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Biopharmazeutika: Outsourcing-Partner sind gefragt

Interview mit Dr. Gerhard Schmid, Leiter des Geschäftsbereis Wacker Biosolutions

26.09.2012 -

Vom 9. bis 11. Oktober 2012 findet in Madrid die CPhI Worldwide, eine der größten pharmazeutischen Fachmessen weltweit, statt. Parallel laufen die angegliederten Veranstaltungen ICSE, P-MEC Europe und InnoPack. Insgesamt erwarten die Veranstalter in diesem Jahr bei über 2.200 Ausstellern aus 140 Ländern einen Rekord von mehr als 30.000 Besuchern.

Um die Übersichtlichkeit sowohl für die Aussteller als auch die Besucher zu erhöhen, wird die CPhI erstmalig in neun Zonen Unterteilt (APIs; Generic APIs; Custom Manufacturing; Fine Chemicals; Intermediates; Finished Dosage; Excipients/Formulations; Biopharmaceuticals; General). Acht Zonen davon gab es bereits im letzten Jahr, die neunte Zone - Biopharmaceuticals - ist auf Wunsch teilnehmender Unternehmen ergänzt worden.

Dies zeigt, dass der Markt für Biopharmazeutika weiterhin Wachstumspotential bietet. Laut einer im Juni 2012 veröffentlichten Studie „Medizinische Biotechnologie in Deutschland 2012 - Biopharmazeutika: Wirtschaftsdaten und neue Anwendungsgebiete zum Nutzen der Patienten", die The Boston Consulting Group für VfA Bio erstellt hat, sind die USA bezogen auf die wirtschaftliche Bedeutung ganz klar der Schlüsselmarkt für Biopharmazeutika. Hier wurden 2011 rund 46 % mit diesen Präparaten generiert. Bereits mit deutlichem Abstand landet Japan bei diesem Vergleich mit 9,1 % des Umsatzes an der zweiten Position.

Auf Platz 3 folgt Deutschland mit 7,8 %, das in Europa die Spitzenreiterposition einnimmt. Allerdings stagnierte 2011 in Deutschland der Umsatz mit Biopharmazeutika im Vergleich zu 2010 und belief sich auf rund 5,4 Mrd. €. Der Anteil am Gesamtpharmamarkt erhöhte sich leicht von 18 % auf 19 %. Dafür hat sich aber in Deutschland die Zahl der biopharmazeutischen Präparate in der klinischen Entwicklung binnen Jahresfrist von 516 auf 556 erhöht (+ 8 %); die Zahl der Produkte in Phase III - also der letzten klinischen Entwicklungsphase vor Beantragung der Zulassung - stieg sogar um knapp ein Fünftel (+ 18 %) an.

Zum Thema Biopharmazeutika und anderen aktuellen Themen rund um die CPhI stellte Dr. Birgit Megges für CHEManager Führungspersönlichkeiten von ausstellenden Unternehmen je drei Fragen. Die entstandenen kurzen Interviews finden Sie hier.
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Wacker Biosolutions ist die Life-Science und Biotechnologiesparte des Wacker-Konzerns und bietet auf Grundlage fortschrittlicher biotechnologischer Prozesse u. a. Lösungen und Produkte für die Pharma-, Lebensmittel- und Agroindustrie an. Der wachsende Markt für Biopharmazeutika bietet dem Unternehmen eine gute Basis für neue Entwicklungen, wie Dr. Gerhard Schmid, Leiter des Geschäftsbereichs Wacker Biosolutions berichtet.

CHEManager: Der Markt für Biopharmazeutika wächst. Können Sie diese Aussage bestätigen? Für welche Bereiche gilt das insbesondere? Gibt es, weltweit betrachtet, regionale Unterschiede?

Gerhard Schmid: Der Markt für Biopharmazeutika ist in den letzten Jahren stetig gewachsen, und diese Entwicklung setzt sich weiterhin fort. Stärkster Wachstumstreiber sind nach wie vor Antikörperprodukte. Es werden jedoch zunehmend neuartige kleinere Proteinmoleküle entwickelt, wie beispielsweise Scaffolds und Antikörperfragmente, die besser ins Gewebe eindringen können. Hier sehen wir momentan interessante Wachstumspotentiale.

Darüber hinaus liegen derzeit sogenannte Biosimilars, also biotechnologisch hergestellte Folgepräparate von patentfreien Biopharmazeutika, stark im Trend. Auch dieser Markt wächst und wird künftig immer wichtiger.
Regional gesehen sind die USA bzw. US-basierte Unternehmen immer noch führend im biopharmazeutischen Markt, sowohl hinsichtlich der Zahl der existierenden Firmen, als auch in Bezug auf ihren Umsatz.

Marktwachstum bedeutet auch, dass immer wieder neue, innovative Produkte erwartet werden. Auf welche Produktgruppen setzen Sie den Fokus für Ihre F&E-Tätigkeiten?

Gerhard Schmid: Wacker Biosolutions verfügt dank seiner langjährigen Expertise in Biotechnologie über eine starke und fundierte F&E- bzw. Technologiebasis, die wir konsequent weiter ausbauen.

Ein Fokus liegt auf unseren Aktivitäten im Bereich der Auftragsherstellung von Pharmaproteinen: Mit unserem patentierten, E.coli-basierten Sekretionssystem Esetec haben wir uns bereits als Partner der pharmazeutischen Industrie etabliert und Kundenbeziehungen mit einigen der Top-20-Pharmafirmen. Gleichzeitig arbeiten wir laufend an Weiterentwicklungen und neuen Synthesemöglichkeiten - ein aktuelles Beispiel ist unsere Zusammenarbeit mit der Firma XL Protein zur Herstellung neuartiger PASylierter therapeutischer Proteine, die durch ihre verbesserte Plasmahalbwertszeit seltener injiziert werden müssen.

Bei unseren Cyclodextrinen konzentrieren wir uns derzeit auf neue Anwendungen im Food-Bereich. Zum Beispiel hat gamma-Cyclodextrin gerade erst die Zulassung für den Einsatz als neuartige Lebensmittelzutat für Nahrungsmittel- und Getränkeanwendungen in der Europäischen Union erhalten. Das eröffnet uns interessante Möglichkeiten für ganz neue funktionale Anwendungen, da gamma-Cyclodextrin die Freisetzung von Glukose verzögern, aber auch Geruch oder Geschmack maskieren oder die Bioverfügbarkeit von funktionalen Inhaltsstoffen wie etwa Curcumin oder Coenzym Q10 erhöhen kann.

Inwieweit ist Wacker Biosolutions von der Konsolidierung im Pharmasektor betroffen und wie gehen Sie damit um?

Gerhard Schmid: Sicherlich findet momentan eine Konsolidierung im Markt statt, und das Geschäft wird auch weiterhin wettbewerbsintensiv bleiben, mit wachsendem Wettbewerbsdruck vor allem aus Asien. Aber Wacker Biosolutions ist hier meiner Meinung nach sehr gut gerüstet.
Zudem birgt die Konsolidierung gerade für Dienstleister im Pharmasektor auch Chancen: Zur Optimierung ihrer Infrastruktur und Fixkosten betreiben große Pharmakonzerne vermehrt Outsourcing, insbesondere im Know-how-intensiven Biopharmabereich - und davon profitieren erfahrene Outsourcing-Partner wie Wacker.

Erfolgreiches Unternehmertum erfordert auch Durchhaltevermögen, gerade wenn es darum geht, langfristige Potentiale zu erschließen. Und nur wer in der Lage ist, neue Technologien, innovative Produkte und interessante Anwendungen auf den Markt zu bringen, wird sich auch in Zukunft als attraktiver Partner für den Pharmasektor behaupten können. Hier sind große, internationale Player mit starker Forschung und umfassendem Kundenservice wie Wacker klar im Vorteil.

Ungeachtet der laufenden Konsolidierung sind wir daher davon überzeugt, dass unsere Produkte und Dienstleistungen im Markt weiterhin und dauerhaft überzeugen können. 

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