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Zehn Jahre europäische Chemie-Arbeitgeber ECEG

Erfolgreiche Zwischenbilanz

24.01.2013 -

Wer von nachhaltiger Entwicklung spricht, darf von der Chemie nicht schweigen. So lautet die Quintessenz einer Jubiläumsveranstaltung der European Chemical Employers Group (ECEG) im Dezember 2012 zum Thema „The social pillar of sustainability". ECEG hatte etwas zu feiern: Der Dachverband der Chemie-Arbeitgeberverbände in Europa beging sein Zehnjähriges - und zog Bilanz: Zehn Jahre ECEG, das sind zehn Jahre erfolgreiche Interessenvertretung für die chemische Industrie, acht Jahre konstruktiver, konfliktvermeidender sozialer Dialog, zahlreiche gemeinsame Erklärungen der Chemie-Sozialpartner von Reach über Emissionshandel und Umstrukturierungen bis hin zu Energieeffizienz und Betriebsrenten - ein essentieller Beitrag zur „sozialen Säule der Nachhaltigkeit".

Die soziale Säule der Nachhaltigkeit
Darauf, dass die vielbemühte Vokabel der Nachhaltigkeit drei Dimensionen in sich vereint (Ökonomie, Ökologie und Soziales), machte gleich zu Beginn der für Beschäftigung und Soziales zuständige Generaldirektor der Europäischen Kommission, Koos Richelle, aufmerksam. In seiner Begrüßungsansprache beschwor er eine umfassende Arbeitsmarkt- und Bildungsoffensive („quest for the best"), die der Tatsache Rechnung tragen müsse, dass Wohlstand und Arbeitsplätze in Europa auf Gedeih und Verderb mit einer innovativen, wissensbasierten Ökonomie verbunden seien. Dass soziale Nachhaltigkeit kein Luxus ist, den sich saturierte, postmaterialistische Gesellschaften leisten können, weil sie über alles Andere schon verfügen, wurde im Laufe der Veranstaltung immer wieder deutlich: Um die Statik des Drei-Säulen-Modells tragfähig zu halten, um überhaupt erst rentabel und umweltverträglich wirtschaften zu können, bedarf es umfassender Investitionen in die „Ressource Mensch", in dessen Innovations- und Schaffenskraft, aber auch in seine Dialog- und Konfliktlösungsfähigkeit.

Proaktive Chemie
ECEG hat in den letzten Jahren ebendiese Rolle für die chemische Industrie in Europa gespielt. Die europäischen Chemie-Arbeitgeber pflegen seit 2004 einen (von der Europäischen Kommission formal anerkannten) sozialen Dialog mit der Gewerkschaftsseite, der europaweit nicht nur ein Verständnis von „Partnerschaft" salonfähig gemacht hat, das früher undenkbar gewesen wäre; dieses auf Dauer angelegte Dialogforum hat auch ganz konkret Interessenpolitik für die Chemie betrieben: Mit gemeinsamen Positionen zum Chemikalien-Regelwerk Reach, zum Emissionshandel, zu Umstrukturierungen, zu Energieeffizienz, Betriebsrenten u.v.m. haben sich die Chemie-Sozialpartner - eben „als Sozialpartner" und nicht „als Industrie" oder „als Gewerkschaften" - Gehör verschafft, und zwar über die gesamte Breite des politischen Spektrums.

Schwerpunkt Fachkräfte
In jüngster Zeit hat sich ECEG - im Bewusstsein der wachsenden Dynamik im Wettbewerb um kluge Köpfe und qualifizierte Arbeitskräfte - ganz besonders dem Themenfeld Aus- und Weiterbildung verschrieben: Ein Meilenstein in der Geschichte des sozialen Dialogs stellt in dieser Hinsicht die Unterzeichnung eines Rahmenabkommens im April 2011 dar, mit dem sich die Sozialpartner der Branche auf einen Katalog von Kernkompetenzen für bestimmte chemie-typische Berufe geeinigt haben. Auch die vorbereitenden Arbeiten zur Einrichtung eines „Sector Skills Council", eines europäischen Netzwerkes von Berufsbildungsexperten für die Chemie, zielen in diese Richtung. Wo Europa einen Nachhaltigkeits-Mehrwert erzeugt, sollte der europäische Weg in den Augen der Chemie-Sozialpartner auch beschritten werden.

Starke Rolle der Sozialpartner
Bei der Panel-Diskussion, die das Herzstück der Veranstaltung bildete, wurde kontrovers diskutiert: Während der Chef des europäischen Industrie- und Arbeitgeberverbandes Businesseurope, Philippe de Buck, ein flammendes Plädoyer für mehr Wachstum („We need growth, growth, growth!") mit der Forderung nach Arbeitsmarkt- und Sozialstaatsreformen verknüpfte, gab die SPD-Europaabgeordnete Jutta Steinruck ihrem Unbehagen darüber Ausdruck, dass der Mensch in dieser Rhetorik bisweilen auf das in ihm schlummernde und politisch zu hebende Humankapital reduziert werde.

BAVC-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Goos ließ - für Wirtschaftsvertreter auf Brüsseler Parkett unüblich - durchaus ein gutes Haar an der Kommission: Zwar ermahnte er die oberste EU-Behörde, grundsätzlich stärker auf die Sozialpartner zu hören als gleich die Knute der Gesetzgebung zu zücken, doch zeigte er sich auch dankbar dafür, dass die Europäische Kommission mit der Einrichtung von sektoralen Sozialdialogen eine institutionalisierte Möglichkeit für Arbeitgeber und Gewerkschaften geschaffen habe, direkten Einfluss auf europäische Entscheidungsprozesse zu nehmen.

Alles wandelt sich - auch diese schlichte, aber wichtige Einsicht samt den daraus abzuleitenden Konsequenzen wurde in Erinnerung gerufen. Koen Laenens, Vorsitzender des ECEG-Lenkungsausschusses und im Hauptberuf Generalsekretär des belgischen Chemie-Verbandes essenscia, ermutigte die versammelte Zuhörerschaft - Arbeitgeber, Gewerkschafter, Abgeordnete, Beamte, Regierungs- und Industrievertreter aus ganz Europa -, die Augen nicht vor den weitreichenden Folgen des demografischen Wandels zu verschließen: Die Arbeitswelt müsse eine andere werden. Wir alle müssten künftig nicht nur länger arbeiten, auch führe an flexibleren Arbeitszeitmodellen kein Weg vorbei. Dafür, so sein aufmunterndes Fazit, sei die Chemie aber bestens gerüstet. Schließlich verstehe sie sich wie kaum eine andere Branche darauf, Probleme - seien sie nun wirtschaftlicher, ökologischer oder sozialer Natur - einer nachhaltigen Lösung zuzuführen.

Europäische Chemie-Arbeitgeber
ECEG (European Chemical Employers Group) ist der europäische Verband der Chemie-Arbeitgeber. ECEG vertritt die Interessen seiner 24 nationalen Mitglieder und unterhält als offiziell von der EU-Kommission anerkannter Sozialpartner einen sektoralen sozialen Dialog mit dem Industriegewerkschafts-Dachverband Industriall Europe.