uns das auch in Zukunft gelingen wird.

Pandemie, Starkregenereignis, Krieg in der Ukraine – wie wirken sich diese Einflüsse auf das gemeinsame Arbeiten aus?

C. Kappenhagen: Diese Entwicklungen gehen auch an unseren Mitarbeitenden nicht spurlos vorbei. Einige hat insbesondere das Starkregen­ereignis stark belastet. Um solche Belastungen zu verarbeiten, bieten wir verschiedene Hilfsangebote zusammen mit Experten an. Im beruflichen Umfeld merken wir, dass die Euphorie des mobilen Arbeitens deutlich nachgelassen hat. Vielen fehlt der informelle Kontakt in der Kaffeeküche, aber auch das Meet­ing vor Ort. Gleichzeitig möchten sie die Vorteile des mobilen Arbeitens nutzen. Dieses hybride Arbeiten schafft neue Herausforderungen, in der praktischen Abstimmung, aber auch generell in der Aufrechterhaltung der emotionalen Beziehung zum Unternehmen. Hier sind wir in intensivem Austausch mit Führungskräften und Mitarbeitern, um unsere Organisation und die Art der Führung auf diese neue Form der Zusammenarbeit anzupassen und dafür zu sorgen, dass sich alle auch in Zukunft als Teil der Yncoris-Familie fühlen.  

Welche Bedeutung hat die betriebliche Aus- und Weiterbildung im Chemiepark Knapsack?

C. Kappenhagen: Als Industriedienstleister sind unsere Mitarbeiter unser größtes Kapital. Detailwissen um die Anlagen und hohe fachliche Qualifikation sind ein Muss. Gerade im Stillstandsmanagement erleben wir in den letzten Jahren verstärkt, dass qualifiziertes und motiviertes Personal von extern einen immer größeren Engpass bildet. Für mich und für alle, die sich bei uns um Ausbildungsthemen kümmern, ist es eine Herzensangelegenheit, Jugendliche für die chemische Industrie begeistern und deren Erwartungen an eine moderne, offene und liberale Gesellschaft zu adressieren. Dabei ist uns neben der fachlichen Qualifikation wichtig, dass die Azubis Freiräume erhalten, um über den eigenen Tellerrand hinausschauen und fachgebietsübergreifende Erfahrungen sammeln zu können. Deshalb freut es uns besonders, dass wir schon seit Jahren zu den Top-Ausbildungsbetrieben unserer Branche bei den Vergleichstests von Fokus, Capital oder auch der IHK gehören. Und weil Lernen nicht nach der Ausbildung endet, fördern wir auch die weitere Qualifikation unserer Mitarbeiter.

Welche Rolle messen Sie als Chef eines Serviceunternehmens der Digitalisierung in der Industrie zu?

C. Kappenhagen: Die Digitalisierung ist nicht nur Notwendigkeit, sondern wirkt gerade in Zeiten von Energiekrise und politischen Unsicherheiten weltweit als Beschleuniger für den Wandel in Unternehmen. Wir nehmen das Thema bereits seit Jahren sehr ernst und entwickeln Lösungen, mit denen wir unsere Kunden im Chemiepark Knapsack und in der Region unterstützen. Das kann in Richtung größerer Effizienz, aber auch in Richtung mehr Nachhaltigkeit gehen. Als Chemieparkbetreiber können wir die Lösungen an eigenen Anlagen testen und so sicherstellen, dass sie auch im betrieblichen Alltag bestehen.

Welchen Stellenwert kann die Digitalisierung beispielsweise in der Instandhaltung einnehmen?

C. Kappenhagen: Gerade der Bereich „Predictive Maintenance“ bietet große Chancen für Betreiber, denn ungeplante Stillstände verursachen hohe Kosten. Die Umsetzung gestaltet sich für die Unternehmen jedoch oft schwierig, weil konkrete Ansatzpunkte häufig fehlen oder Betreiber befürchten, nur über groß angelegte und umfassende Projekte zum Ziel zu gelangen. Ein Beispiel: In den Anlagen unserer Kunden werden heute schon eine Vielzahl von Daten erhoben, unter anderem an Pumpen und Aggregaten, mit denen Betreiber die Laufzeit einer Pumpe bis zum Ausfall voraussagen könnten. Häufig müssen Betreiber diese Daten jedoch aufwendig bei den Herstellern anfordern. Liegen sie vor, fehlt oft die entsprechende IOT-Plattform, um solche Daten zu analysieren und zu wertvollen Informationen aufzubereiten. Genau hier setzen wir an und testen mögliche Lösungen herstellerunabhängig auf ihre Praxistauglichkeit – zum Beispiel an den über 3.000 Pumpen und Aggregaten, die wir im Chemiepark vorhalten, sowie über Analysetools in unserer Industrial Cloud. So stellen wir sicher, dass unsere Kunden schnell und ohne hohe Investitionen interessante Einsparungen realisieren und wichtige Erfahrungen für weitere digitale Aktivitäten sammeln können.

Wie kann ein mittelständisches Unternehmen im globalen Wettbewerb bestehen, wie sehen Sie die strategische Ausrichtung eines industriellen Dienstleisters in diesem Spannungsfeld?

C. Kappenhagen: Der globale Wettbewerb schreckt uns nicht. Denn unsere Kunden fordern von einem industriellen Dienstleister in Deutschland Anlagenkenntnisse, kurze Reaktionszeiten, Zuverlässigkeit und eine hohe Qualität – Leistungen, die wir unseren Kunden bieten und die vielen europäischen oder weltweiten Dienstleistern nicht in diesem Umfang möglich sind.

Wir streben langfristige Partnerschaften an, bei denen wir keine Leistungen verkaufen, sondern gemeinsam mit unseren Kunden Lösungen entwickeln, die deren Produktion wirklich voranbringt. Gleichzeitig befinden wir uns strategisch günstig inmitten eines der größten deutschen Chemieclusters. Innerhalb von 150 km rund um den Chemiepark Knapsack liegen 37 chemische und pharmazeutische Standorte.

Wir sehen daher auch bei unserem regionalen Fokus ausreichendes Wachstumspotenzial.

 

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